Mit dem Christkind im Bunde: Kinderbrücke und Jobcenter vergeben weihnachtliche Geschenkgutscheine an Kinder im Ostallgäu

Mit dem Christkind im Bunde

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In der Buchhandlung von Johanna Glas in Marktoberdorf können die 40 Euro-Geschenkgutscheine wie hier dargestellt eingelöst werden. Auch Johanna Glas ist von Beginn an überzeugte Fürsprecherin dieser Gutscheinaktion.

Ostallgäu – Stellen Sie sich vor, es ist Weihnachten und unterm Christbaum liegt... nichts. Keine Früchte, Nüsse, Mandelkern und auch keine Geschenke für die Kinder. Gibt es nicht im reichen Deutschland? Doch, es gibt sie: Familien, die sich Weihnachten einfach nicht leisten können.

Im Ostallgäu sind es allein mehrere hundert Familien mit Kindern, die von der Grundsicherung (sprich Hartz IV) leben und eisern sparen müssen. Für Sonderausgaben ist da kein Platz. Eine alleinerziehende Mutter mit Kind muss beispielsweise mit 705 Euro im Monat auskommen. „Da mangelt es an allem“, erklärt Thomas Liebner, der Leiter des Ostallgäuer Jobcenters. „Geld für Weihnachtsgeschenke ist da nicht drin.“ Erst kürzlich hat eine junge Mutter, seit kurzem Hartz-IV-Empfängerin, dem Chef des Jobcenters in einem Brief beschrieben, wie streng sie gerade in der Weihnachtszeit haushalten muss: „Wie viel kann ich für ein Geschenk ausgeben? Dürfen meine Kinder mitwichteln? Reicht es für einen Adventskalender? Wie teuer darf der Baum maximal sein...“

Nun gibt es im südlichen Landkreis seit vielen Jahren die vorweihnachtliche Initiative, Kindern von Hartz-IV-Empfängern einen Geschenkgutschein in Höhe von 40 Euro zukommen zu lassen. Finanziert wird die Aktion dort dank einer Erbschaft, das Rote Kreuz organisiert die Verteilung. Als Thomas Liebner vor gut fünf Jahren von dieser Aktion erfuhr, entstand bei ihm die Idee, diese Gutscheine auch im mittleren und nördlichen Ostallgäu zu etablieren. Tatkräftige Unterstützung fand er bei der Kinderbrücke Allgäu, einer Hilfsorganisation, die sich für die Belange von Kindern und Familien in Not einsetzt, bei der Vorsitzenden Simone Burk-Seitz und ihrer Stellvertreterin Ursula Gollmitzer. Jobcenter und Kinderbrücke haben sich zusammengetan für ein „Herzensprojekt“, wie es Thomas Liebner ausdrückt. Seit Weihnachten 2012 erhalten daher auch im mittleren und nördlichen Ostallgäu Kinder aus Hartz-IV-Familien einen 40 Euro-Geschenkgutschein, heuer sind es 327 Kinder bis zum 16. Lebensjahr. Wohlgemerkt, 327 Kinder, für die ansonsten womöglich kein Geschenk unterm Weihnachtsbaum läge. Die junge Frau jedenfalls schrieb nach Erhalt der Gutscheine an Thomas Liebner, wie „unsagbar dankbar“ sie sei, „dass Sie so etwas für uns und andere tun.“

Simone Burk-Seitz und Ursula Gollmitzer sind überzeugt, dass die Weihnachtsgutscheine bei den Kindern aus Hartz-IV-Familien an der richtigen Adresse sind. „Kinderarmut gibt es auch bei uns“, drückt es Gollmitzer aus. „Diese oft sehr belasteten Familien, oft alleinerziehende Mütter, brauchen unsere Unterstützung.“ So greife man eben ganz gezielt dem Christkind unter die Arme.

Damit die Hilfe denn auch genau da ankommt, wo sie ankommen soll – nämlich in Geschenkpapier verpackt mit Schleife unterm Christbaum – gelten für die Gutscheine strenge Regeln: Er berechtigt nur zum Kauf von Spielzeug, Kinderbüchern, Kinder-CDs, Kinder-Sportartikeln und Kinderfahrradhelmen. Nur in den teilnehmenden Geschäften und nur bis zum 23. Dezember. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Auch wird die Verwendung des Gutscheins sowohl an der Ladenkasse als auch später durch Mitarbeiter des Jobcenters streng überprüft. Thomas Liebner kann von fünf vergangenen Gutscheinaktionen sprechen, wenn er sagt: „Ein Missbrauch der Gutscheine hat noch nie stattgefunden.“

Die Kosten der Gutscheine werden zum sechsten Mal in Folge von der Kinderbrücke e.V. und ihren Spendern und Sponsoren getragen. Rund 13.000 Euro sind es in diesem Jahr, die punktgenau zu Weihnachten anfallen. „Das ist kein Selbstläufer, sondern bedarf jedes Jahr der Genehmigung durch das Komitee der Kinderbrücke“, erklärt Simone Burk-Seitz. Der Verein ist dabei auch auf Spenden angewiesen. „Wir wissen, dass dieses Projekt ein gutes ist“, sagt die Vorsitzende der Kinderbrücke. Denn es helfe vor Ort zielgerichtet und verantwortungsbewusst. Und gemeinsam zaubern sie 327 mal ein Lächeln in ein Ostallgäuer Kindergesicht.

von Angelika Hirschberg


Kinderbrücke Allgäu e.V.

Hinschauen, wenn Familien und Kinder in Not geraten. Schnell, konkret und unbürokratisch helfen. Das war der Grundgedanke, als die Kinderbrücke 2001 ins Leben gerufen wurde. So wird es seither praktiziert. Die Kinderbrücke ist ein Verein engagierter Allgäuer, der in akuten Notlagen aktiv wird, langfristige Projekte initiiert und Bildungschancen eröffnet. In vielen hundert Fällen im ganzen Allgäu. Im vergangenen Jahr engagierte sich die Kinderbrücke mit über einer viertel Million Euro, auch 2017 sind Projekte in ähnlicher Größenordnung verwirklicht worden. Die Einzelprojekte sind im Internet unter www.kinderbruecke-allgaeu.de aufgelistet. Wer die gemeinnützige Organisation unterstützen möchte, wird ebenfalls auf der Homepage der Kinderbrücke Allgäu fündig.

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