Unterstützung für den Einzelhandel

„Click & Collect“ in der Corona-Pandemie – jetzt kommt es auf die Nutzung an

Maximilian Ruf, Geschäftsführer der Cigarren-Ruf GmbH aus Kaufbeuren, übergibt Waren an eine Kundin, die sie vorher telefonisch bestellt hat.
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Maximilian Ruf, Geschäftsführer der Cigarren-Ruf GmbH aus Kaufbeuren, übergibt Waren an eine Kundin, die sie vorher telefonisch bestellt hat.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Die Situation ist weiterhin sehr ernst. Dass es dem Einzelhandel allgemein nicht gut geht, ist kein Geheimnis. In Corona-Zeiten sieht die Lage alles andere als rosig aus. Doch nun gibt es einen kleinen Funken Hoffnung. Zum Start des Verkaufskanals „Click & Collect“ appellierte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger an die Menschen, doch davon Gebrauch zu machen, um die lokalen Händler damit zu unterstützen. Seit vergangenen Montag können nun die Verbraucher online oder auch telefonisch ihre Ware bestellen, um sie dann vor dem Geschäft abzuholen.

In einer Pressemitteilung betonte Aiwanger, dass die Bürger gezielt beim ortsansässigen Händler einkaufen sollten und nicht nur auf den großen Internet-Plattformen. Damit solle ein Ladensterben nach Corona in den Städten vermieden werden. Doch wie schaut es in den Städten Buchloe, Marktoberdorf und Kaufbeuren aus? Machen die Kunden Gebrauch von „Click & Collect“? Der Kreisbote hat sich bei den Einzelhändlern umgehört.

„Für uns ist das eine große Hilfe. Es wird gut angenommen“, so Niko Stammel, Inhaber des gleichnamigen Textilhauses in Buchloe. Vorteil ist laut Stammel, dass die Ware jetzt nicht mehr zum Kunden ausgefahren werden muss. „Der Aufwand war schon enorm.“ Dennoch ist der 41-jährige Unternehmer, der gleichzeitig noch Vorsitzender des Gewerbevereins Buchloe ist, für alles was dem Einzelhandel hilft, derzeit dankbar.

Stammels Kunden halten ihm die Treue, rufen an, bestellen telefonisch ihre Waren. Die Bezahlung erfolgt mit erworbenen Gutscheinen oder Vorauszahlung aufs Konto. Selbst Ware Einkaufen auf Rechnung ist möglich. Auch wenn dem Kunden die Ware nicht gefallen sollte, ist ein Umtausch möglich. „Es gibt viele Einzelhändler, die um ihre Existenz bangen. Die Stimmung ist nicht gerade positiv, aber es wird wieder aufwärts gehen“, bringt es Niko Stammel auf den Punkt.

Kunden schicken Fotos

Erleichtert zeigt sich auch Suzan Zinth von Goldschmiede Zinth aus Buchloe. Meist seien es Reparaturen, die durchgeführt werden. „Sicherlich könnte die Nachfrage besser sein“, macht sie im Gespräch mit dem Kreisbote kein Geheimnis daraus. Doch sie sei in erster Linie froh darüber, dass der Einzelhandel mit dieser Maßnahme unterstützt werde. Ihre Kunden schicken Bilder von Ringen, Schmuck oder Uhren aus ihrem Schaufenster oder rufen an. Meistens wird bar oder per PayPal bezahlt.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im rund 33 Kilometer entfernten Marktoberdorf. Auch hier herrscht Erleichterung. „Unsere Kunden können im Online-Shop oder telefonisch bestellen und die Ware am Geschäft abholen. Das geht schneller, weil somit auch der Versand und die Verpackung wegfallen“, erzählt Xaver Martin. Für den Inhaber von Mode Martin bietet „Click & Collect“ enorme Vorteile zum reinen Versand. „Bei Einhaltung der Hygienestandards entsteht kein zusätzliches Infektionsrisiko“, so Martin. Seine Kunden können ihre Waren nach Bestellung an einem extra eingerichteten Abholschalter am Haupthaus, direkt am Parkplatz, abholen. Allerdings haben Kunden noch eine weitere Option: Die Lieferung der Waren nach Hause, die zuvor im Onlineshop angeklickt werden muss.

