Weniger Verletzte bei weniger Unfällen

Corona wirkt sich positiv auf Verkehrsstatistik der Polizei Buchloe für das Jahr 2020 aus

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Im Bereich der Polizeiinspektion Buchloe sank 2020 die Gesamtunfallzahl im Vergleich zum Vorjahr.

Buchloe – Die Gesamtzahl der in der polizeilichen Unfallstatistik erfassten Unfälle im Bereich der Polizeiinspektion Buchloe (ohne die A96) im Jahr 2020 sank von 624 im Jahr 2019 auf 561 um zehn Prozent. Das sei letztlich wohl auf die Corona-Pandemie und den durch den Lockdown bedingten Rückgang des Verkehrs zurückzuführen, so Polizeihauptkommissar Bernhard Weinberger.

Die Zahl der Unfälle mit Verletzten sank erfreulicherweise von 99 auf 69 um 30 Prozent. Die Zahl der bei den Unfällen verletzten Personen sank um insgesamt 35 Prozent, von 118 auf 77 Personen. Bei den Leichtverletzen waren es 30 Prozent weniger von 91 auf 63 und bei den Schwerverletzten erfreuliche 48 Prozent weniger von 27 auf 14. Die Zahl der Unfalltoten war zum ersten Mal seit dem Jahr 2012 im Jahr 2020 wieder einmal bei Null. Im Vorjahr waren noch zwei Unfalltote zu beklagen. „So erfreulich der Rückgang bei den Unfällen mit den Verletzten ist, so unerfreulich ist die Entwicklung in den anderen Unfallbereichen“, beklagt Weinberger. Im Bereich der Unfälle mit Sachschaden mit bedeutenden Ordnungswidrigkeiten befinden sich zumeist Vorfahrtsverletzungen und zu schnelles Fahren bei schlechten Witterungsverhältnissen. Hier beträgt der Rückgang der Unfälle von 167 auf 151 nur um knapp zehn Prozent.

Die Zahl der angezeigten Unfallfluchten ist fast gleich geblieben mit 95 (Vorjahr: 96). Die Aufklärungsquote bei den Unfallfluchten ist mit knapp 50 Prozent vergleichsweise hoch. Oft handelt es sich um sogenannte Parkplatz­rempler, bei denen keine Spuren und damit auch keine Ermittlungsansätze vorhanden sind. Sehr hilfreich sind in diesem Bereich Zeugen, die sich bei der Polizei oder direkt beim Geschädigten melden.

Unfälle im Kurzaufnahmeverfahren wurden 2020 insgesamt 341 (358) registriert. Hier handelt es sich größtenteils um kleinere Unfälle beim Aus- und Einparken oder um Wildunfälle.

Wenn man den Rückgang des Verkehrs durch den Lockdown berücksichtigt, hätten auch die Wildunfälle weiter zurückgehen müssen. Stattdessen sind es nur gute vier Prozent von 186 auf 177. „Das ist die zweithöchste Zahl an Wildunfällen seit Bestehen der Statistik“, so Weinberger. Bei den 177 Wildunfällen waren 136 Rehe, 15 Füchse, elf Dachse, zwei Wildschweine, sechs Hasen, drei Greifvogel und vier andere beteiligt.

„Schulwegunfälle hatten wir im Jahr 2020 nur einen (2019 drei), wobei ein (2019 drei) Schüler leicht verletzt wurde. Dabei fuhren zwei Mädchen mit dem Fahrrad hintereinander her, das Erste musste bremsen, das andere fuhr auf und die Vorausfahrende stürzte und wurde leicht verletzt.

Bei insgesamt fünf (2019 zehn) Unfällen waren die Verursacher alkoholisiert. Bei diesen Unfällen wurden vier (2019 fünf) Personen verletzt.

Alkohol und Drogen am Steuer

„Wir müssen feststellen, dass im Laufe der Jahre die Zahl der alkoholisierten Fahrzeugführer stetig abgenommen hat, aber dafür die Zahl der Fahrzeugführer unter Drogeneinfluss ansteigt“, so Weinberger. Bei der Kontrolle sei Drogeneinfluss viel schwieriger zu bemerken als Alkoholeinfluss.

Insgesamt 32 (36) alkoholisierte Verkehrsteilnehmer wurden im Jahr 2020 am Steuer kontrolliert. Dabei waren 16 (20) Personen im Bereich einer Ordnungswidrigkeit zwischen 0,5 und 1,09 Promille (beim ersten Verstoß 500 Euro Geldbuße, ein Monat Fahrverbot, zwei Punkte). 16 (16) Personen waren im Bereich der absoluten Fahruntüchtigkeit und begingen damit eine Straftat (über 1,1 Promille bei Kraftfahrzeugen oder 1,6 Promille bei Fahrradfahrern). Dies zieht bei geführten Kraftfahrzeugen immer einen Führerscheinentzug nach sich, soweit ein solcher vorhanden ist.

