Corona und andere Herausforderungen: Noch viele Fragen offen

Militärische Ausbildung am Fliegerhorst Kaufbeuren läuft wieder (fast) normal

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„Dort arbeiten dürfen, wo andere Urlaub machen“: Oberst Martin Langer ist seit Anfang des Jahres Kommandeur am Fliegerhorst Kaufbeuren.

Kaufbeuren – Der Einstieg in die neue Aufgabe lief Anfang des Jahres noch nach routinemäßigen und für alle betroffenen Akteure als normal zu bezeichnenden Schemata ab. Doch das änderte sich für Oberst Martin Langer als neuem Kommandeur am Fliegerhorst in Kaufbeuren kurz danach mit der Corona-Situation schlagartig.

„Da muss man mit gutem Bauchgefühl und gesundem Menschenverstand herangehen“, sagte der seit gut sieben Monaten im Amt befindliche Leiter der Abteilung Süd des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe (Abt Süd TAZLw) im Gespräch mit dem Kreisbote. Denn es galt ja nicht nur, den reduzierten Ausbildungsbetrieb für Lehrgangsteilnehmer unter Hygienestandards am Laufen zu halten. Fragen, die im Zusammenhang mit der Zukunft des Standortes und dessen Infrastruktur stehen, sind ebenfalls noch offen.

„Das Allgäu ist meiner Familie und mir nicht unbekannt“, sagte der Vater von drei Kindern lächelnd auf die Frage, ob er sich in Kaufbeuren schon eingelebt habe. Er hätte bereits rund elf Jahre an Standorten im bayerischen Süden Dienst getan und seine älteste Tochter sei in München geboren. „Ich habe jetzt das Privileg, dort arbeiten zu dürfen, wo andere Urlaub machen“, so Langer schmunzelnd. Natürlich sei die Corona-Situation etwas völlig Neues gewesen, doch in seiner Laufbahn gehörten die regelmäßig wechselnden Aufgabenfelder zur vorgesehenen Verwendung, so der Kommandeur. Die Herausforderung mit ständig neuen Inhalten lasse so „mit zunehmendem Alter“ die Truppenerfahrung wachsen und mit besonnenen Reaktionen entsprechende Prioritäten setzen.

Allerdings habe sich das Arbeitsumfeld durch Corona in kurzer Zeit dramatisch verändert, weil nicht der reguläre Schulbetrieb im Vordergrund gestanden sei. Stattdessen lag der Fokus im Ausbildungsbetrieb unter den Aspekten der Einsatz- und Laufbahnrelevanz für Lehrgangsteilnehmer sowie der Gesundheit für alle Soldaten und Zivilbeschäftigten. „Corona-Infektionen hat es glücklicherweise in der Ausbildung weder beim Stammpersonal noch bei den Lehrgangsteilnehmern gegeben“, sagte Langer. „Lediglich ein paar begründete Verdachtsfälle, die sich aber nicht bestätigt haben.“ Mittlerweile wurden alle Lehrgänge wieder aufgenommen, aber nach wie vor unter dem bestehenden Hygienekonzept mit Abständen und Masken.

Entscheidungen offen

Die Ausbildung am Waffensystem Tornado ist laut Langer derzeit bis 2028 in Kaufbeuren gesetzt. Für die Eurofighter-Ausbildung steht die Entscheidung noch aus. „Es gibt zwar eine Empfehlung der Luftwaffenführung für Kaufbeuren, die als Vorlage im Bundesverteidigungsministerium liegt, wenn keine übergeordneten Gründe dagegen sprechen“, lautet die Information des Kommandeurs, der selbst aufgrund der jetzigen Situation nicht unbedingt in diesem Jahr mit einer Entscheidung rechnet. Der Standort Nörvenich ist im noch offenen Verfahren als mögliche Alternative benannt.

Die Entscheidung über eine eventuelle Beschaffung von 45 Luftfahrzeugen des Typs F‑18 als Ersatz für den Tornado liegt ebenfalls weiter ausschließlich in der Zuständigkeit des Ministeriums. Noch nicht gestartet ist das IBV für die nicht typengebundene luftfahrzeugtechnische Grundlagenausbildung. Die Anforderungen der Luftwaffe werden derzeit definiert und mit den Forderungen der anderen Teilstreitkräfte abgeglichen. Eine Kooperation mit zivilen Unternehmen kann sich der erfahrene Experte zwar grundsätzlich vorstellen, eine rein zivile Lösung der gesamten Grundlagenausbildung durch externe Firmen lehnt er jedoch ab: „Wir tun gut daran, als Luftwaffe immer einen Fuß in der Tür zu haben.“

Bewegung bei Infrastruktur

Wie vom Generalinspekteur vergangenes Jahr verkündet, werden in der Zukunft die beiden Teilstreitkräfte (TSK) Sanität und Streitkräftebasis (Feldjäger) stationiert. Der Kommandeur erläuterte, dass bereits Vertreter beider Organisationsbereiche für eine erste Abschätzung der bestehenden Infrastruktur hinsichtlich Möglichkeiten und Einschränkungen vor Ort waren. Eine entsprechende Planung setzt die Struktur und personelle Zusammensetzung der Einheiten voraus und dauert einige Jahre. Die Luftwaffe als vorhandener Nutzer ist nicht zuständig.

Eine Verbesserung zeichnet sich für die IT-Ausstattung der Ausbildungseinrichtung ab. Im Rahmen der modernen Ausbildungstechnologie (MAT) wird bis Ende des Jahres der gesamte Ausbildungsbereich – wie bisher bereits beim Eurofighter – ausgestattet. Bestandssichere Unterkunftsgebäude werden dann auch mit WLAN an das Internet angebunden.

Blick in die Zukunft

„Für die derzeitige Nutzung der technischen Ausbildung wird die Startbahn nicht zwingend benötigt“, so der Oberst auf die Frage nach einer möglichen Nutzung mit Blick auf die zukünftigen weiteren Einheiten am Fliegerhorst. Einer Anfrage der zuständigen Bundeswehrbehörde nach möglichen weiteren Nutzern sei man nachgekommen. Die Untersuchung ergab, dass nicht nur die Bundeswehr – wie jüngst die Sportfördergruppe aus Altenstadt und das Hubschraubertransportregiment aus Niederstetten – sowie andere militärische Einheiten ihr Interesse bekundet haben. Auch die Polizei, die Flugsportgruppe und eventuell Einrichtungen aus dem zivilen Bereich gehören dazu. Die zuständige Kommandobehörde hat das Entwidmungsverfahren daher angehalten und die Entscheidung noch ausgesetzt.

von Wolfgang Becker

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