„Einen Onlinehandel aufzuziehen ist sehr aufwändig und bringt finanziell nur einen Bruchteil zurück“, so Martin, dessen Maxime es ist, für die Kunden da zu sein. Die Ankündigung seitens der Politik, den Lockdown sogar bis Ostern zu verlängern, sei für Martin eine extrem schwierige Entscheidung. Nicht nur, dass weitere Umsatzausfälle zu beklagen seien, „kann dies auf Dauer einfach nicht gutgehen. Es ist eine herausfordernde Zeit für alle“. Der Modehaus-Chef betont aber: „Jeder Tag, an dem wir Kundenkontakt haben, tut gut.“

Großer Zusammenhalt

Unterdessen appelliert Manfred Brandt, Vorsitzender des Aktionskreis Marktoberdorf, an alle Einzelhändler in der Kreisstadt, ihre Läden für „Click & Collect“ zu öffnen. „Jeder Unternehmer muss natürlich für sich improvisieren. Wir unterstützen uns aber gegenseitig“, so der Inhaber eines Zoofachgeschäfts. Auch er half Einzelhändlern bei der Hinterlegung ihrer Waren in seinem Geschäft. Dort konnten die Kunden dann selbige bei ihm abholen. Brandt bleibt trotz der extrem schweren Situation zuversichtlich. „Wir müssen weiterhin auf unsere Kunden zugehen. Nur zusammen schaffen wir das“, schwört er seine Einzelhändler in Marktoberdorf ein.

In einigen Marktoberdorfer Unternehmen seien die versprochenen staatlichen Hilfen noch nicht angekommen. „Viele müssen aus eigener Kraft diese Situation meistern, obwohl sie unschuldig in diese missliche Lage geraten sind“, so das Fazit einer Mitgliederbefragung des Aktionskreises.

Eine gute Alternative

Auch in Kaufbeuren sind Online-Käufe, telefonische Vorabbestellungen und ein kontaktloser Abholservice möglich. Für Maximilian Fischer, Geschäftsführer der Cigarren-Ruf GmbH, ist „Click & Collect“ eine gute Alternative. „Viele haben keinen Onlineshop. Von daher sind die Einzelhändler froh, auch telefonisch mit ihren Kunden in Kontakt zu treten.“ Schon im ersten Lockdown habe es nie einen Sammelauflauf an Kunden gegeben, sagte Fischer, der zugleich Vorstandsmitglied der Aktionsgemeinschaft Kaufbeuren ist. Über die Homepage der AK gibt es eine Auflistung der teilnehmenden Unternehmen, die „Click, Call & Collect“ anbieten. Fischer selbst empfängt seine Kunden auf Abstand und beliefert sie auch nach Hause. Auch dann, wenn der Lockdown länger anhalten wird, wovon Fischer ausgeht: „Wenn es bis in den April dauern sollte, tut uns Einzelhändler das schon weh“.

Hinter seiner Plexiglasscheibe packt Maximilian Fischer von Cigarren-Ruf Waren für einen Kunden zusammen.

Wieder etwas mehr Leben

Bei Blumen Fürst in Mauerstetten sorgt der Abholservice für eine gewisse Entlastung. „Es bringt wieder etwas mehr Leben. Wir brauchen den Kundenkontakt“, so Chefin Erika Fürst. Ihre Kunden dürfen den Laden betreten und ihre bestellten Waren abholen. Ein spontaner Kauf sei bei ihr nicht möglich. Es muss alles telefonisch oder online erfolgen. Mit der aktuellen Situation dürfe man nicht spaßig umgehen und so halten sich alle bei Blumen First streng an die auferlegten Vorgaben. So auch an das Tragen von FFP2-Masken, die ab Montag zwingend erforderlich sind. Perspektivisch sei das Tragen der FFP2-Masken auch „eine Chance für die Wiederöffnung des Einzelhandels nach dem Lockdown“, wird Staatsminister Aiwanger in einer Pressemitteilung zitiert.

Stefan Günter

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