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Geimpft, genesen und geboostert: Wer blickt da noch durch?

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Von: Kai Lorenz

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Frau zeigt ihren gelben Impfausweis.
Wie ist Ihr Impfstatus? © PantherMedia/romrodinka

Bayern/Ostallgäu – Geimpft, genesen, geboostert – als wären die Abstufungen mit und ohne Plus nicht schon kompliziert genug, hat das Robert Koch-Institut (RKI) jetzt auch noch eine entscheidende Bezeichnung in seinem Impfquotenmonitoring geändert. Wer bisher als „vollständig geimpft“ galt, wird hier jetzt nur noch als „grundimmunisiert“ geführt. Betroffen sind davon bundesweit schlappe 60 Millionen Menschen (Impfquotenmonitoring des RKI). Sind diese jetzt gar nicht mehr vollständig geimpft? Der Kreisbote versucht, im Dschungel der Corona-Leitlinien Klarheit zu schaffen.

Im Alltag geht fast nichts mehr ohne Booster: 2G-Plus ist die in Fitnessstudios und bei Veranstaltungen geltende Regelung. Wer nicht geboostert ist, braucht einen tagesaktuellen Test. Allein mit der doppelten Impfung kommt man hier nicht mehr weit.

Ab dem 1. Februar 2022 hat die doppelte Impfung ohne Auffrischung zudem ein Ablaufdatum. Impfzertifikate sind dann in der EU nur noch neun Monate nach der Grundimmunisierung gegen das Coronavirus gültig, wie ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums kürzlich in Berlin sagte. Für die Booster-Impfung gibt es bislang kein Ablaufdatum.

Derzeit ändert allein die Anpassung des RKI von „vollständig geimpft“ zu „grundimmunisiert“ aber noch nichts an 2G. Wer zweimal mit einem in der EU zugelassenen Impfstoff geimpft wurde, gilt 14 Tage nach der zweiten Impfdosis als vollständig geimpft.

Johnson-Geimpfte müssen nachlegen

Wer mit dem ursprünglich als Einmal-Impfstoff verwendeten Vakzin von Johnson & Johnson geimpft wurde, muss jetzt allerdings nachlegen. In der aktuellen Corona-Schutzverordnung steht, dass nur noch Menschen mit drei Impfungen als geboostert gelten. Als geimpft mit vollständigem Grundschutz gilt man in Deutschland nun erst dann, wenn auf die „Johnson & Johnson“-Erstimpfung eine zweite Impfung erfolgt. Dies solle möglichst mit einem mRNA-Vakzin wie dem von Biontech oder Moderna erfolgen, wie ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte. Um nach einer „Johnson & Johnson“-Erstimpfung aber als geboostert zu gelten, braucht es aber auch hier noch eine dritte Impfung.

Keine Übergangsregeln

Auch in Bayern gelten bereits die am 15. Januar 2022 geänderten Corona-Festlegungen des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) für Genesene und für Personen, die mit dem Corona-Impfstoff Johnson & Johnson geimpft wurden. „Es gibt keine Übergangsfristen“. Darauf hat das Bayerische Gesundheitsministerium am vergangenen Sonntag in München hingewiesen. Der Bund hat festgelegt, dass Personen, die nur eine Dosis des COVID-19-Impfstoffs Johnson und keine weitere Impfstoffdosis erhalten haben, nicht als vollständig geimpft gelten. Daher erfüllen sie etwaige 2G-Erfordernisse der aktuelle Bayerischen Infektionsschutzverordnung nicht.

Wer gilt als vollständig geimpft?

Als vollständig geimpft gilt eine Person, wenn ihr zwei Impfstoffdosen verabreicht wurden. Als vollständig geimpft gilt eine Person auch, wenn ihr nach einer Infektion eine Impfdosis verabreicht wurde (zuerst genesen, dann geimpft) oder umgekehrt: wenn sie nach einer Impfung eine Infektion durchgemacht hat. Hat man indes zwei Infektionen durchgemacht, gilt man nicht als vollständig geimpft (grundimmunisiert).

