Angespannte Lage

Coronakrise und die Finanzen der Stadt Marktoberdorf

+
Wie stark sich letztlich die Corona-Pandemie für die Finanzsituation der Stadt Marktoberdorf auswirkt, können aktuell keiner genau sagen, so Kämmerer Wolfgang Guggenmos.

Marktoberdorf – Wie ein roter Faden zieht sich das Zitat von der „angespannten Haushaltslage“ durch die Berichte der Kommunalaufsicht. Jahr für Jahr muss die Behörde die jeweilige Satzung des Haushalts der Stadt Marktoberdorf genehmigen.

Und seit knapp zwei Jahrzehnten bemängelt sie eine belastende sowie defizitäre Finanzsituation in der Kreisstadt.

Im Jahr 2020 kommen nun auch noch die Folgen der weltweiten Corona-Pandemie hinzu.

Wie stark sie sich auf den Haushalt auswirken, auf Einnahmen aus Umsatz-, Einkommens- und Gewerbesteuer, wisse keiner genau, so Kämmerer Wolfgang Guggenmos. Immerhin rechnet die Stadt für das laufende Jahr anstelle von 24 mit lediglich 18 Millionen Euro Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Sechs Millionen Euro weniger – das könnte den Schuldenstand Marktoberdorfs in rekordverdächtige Höhen treiben.

In seiner Präsentation vor dem Finanzausschuss ging Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell eindrücklich auf die Herausforderungen ein, die sich im Zuge der 2017 erarbeiteten Haushaltskonsolidierung stellten. Denn die Gefahr der Überschuldung bringe es mit sich, dass sich die Stadt laut Kommunalaufsicht in ihren Ausgaben „auf das unabdingbar notwendige Maß beschränke“. 

Keine leichte Aufgabe

Nicht leicht für eine Kreisstadt, deren Fläche von stolzen 95 Quadratkilometern den Unterhalt eines weit verzweigten Straßen- und Kanalnetzes bedinge. Nicht leicht für Markt­oberdorf, das sich sowohl sozial brennender Themen als auch einer Infrastruktur (Hallenbad, Kindertagesstätten, Modeon oder Musikschule) auf hohem Niveau annehmen wolle, so Hell. Der derzeitige Schuldenstand von über 30 Millionen Euro zwinge aber zum Sparen. Ähnlich hoch war die städtische Verschuldung zuletzt im Jahr 2002. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie schlagen dabei noch kaum zu Buche.

Auch Carl Singer (Freie Wähler) mahnte, Einsparpotentiale insbesondere bei den geplanten Neubauprojekten wie der St. Martin Grundschule zu nutzen. Langfristig forderte er, Baumaßnahmen auch hinsichtlich ihres Standorts und ihrer Bauweise zu prüfen. „Die Frage, wie und wo wir bauen, muss stets auch von Kostenseite her betrachtet werden.“

Christian Vavra (Die Grünen) klagte, dass trotz zahlloser Rettungsschirme die Städte und Kommunen vom Staat im Regen stehen gelassen würden – gerade wenn es um die Betreuung der Kinder in den Tageseinrichtungen ginge oder den Bau von Kitas. Thorsten Krebs (CSU) wandte ein, dass sich der Stadtrat frühzeitig Gedanken machen sollte, die Einnahmesituation der Stadt zu verbessern. Angepasste Betreuungsgebühren oder eventuell Eintrittspreise für das bislang kostenlose Baden im Ettwieser Weiher? „Wo könnten wir nachbessern?“, fragte er in die Runde des Finanzausschuss. 

Angelika Hirschberg

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Til Schweiger dreht Szenen seines neuen Kinofilms in Kaufbeuren
Til Schweiger dreht Szenen seines neuen Kinofilms in Kaufbeuren
Veterinäramt kontrolliert Bauernhof in Hirschzell: Verstöße bei der Rinderhaltung
Veterinäramt kontrolliert Bauernhof in Hirschzell: Verstöße bei der Rinderhaltung
Carport brennt in Kaufbeuren: 250.000 Euro Schaden
Carport brennt in Kaufbeuren: 250.000 Euro Schaden
Zeitplan für Sanitätsregiment wird konkreter
Zeitplan für Sanitätsregiment wird konkreter

Kommentare