Geduld gefragt

Corona Kinoplex Kaufbeuren öffnet erst am 2. Juli wieder seine Pforten

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Kinochef Günter Sobeck und seine Mitarbeiter Tanja Possmann und Kevin Englich bereiten den Neustart für das Corona-Kinoplex vor.

Kaufbeuren/Landkreis – Noch immer herrscht eine gähnende Leere im weiten Rund des Corona Kinoplexes in Kauf­beuren. Doch anders als noch vor einigen Wochen während des Shutdowns, gibt es dann doch wieder etwas Zuversicht und eine gewisse Aufbruchstimmung.

Allerdings sorgt das Hygiene- und Schutzkonzept für Kinobetreiber Günter Sobeck für eine enorme Herausforderung. Anders als einige Filmhäuser in der Region öffnet er seine Kinosäle erst am 2. Juli.

Günter Sobeck in seinem Wohnzimmer: Der 70-Jährige freut sich wieder auf den Beginn am 2. Juli, der allerdings mit enormen Auflagen für seine Mitarbeiter und die Kinobesucher verbunden ist.

Kinochef Sobeck sitzt an seiner Cinebar. Er hat wieder ein Lächeln auf den Lippen, wenn gleich ihm die finanzielle Lage schon gewisse Sorgenfalten auf seine Stirn treibt. Seit drei Monaten sind die Kinokassen leer. Die Soforthilfe der Bundesregierung hat er zwar in Anspruch genommen, allerdings schaut er bei der Förderung des FilmFernsehFonds Bayern in die Röhre. Kinos mit bis zu sieben Säle werden in der Krise unterstützt. Da Sobeck in seinem Corona Kinoplex acht Säle für sein Publikum bietet, sieht er hier keinen Cent. „Auf eine ordentliche Begründung wartet ich bis heute“, so Sobeck. 

Auch das Bayerische Staatsministerium für Digitales will die Kinobetreiber nicht im Stich lassen. So soll die Wiedereröffnung durch umfangreiche Starthilfen begleitet werden. Insgesamt hat der Ministerrat zwölf Millionen Euro für Anlaufhilfen beschlossen, um in der Phase der Wiedereröffnung bis Ende des Jahres existenzbedrohende Notlagen zu verhindern. Diese Hilfen seien vor allem für kleinere Filmtheater mit bis zu sieben Sälen und größere inhabergeführte Betriebe gedacht, heißt es in einer offiziellen Pressemitteilung. Günter Sobeck gehört keiner Kino-Kette an. Sondern das Corona Kinoplex gehört ihm ganz allein.

Vorkehrungen getroffen

Wer den 70-Jährigen kennt, weiß aber: Günter Sobeck ist ein Kämpfer. In seiner über 40-jährigen Tätigkeit als Kinobetreiber hat ihn die Corona-Pandemie Mitte März genauso kalt erwischt wie seine Mitarbeiter. Doch mit der Lockerung der Bayerischen Staatsregierung kommt wieder eine gewisse Vorfreude zurück. Während einige Kinos in der Region bereits am Montag ihre Pforten öffneten, hat sich Sobeck aber entschlossen, erst am 2. Juli sein Kino im Gewerbepark zu öffnen. Nichtsdestotrotz laufen bei ihm die Vorbereitungen auf Hochtouren. Im großen Foyer sind bereits erste Vorkehrungen für den Neustart getroffen. An der Kasse und an der Popcorn-Theke sind Plexiglasscheiben angebracht. Abstandsmarkierungen in beiden Bereichen, die auf den Boden geklebt sind, sollen die Kinobesucher dazu animieren, die 1,5 Meter Abstand einzuhalten. Wer das Gebäude betritt, ist muss eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. 

Schon auf dem Gelände appelliert Sobeck an seine Gäste, den nötigen Abstand zu wahren. Maximal 50 Personen dürfen sich zeitgleich im Foyer aufhalten. Die Tickets können selbstverständlich an der Kasse auch bargeldlos bezahlt werden. Selbst eine Onlinereservierung, wie sie es schon vor Corona gab, ist möglich. Hier wird gewährleistet, dass drei Sitze zum nächsten Besucher frei bleiben. Familien können uneingeschränkt nebeneinandersitzen. Es darf auch nur jede zweite Reihe mit Besuchern besetzt werden. Der Abstand zum Vordermann ist dadurch sichergestellt.

