Wattestäbchen statt heißer Rhythmen

Wie zwei Marktoberdorfer Jungunternehmer aus der Not eine Tugend machten

Vom Club-Betreiber zum Chef eines Covid-Testzentrums: Christian Raffler
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Vom Club-Betreiber zum Chef eines Covid-Testzentrums: Christian Raffler hat zusammen mit Patrick Stroppel aus der Not eine Tugend gemacht und nach der vorübergehenden Zwangsschließung des Papillons in der Marktoberdorfer Schwabenstraße umgesattelt.

Marktoberdorf – Eine Diskothek als Einrichtung der Gesundheitsvorsorge? Wer solches noch vor zwei Jahren als These in den Raum gestellt hätte, den hätte man für übergeschnappt erklärt. In Zeiten der Pandemie hat sich jedoch so einiges geändert. Und so regiert jetzt in der Marktoberdorfer Schwabenstraße 122 das Teststäbchen, wo bis zum 23. November vornehmlich junge Leute zu heißen Rhythmen getanzt und gefeiert haben: Das Papillon ist bis auf Weiteres ein Covid-Testzentrum.

Zunächst die Fakten: Das Testzentrum schräg gegenüber des Marktoberdorfer Wertstoffhofs ist montags bis freitags zwischen 7 und 19 Uhr geöffnet, an Samstagen und Sonntagen von 10 bis 19 Uhr. Über Weihnachten und an Silvester bieten die beiden Betreiber Christian Raffler (32) und Patrick Stroppel (26) einen besonderen Service: Sie halten das Testzentrum am 24., 25. und 26. sowie am 31. Dezember jeweils von 10 bis 15 Uhr geöffnet.

Einen Termin bucht man am einfachsten im Internet unter https://schnelltestzentrum-marktoberdorf.de. Betagte Menschen und alle anderen ohne Netzanschluss müssen sich freilich keine Sorgen machen: Sie können auch ohne Anmeldung ins Testzentrum kommen. Christian Raffler: „Ich kann doch von einem 80-Jährigen nicht verlangen, dass er sich ein Handy kauft.“

Nach dem Check-In, bei dem jeder Proband einen QR-Code für sein Handy erhält, geht’s in ein Zelt, wo der Abstrich entnommen wird. Dies erledigen fünf Angestellte aus dem Pavillon-Team, die eigens für diese Aufgabe geschult worden sind. „Die Einhaltung strengster Hygienevorschriften“, so Raffler, „ist dabei selbstverständlich.“ Die gesamte Prozedur dauert grade mal zwei Minuten, und das war es dann auch schon: Nach spätestens 20 Minuten kann man mit dem Handy den QR-Code scannen und damit sein Ergebnis abrufen. Übrigens: Der Corona-Schnelltest ist kostenlos und kann von jedermann mindestens ein Mal in der Woche in Anspruch genommen werden.

Anders sieht’s beim wesentlich aufwändigeren PCR-Test aus. Bei diesem 69 Euro teuren Testverfahren wird Erbgut des Virus’ nachgewiesen. Der RT-PCR-Labortest gilt als das sicherste Verfahren, eine akute Infektion nachzuweisen. Das Ergebnis des Tests haben die Kunden per E-Mail am Abend des Folgetags zwischen 18 und 22 Uhr vorliegen.

Wer beispielsweise nach Österreich fahren möchte, darf seit Montag nur noch einreisen, wenn er über einen gültigen 2G-Nachweis mit Booster-Impfung verfügt. Wer keine Booster-Impfung hat, muss einen PCR-Test vorlegen.

Abgerundet wird das Angebot des Marktoberdorfer Testzentrums mit einem Antikörpertest für 35 Euro, der Auskunft darüber gibt, ob Antikörper durch eine Covid-19-Infektion im Blut vorhanden sind; sprich: Ob jemand bereits eine Erkrankung durchgemacht und vielleicht gar nichts davon bemerkt hat. Auch hier dauert die Testung gerade mal zwei Minuten, das Ergebnis gibt’s nach 30 Minuten aufs Handy.

Weil angesichts der neuen Omikron-Variante des Virus’ immer mehr Tests gemacht und verlangt werden, ist der Zulauf im neuen Marktoberdorfer Testzentrum beachtlich. Bereits am Samstagvormittag gegen 10 Uhr etwa lagen nach Angaben von Christian Raffler bereits 70 Buchungen für den Tag vor, für den Sonntag weitere 50. Angst, in langen Schlangen ewig warten zu müssen, muss indes niemand haben: Das Prozedere ist professionell durchgetaktet, so dass der Zahlvorgang an einer handelsüblichen Supermarkt-Kasse allemal länger dauert als der Aufenthalt in der Schwabenstraße 122.

Christian Raffler und Patrick Stroppel hatten die Sommer-Lounge im Außenbereich des Papillons erst im August dieses Jahres eröffnet, der eigentliche Club folgte nach einer längeren Umbauphase im Oktober. Als der Freistaat wegen rasant steigender Cortona-Zahlen bereits Ende November die Schließung aller Clubs und Bars verfügte, standen die beiden Jungunternehmer vor der Frage: Was tun mit den Mitarbeitern und der leer stehenden Immobilie, die keine Einnahmen mehr, wohl aber laufende Ausgaben generiert? Da reifte bei den beiden die Idee mit dem Testzentrum, das nach weiteren Umbauarbeiten schon am 10. Dezember seine Pforten öffnete. „Von nichts kommt nichts. Andere schließen und jammern, wir sind da anders“, sagt Raffler nüchtern.

Wenn die Zahlen nachhaltig sinken und die Pandemie (hoffentlich) Geschichte ist, wollen die beiden Unternehmer wieder mit ihrem Club Gas geben. Dann dürfen die jungen Leute in der Schwabenstraße wieder zu heißen Rhythmen tanzen und feiern.

Michael Dürr

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