Den Gastronomen reicht es

Corona-Maßnahmen: Ostallgäuer Wirtsleute drohen mit juristischen Schritten

Gastro_Außenbild Petrich und Krüger
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Die Unternehmer Thomas Petrich (links) und Martin Krüger wollen sich wehren und drohen sogar mit einer Klage.

Ostallgäu – Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zieht die Notbremse. Alle ab Montag geplanten Öffnungsschritte wurden wegen ansteigender Corona-Zahlen gestoppt. Nicht nur Theater, Kinos und Konzertsäle sind davon betroffen, sondern auch die Außengastronomie. Die Wirte und Restaurantbesitzer haben schon längst die Geduld verloren. Eine Klage gegen die Verordnungen ist bereits aufgesetzt.

Die Hilfeschreie der Gastronomie sind nicht zu überhören. Für Martin Krüger ist das Maß voll. Der Geschäftsführer des Elbseerestaurants in Aitrang will mit Gleichgesinnten in der Branche ein Zeichen setzen. Zusammen mit Thomas Petrich, Inhaber des Landgasthof Hubertus in Apfeltrang, startete er einen Rundruf. Bisher sind es allein 20 Unternehmer aus Hotellerie und Gastronomie, die sich zusammengeschlossen haben. „Wir überlegen uns gemeinsam, juristische Schritte einzuleiten“, so Martin Krüger. „Wenn die 13. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung genauso ausfällt, dass wir wieder keine Perspektive haben, stellen wir einen Eilantrag“, ergänzt Petrich. Der Zuspruch dafür sei riesig. „Jeder ist stinksauer.“ Es geht in erster Linie um die „unfaire Behandlung“ in Corona-Zeiten. Während sich in Kauf- und Supermärkten genug Menschen ansammeln dürfen, ist in kleinen Geschäften nur „Click & Meet“ beziehungsweise „Collect“ möglich. Petrich hält sich mit seinem Landgasthof derzeit nur mit „Essen to go“ und Essensauslieferungen über Wasser. Eine überschaubare Anzahl an Geschäftsleuten darf sogar übernachten. „Wir generieren gerade einmal 35 bis 40 Prozent Umsatz. Davon können wir nicht leben“, so Petrich. „Jeden Monat legen wir fünfstellig drauf.“

Martin Krüger denkt in dieser „katastrophalen Zeit“ an seine Mitarbeiter, die schon in eine psychische Depression verfallen seien. „Wir haben keinen Neid auf andere Branchen. Wir gönnen es ihnen. Doch auf der einen Seite darfst du jemanden die Haare schneiden, aber im Außenbereich ist ein Sitzen auf Abstand nicht erlaubt. Das versteht doch kein Mensch mehr.“

Wut und Unverständnis in Richtung der Politik werden immer größer. Die Bundesregierung will nicht nur den Lockdown bis Mitte April verlängern, sondern der Bevölkerung wieder Ausgangssperren aufbrummen, heißt es aus München. „Sie regeln nichts. Die Politik bekommt Impfungen und Schnelltests nicht auf die Reihe“, schimpft Thomas Petrich. Auch die Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bringt ihn mächtig auf die Palme: „Er fordert von uns Gastronomen, dass wir ein Zelt aufstellen, um damit ein Testzentrum aufzubauen“. Gasthäuser und Restaurants hätten zigtausende Euro in Hygiene- und Schutzmaßnahmen investiert. Alles was bisher gemacht wurde, sei sinnlos gewesen, so Petrich. „Wir haben Geld und Zeit verschwendet“, ergänzt Martin Krüger. Es sei nachgewiesen, dass die Gastronomie und Hotellerie keine Pandemietreiber und Virusschleuder seien, so die Gastronomen. „Wir haben seit fünf Monaten geschlossen. Unsere Branche hat mit dem Infektionsgeschehen überhaupt nichts zu tun“, ist Krüger die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben.

Doch warum trifft es diese so besonders hart? „Wir haben überhaupt keine Lobby“, bringt es Petrich auf den Punkt. Dass mittlerweile Reisen nach Mallorca möglich sind, aber Urlaub daheim nicht gestattet wird, können die Gastronomen nicht im Ansatz nachvollziehen. „Selbst wenn wir vor Gericht verlieren, möchte ich das Argument des Richters hören“, so Krüger. Denn lange könne diese Branche nicht mehr durchhalten. Existenzen stünden auf dem Spiel, resümieren die beiden Gastronomen abschließend.

von Stefan Günter

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