„Ein Zeichen setzen.“

Große Resonanz bei digitaler Gegenveranstaltung zur „Querdenker“-Demo in Kaufbeuren

Neben der digitalen Demo versammelten sich rund 50 Gegendemonstranten am Neptunbrunnen.
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Neben einer digitalen Demo versammelten sich rund 50 Gegendemonstranten am Neptunbrunnen.

Kaufbeuren – Am Samstagnachmittag trafen in der Kaufbeurer Altstadt bei eisigen Temperaturen demonstrierende „Querdenker“ auf „Geradeausdenker“. Die coronakritische Gruppierung Querdenken8341-Kaufbeuren protestierte lautstark, während die Gegendemonstranten eine kreative Form des Protests wählten: Das Bündnis Gemeinsam gegen Rechts hatte in den sozialen Medien zur Teilnahme an der digitalen Gegenveranstaltung „#KfträgtMaske“ aufgerufen.

Groß war das Aufgebot an Polizeikräften, beide Kundgebungen verliefen aber friedlich. Auf der Seite der „Querdenker“ nahmen zur Spitzenzeit rund 280 Besucher an der „Demo für Wahrheit, Friede und Demokratie“ teil. Die Versammlung verlief friedlich und störungsfrei und die Teilnehmer hielten sich weitestgehend an die Abstandsregeln.

Rund 280 Besucher nahmen zur Spitzenzeit an der „Demo für Wahrheit, Friede und Demokratie“ vor dem Rathaus teil.

Sieben Personen mussten wegen fehlendem Mund-Nasen-Schutz und zwei Personen wegen eines Verstoßes nach dem Infektionsschutzgesetz angezeigt werden. Insgesamt fünf Redner traten auf. Darunter auch der Gründer der Bewegung, Michael Ballweg. Durch das Läuten von Kuhglocken wurden die Redebeiträge bestärkt.

Während die „Querdenker“ sich in ihren Grundrechten verletzt fühlten und dies entsprechend auch verkündeten, machte sich einige Meter weiter auf der Gegenseite leiserer Protest breit: Die Jusos als Initiatoren stellten unter Mitwirkung von verschiedenen Akteuren in der Kauf­beurer Gesellschaft eine digitale Gegendemo auf die Beine und riefen dazu auf, Plakate am Neptunbrunnen vorbeizubringen. Rund 260 Teilnehmer klickten sich innerhalb kurzer Zeit in die Online-Demo – so viele, dass auf der Internetplattform kein Platz mehr war und sogleich ein zweiter virtueller Raum eröffnet werden musste. Etwa 50 Teilnehmer kamen persönlich am Neptunbrunnen vorbei. Eine „beeindruckende Resonanz“, mit der der Veranstalter nicht gerechnet hätte. „Das ist ein tolles Zeichen“, bedankte sich Kilian Herbschleb vom Stadtjugendring bei den Demoteilnehmern.

Rund 260 Teilnehmer klickten sich innerhalb kurzer Zeit in die Online-Demo.

„Klare Kante zeigen.“

„Wir möchten ein Zeichen setzen für alle, die im Gesundheitswesen oder für unsere Versorgungsinfrastruktur arbeiten. Durch unser Konzept, eine öffentliche Installation mit einer Online-Demo zu verbinden, können wir Infektionsrisiken vermeiden und zugleich zeigen: Kaufbeuren trägt Maske. Wir überlassen ,Querdenkern‘ nicht unser Kaufbeuren und verteidigen die Offene Gesellschaft gegen ihre Feinde, die demokratische Kritik mit Menschenhass verwechseln“, findet Mit-Initiator und SPD-Stadtrat Martin Valdés-Stauber klare Worte.

„Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, wofür die ,Querdenker‘-Bewegung steht“, sagt Thigis Kirushnatasan, Juso-Vorsitzender in Kaufbeuren. Natürlich sei es richtig, in einer Demokratie Dinge kritisieren zu können, aber als Teilnehmer am öffentlichen Diskurs habe man „die Verantwortung, sich über Themen zu informieren“, so Kirushnatasan. Gefährlich sei es, wenn man den Aussagen und Weltbildern von sogenannten Experten aus dem rechten Spektrum, „die gegen unsere demokratischen Werte verstoßen, eine Bühne gibt, die sie salonfähig macht“. Dadurch würden Menschen beeinflusst, die „für solche Theorien empfänglich sind“. Dagegen gelte es, „sich deutlich abzugrenzen, klare Kante zu zeigen“, so Kirushnatasan.

Rückenwind

Auch Kabarettist Christian Springer schaltete sich live in die digitale Demo ein: „.Querdenken‘ ist keine Meinungsfreiheit, genauso wenig wie Rechtsradikalität eine Meinung ist“, fand Springer deutliche Worte. „Mia san mia ist Quatsch – wir gehören alle zusammen“, so der Kabarettist. Auch „Beinah-Ministerpräsident Markus Söder“ alias Wolfgang Krebs hielt eine Ansprache an die Demoteilnehmer. Krebs äußerte Kritik an den „asozialen Medien“, in denen sich „jeder Feigling“ auslassen, Hass und Hetze verbreiten könne. „Lassen sie sich nicht mundtot machen“, appellierte der Kabarettist an die Gegendemonstranten.

Bei den „Querdenkern“ handele es sich um eine „kleine, aber laute Minderheit, der eine schweigende Mehrheit gegenübersteht. Wir werden sie gemeinsam in die Schranken weisen.“ Denn jeder habe zwar ein „Recht auf die eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten“, so Krebs.

„Wir brauchen einen sachlichen Diskurs über die Pandemie, keinen Austausch mit Menschen aus der rechten Szene“, bekräftigte Till Nißle vom Stadtjugendring.

Mahi Kola

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