Gut gewappnet

Coronakrise: Wie geht es weiter mit dem Tourismus im Allgäu?

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Parkplatzprobleme für Tagesgäste: Ihre Lösung wird von den Entwicklungen der nächsten Monate abhängen.

Landkreis/Kaufbeuren – Am vergangenen Mittwoch hob der bayerische Innenminister Joachim Herrmann den Katastrophenfall im Freistaat auf. Dieser galt seit dem 16. März aufgrund der schnellen Ausbreitung des Coronavirus in Bayern.

Diese Aufhebung hat Auswirkungen auf fast alle Lebensbereiche, nicht zuletzt auf den Tourismus, der im Allgäu einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert besitzt. Über die inzwischen in diesem Bereich eingetretene Situation sowie die nächsten und ferneren Perspektiven der Entwicklung sprach der Kreisbote mit Bernhard Joachim, Geschäftsführer der Allgäu GmbH.

Die neuen Regeln, die seit dieser Woche gelten, bedeuten sicherlich eine starke und sehr willkommene Entlastung aller Unternehmen, die im Allgäu touristische Dienstleistungen anbieten. Und das sind nicht wenige: Neben den bekannten Schlössern in Schwangau über die Bergbahnen, die Hotels, Pensionen und Anbieter von „Urlaub auf dem Bauernhof“ zählen dazu natürlich auch die großen Restaurants und die kleinen, urigen Gasthöfe, die Kneipen und Almhütten ebenso wie die Theater, Museen, Kinos, Bäder und Anbieter von Veranstaltungen und Touren. Sie alle bilden, im Zusammenklang mit der Natur, aber auch mit Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft, Bildungseinrichtungen und letzten Endes allen Bewohnern unserer Region das, was nach Ansicht von Bernhard Joachim, Geschäftsführer der Allgäu GmbH, zur Qualitätsmarke Allgäu gehört.

Bernhard Joachim, Geschäftsführer der Allgäu GmbH, ist überzeugt, dass die touristische „Qualitätsmarke Allgäu“ auch in Zukunft Bestand haben wird – oder sogar an Substanz gewinnt.

Die Aufgabe der Allgäu GmbH besteht darin, sich um das Tourismus- und Standortmanagement im Allgäu zu kümmern, das Marketing für alle Bereiche zu initiieren und die „ Marke Allgäu“ zu gestalten. „Unsere Region steht heute mit einem sehr hohen Bekanntheitsgrad für ein attraktives Lebensraumkonzept für ihre Bürger und ihre Gäste, die hier Erholung und Unterhaltung suchen“, schätzt Joachim ein – und sieht darin natürlich auch einen Erfolg der Arbeit seiner Gesellschaft.

Zunehmend optimistisch

Ist dieser Erfolg nun gefährdet? Immerhin sind in den vergangenen Monaten die Besucherzahlen dramatisch eingebrochen (wir berichteten). Wie geht es nun weiter?

Joachim ist da erst einmal optimistisch. „Seit Pfingsten sind kleinere Beherbergungsbetriebe, etwa die Gastgeber von ,Urlaub auf dem Bauernhof‘, wieder gut belegt und gebucht“, hat er festgestellt. „Und auch in anderen Bereichen sollte das Leben jetzt wieder freundlicher aussehen“, schätzt er ein. „So dürfen in Hotels, aber auch bei der Übernachtung in Almhütten wieder bis zu zehn Personen zusammenkommen, die nicht aus einem Haushalt stammen. Wellnesseinrichtungen in den Hotels, Thermen und Schwimmbäder öffnen wieder, ebenso wie die Sanitärbereiche der Campingplätze. Und es dürfen wieder Veranstaltungen mit 50 Personen in Innenräumen, 100 Personen im Freien stattfinden – also Familienfeiern, Hochzeiten, Beerdigungen, aber auch betriebliche Feiern, Vereinssitzungen oder Schulfeiern. Das entlastet die gehobene Hotellerie und auch die Gastronomie.“

Sorgen bereiten dem Geschäftsführer allerdings die kleinen Restaurants, die Gasthöfe und gemütlichen Kneipen. „Die Inhaber sind meist nicht so sehr kapitalstark, und ihre Betriebe haben bereits beträchtlich unter den bisherigen Beschränkungen gelitten. Die noch geltenden Vorschriften erschweren es aber weiterhin, erlittene Verluste zu kompensieren. Gerade diese Unternehmen aber sind neben den touristischen Leuchtturmbetrieben aus der Hotellerie, das ‚Salz in der Suppe‘ der Lebensqualität der Allgäuer ebenso wie ihrer Gäste“, meint Joachim. „Der Wanderer, der Urlauber auf dem Bauernhof oder auch der Tagesgast wollen schließlich am Abend oft noch einmal durch den Ort gehen, ein Bier oder einen Schoppen Wein trinken und ‚ratschen‘. Das gehört auch zu unserer Lebensqualität.“

Veränderte Besucherströme

Zudem zeichnet sich ab, dass die Struktur der Besucherströme sich verändert. „Wer ist Allgäuer – wer ist Gast?“, fragt Joachim hier mit einem Lächeln. „Sicherlich ist es ein Problem, dass derzeit viele Besucher selbst aus der näheren Umgebung zu den Sehenswürdigkeiten und touristischen Hotspots strömen – auch in Ermangelung anderer Urlaubs­ziele. Aber es gibt auch entlastende Tendenzen, etwa der Wegfall großer Gruppen ausländischer Tagestouristen in Füssen. Wie sich das weiter entwickeln wird, können wir allerdings erst in ein paar Monaten einschätzen.“

Dazu, wie auf diese Probleme und Veränderungen reagiert werden kann, gibt es jedoch bereits erste Erkenntnisse. „Digitalisierung ist hier ein Stichwort“, erklärt Joachim. „Derzeit ist etwa der Zutritt zu den Königsschlössern und der Breitachklamm nur nach Kauf eines Tickets per Internet möglich. Das nützt sowohl den Gastgebern, als auch potenziellen Gästen, die sich bei ausgebuchten Sehenswürdigkeiten gar nicht erst auf den Weg machen werden. Ähnliche Lösungen wären sicherlich auch möglich, was den Park­raum betrifft. Aber dazu gibt es lediglich erste Vorstellungen.“

Licht am Ende des Tunnels

Aber wie auch immer sich die Strukturen des Tourismus im Allgäu vor dem Hintergrund der Probleme der Reiseveranstalter, der Airlines und der heraufziehenden Wirtschaftskrise auch gestalten mögen – Joachim sieht Licht am Ende des Tunnels. Allerdings hofft er auf Klarheit über die künftigen Veränderungen erst im nächsten Frühjahr, also nach einer Sommer- und einer Wintersaison. „Wir planen und wirken aber bis dahin nicht ohne Grundlagen, sondern mit jahrelanger Erfahrung“, gibt er zu bedenken. „Und auch Probleme sind ja nicht etwas ganz Neues für uns. Schließlich arbeiteten wir seit längerem schon an Konzepten, die den Klimawandel berücksichtigen. Und wir verfügen auch bereits über viel Erfahrung mit Förderprojekten. Das stark geförderte Weiterbildungs-Sonderprojekt ,Zukunft für die Privatvermieter und Kleinbetriebe des Bayerischen Beherbergungsgewerbes‘ etwa läuft bereits seit Anfang des Jahres – da war allerdings die brennende Aktualität noch nicht so klar. Wir sehen uns also gut gewappnet für die künftigen Entwicklungen. Und die werden zudem ganz sicher nicht allesamt negativ ausfallen“, betont Joachim abschließend.

Ingo Busch

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