Im Jahr 2020 konnte bei insgesamt 29 (zwölf) Kraftfahrzeugführern ein Drogeneinfluss nachgewiesen werden. Das folgenlose Fahren unter Drogeneinfluss wird als Ordnungswidrigkeit geahndet. Beim ersten Verstoß werden 500 Euro Geldbuße, ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte verhängt. Es wird aber auch die Führerscheinstelle verständigt, welche in eigener Zuständigkeit prüft, ob der Betäubungsmittelkonsument weiterhin geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen ist. In den meisten Fällen wird ein medizinisch-psychologisches Gutachten angeordnet, wobei sich viele Probanden die Kosten des Gutachtens sparen und den Führerschein freiwillig abgeben, was sie bei einem negativen Gutachten sowieso machen müssen.

Die Polizeiinspektion Buchloe wird auch in Zukunft verstärkt Verkehrskontrollen durchführen, um alkoholisierte und unter Drogen stehende Fahrzeugführer aus dem Verkehr zu ziehen, bevor sich die Unfälle ereignen.

Zu schnell unterwegs

Die Polizeiinspektion Buchloe hat eine sogenannte Laserpistole, mit der Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt werden können. Da jedoch hier kein Beweisfoto gefertigt wird, muss der Fahrzeugführer sofort angehalten werden. „Statistisch gesehen war unser Lasergerät im vergangenen Jahr täglich 29 (26) Minuten im Einsatz.“ Dabei wurden insgesamt 395 (391) Beanstandungen festgestellt, wobei die Polizei nur Überschreitungen von mehr als zehn Kilometer pro Stunde nach Abzug der Messtoleranz ahndet. 264 (277) Verstöße konnten mit einem Verwarnungsgeld bis 55 Euro geahndet werden, in 131 (114) Fällen wurde ein Bußgeld von 60 oder mehr Euro fällig, jeweils mit einem Punkt im Fahreignungsregister.

Bei 67 (68) Unfällen war der Verursacher alleinbeteiligt von der Fahrbahn abgekommen. In den meisten Fällen war der Fahrzeugführer unaufmerksam oder von irgendetwas abgelenkt. „Die Ursache „Handy“ kann zwar selten nachgewiesen werden, wird aber von uns als häufige Ursache vermutet.“ Im Jahr 2020 wurden insgesamt 286 (184) Fahrzeugführer mit dem Mobiltelefon am Steuer erwischt und ein Bußgeldverfahren durchgeführt (100 Euro Geldbuße, zuzüglich Gebühren und Auslagen, sowie ein Punkt im Fahreignungsregister). „Wir werden auch in diesem Jahr konsequent das Handyverbot am Steuer kontrollieren“, verspricht Weinberger.

Bei Nichtbeachten des Überholverbots auf der Bundesstraße 12 wurden im vergangenen Jahr 43 (51) Kraftfahrzeugführer zur Anzeige gebracht. Hier liegt das Bußgeld zwischen 70 und 170 Euro, je nachdem ob auch die Sperrfläche überfahren wurde und ob der Verstoß vorsätzlich oder fahrlässig begangen wurde.

„Buchloe ist weit und breit die einzige Stadt, in der man in der Innenstadt kostenlos parken kann.“ Einzige Bedingung ist laut dem Polizeihauptkommissar, dass man nur zwei Stunden parkt und zur Überwachung eine Parkscheibe einlegt. Im Jahr 2020 mussten trotz Lockdown 388 (1090) Verwarnungen zwischen zehn und 30 Euro ausgestellt werden, weil entweder keine Parkscheibe eingelegt war, die Parkscheibe falsch eingestellt oder die Höchstparkdauer überschritten war. „Problematisch sind die Angestellten, die mit ihren Fahrzeugen den ganzen Tag auf den zeitlich beschränkten Parkplätzen stehen und verbotenerweise immer ihre Parkscheiben nachstellen. Dadurch nehmen die Angestellten ihren Kunden die Parkplätze weg und gefährden so den eigenen Arbeitsplatz. In Buchloe gibt es genügend kostenlose und zeitlich unbeschränkte Parkplätze, man muss halt ein paar Meter zu Fuß gehen“, drückt Weinberger sein Unverständnis aus.

kb

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