Der Booster gilt als Test

Personen, welche nach der Grund­immunisierung zusätzlich eine Impfstoffdosis als Auffrischungsimpfung (Booster) erhalten haben, gelten als getestet. Dies gilt sofort nach Erhalt der dritten Impfung.

Gleiches gilt für geimpfte Personen, die nachweisen können, dass sie nach ihrer vollständigen Immunisierung eine PCR-bestätigte Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 überstanden haben.

Eine Befristung der Gültigkeit des Status „geboostert“ ist in der aktuellen Fassung der Bayerischen Infektionsschutzverordnung nicht definiert.

Wie lange gilt man als genesen?

Das Datum der Abnahme des positiven PCR-Tests muss mindestens 28 Tage und darf höchstens 90 Tage zurückliegen. Nach Ablauf der 90 Tage gelten Personen – wie bislang nach Ablauf von sechs Monaten auch – nicht mehr als genesen. Auch die Ausnahme von der Quarantänepflicht besteht dann nicht mehr. Nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollen Personen, die ungeimpft eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, drei Monate später eine Impfstoffdosis erhalten. Erst nach dieser Impfung gilt man als vollständig geimpft. Im Klartext heißt das: „Die neue und verkürzte Regel von drei Monaten bezieht sich nur auf genesene Menschen ohne Grundimmunisierung (Impfung)“, bestätigt Stefan Leonhart, Pressesprecher des Landratsamtes auf Anfrage.

Menschen, die bereits eine Grund­immunisierung (zwei Impfungen) und danach eine Corona-Infektion durchgemacht haben und nachweislich genesen sind, sind demnach einem „Geboostertem“ gleichgestellt. Das heißt, dass sich diese Personengruppe nicht drei Monate nach der nachgewiesenen Genesung erneut boostern lassen muss, um ohne Test das Kino besuchen zu können.

Booster bei Kindern und Jugendlichen

Wie sieht es aber bei den zwölf bis 17-Jährigen aus, die bereits eine Impfung und dann eine nachweisliche Coronainfektion hatten? Benötigen diese eine zweite Impfung, um in Bayern als geboostert zu gelten?

Laut Leonhart müsse man hier unterscheiden. Bei einer Infektion innerhalb der ersten vier Wochen nach der ersten Impfung „überlappen“ sich die Immunantworten. Die Immunantwort auf die Infektion kann noch nicht auf eine vollständige Immunreaktion durch die erste Impfung aufbauen. Damit kann die Infektion hier immunologisch nicht vollumfänglich wie eine reguläre zweite Impfung gewertet werden. Deshalb wird nach STIKO-Empfehlung hier die zweite Impfung noch für die Grundimmunisierung benötigt und es ist eine weitere dritte Boosterimpfung im Abstand von mindestens drei Monaten nach der zweiten Impfung erforderlich. Es ist davon auszugehen, dass ohne diese zusätzliche Impf-Boosterung der Schutz nach rund 90 Tagen nach der Infektion nicht mehr ausreichend ist, so Leonhart.

Bei einer Infektion im Abstand von mindestens vier Wochen nach der ersten Impfung kann die Immun­antwort im Rahmen der Infektion voll auf die Immunreaktion durch die erste Impfung aufbauen. Daher ist hier die Genesung einer regulären zweiten Impfung gleichwertig. Deshalb entspricht nach STIKO-Empfehlung hier die zweite Impfung bereits der Boosterimpfung, welche im Abstand von mindestens drei Monaten nach der Genesung erforderlich ist. Mit dieser zweiten Impfung (Boosterimpfung) besteht ein anhaltender Schutz, so Leonhart abschließend.

Geboostert? Das gilt in Bayern:

•Geimpft-geimpft-geimpft

•Genesen - geimpft-geimpft

•Geimpft-genesen-geimpft

•Geimpft-geimpft-genesen

Eine Befristung der Gültigkeit des Status „geboostert“ ist derzeit nicht definiert.

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