Wer sich allerdings einen Film anschaut, muss auch hier seinen Namen, Adresse und Telefonnummer hinterlassen. „Bei uns muss das keiner ausfüllen, wir hinterlegen das im System“, sagt Mitarbeiter Kevin Englich. Selbst das Verlassen des Kinos ist geregelt: Wer in einer der fünf Kinosäle sitzt, muss nach Filmende über den Notausgang das Gebäude verlassen. Die Säle sechs, sieben und acht bleiben erst einmal bis auf Weiteres geschlossen.

Neue Investitionen

Dass Sobeck am 15. Juni nicht geöffnet hat, liegt auch daran, dass das Hygienekonzept noch nicht ganz ausgereift ist. Aus den Ärmel schütteln könne man das nicht so ohne Weiteres. Obwohl seit drei Monaten Stillstand ist, keine Einnahmen generiert wurden, musste wieder investiert werden. Für neue Filter der Lüftungsanlage blätterte der Kinochef einen mittleren vierstelligen Betrag hin. Die Anlage musste sogar umprogrammiert werden, damit noch mehr Frischluft den Gästen in den Kinosälen zugeführt wird. Zusätzlich werden nach den Vorstellungen auch noch die ­Notausgangstüren offengehalten, damit wird zusätzlich frische Luft generiert. In den beiden großen Kinosälen eins und fünf dürfen nur noch 50 Personen statt 300 hinein. Das macht eine Auslastung von jeweils 16,7 Prozent je Saal. In den anderen drei kleinen Kinosälen haben maximal 33 beziehungsweise 35 Gäste Zutritt. 

Mit oder ohne Mundschutz?

„Was wir nicht wissen, ob wir unser Publikum mit oder ohne Mundschutz den Film anschauen lassen dürfen“, sagt Tanja Possmann, Angestellte im Corona Kinoplex. Dürften keine Getränke, Popcorn, Nachos oder Süßes während des Films verzehrt werden, wäre das buchstäblich ein Schlag in die Magengrube. „Das gehört doch einfach zu einem Film dazu. Nur im Kinosessel sitzen und zwei Stunden den Film genießen und dann noch die Maske aufhaben, wäre für uns und die Besucher doch untragbar“, so der Unternehmer gegenüber dem Kreisbote.

Er habe keine Bedenken, dass das Schutzkonzept, welches individuell auf sein Kino abgestimmt sei, umgesetzt werde. Primär hofft Sobeck aber bis zu seinem Neustart, Anfang Juli, auf neue Lockerungen in Bayern. „Kollegen in Hessen haben mittlerweile wieder ihre Kinos geschlossen, weil keiner gekommen ist. Denn viele haben immer noch Bedenken.“

Diese Skepsis will der Corona-Kinochef seinen Besuchern und Stammgästen nehmen. Während viele Gastronomen ihre Preise coronabedingt angehoben haben, bleiben die Eintrittspreise weiterhin unverändert. „Ich bin gespannt, wer alles ab 2. Juli kommt.“ Die Reaktionen auf der Facebook-Seite des Corona Kinoplexes sind aber vielversprechend. Von „Es geht wieder los!“ bis „Ich bin sehr auf das Programm gespannt! Klassiker, falls machbar, wären schön“.

Neue Streifen

Mit dem Neustart im Corona Kinoplex laufen auch wieder die ersten neuen Filme an. Am 23. Juli wird mit Spannung Disneys „Mulan“ erwartet. Die eigentlich für den 13. August angesetzte Premiere von „Kaiserschmarrn Drama“ hat der Filmverleih Constantin auf unbestimmte Zeit verschoben. Mit James Bond „Keine Zeit zu sterben“ im November und „Top Gun Maverick“ im Dezember flimmern zum Ende eines turbulenten Filmjahres noch zwei große Blockbuster über die Leinwand. Allerdings sind die Liveübertragungen der begehrten Reihe „Met Opera“ aus New York für den Rest des Jahres bereits abgesagt worden. Aufzeichnungen werden noch zur Verfügung gestellt. „Ich bin trotzdem guter Dinge, auch wenn es nicht einfach sein wird, den Neustart zu gestalten“, zeigt sich Sobeck zuversichtlich.

Stefan Günter

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