Neue Sonderausstellung im Stadtmuseum über Daniel Hopfers Radierungen

Von der Waffenschmiede zur  Druckkunst

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Variationen: links der spanische Admiral Gonsalvo da Cordova, rechts der friesische Seeräuber Klaus "Stürz den Becher".

Kaufbeuren – Was hat der friesische Seeräuber Klaus Störtebeker mit Kaufbeuren zu tun? Ganz einfach: Sein ziemlich bekanntes, wildbärtiges Konterfei auf Bierflaschen und -deckeln, Liköretiketten oder Teebeutelschachteln stellt eigentlich den aus Kaufbeuren gebürtigen Kunz von der Rosen dar, Kaiser Maximilians I. „lustigen Rat”.

Dieses Porträt wurde zwischen 1470 und 1519 von dem ebenfalls aus Kaufbeuren stammenden Daniel Hopfer geschaffen. Derzeit ist es in der kürzlich mit der musikalischen Umrahmung vom „Trio Quergestreift” (Maria und Rupert Schmauch, Erik Urbschat) eröffneten neuen Sonderausstellung des Stadtmuseums zu sehen. Zusammen mit einigen prominenten Leihgaben präsentiert das Stadtmuseum hier erstmals seine umfangreiche Grafiksammlung zu Daniel Hopfer und dessen Söhnen Hieronymus und Lambrecht. 

Der um 1470 in Kaufbeuren geborene Daniel Hopfer zog um der Karriere willen nach Augsburg, wo er seine künstlerische Ausbildung und 1493 das Bürgerrecht erwarb, und wo er 1536 geachtet und wohlhabend starb. 

Er eröffnete als Mitglied der Schmiedezunft zunächst eine Werkstatt für Waffenätzungen. Die Ätztechnik erlaubt eine sehr feine Strichführung auf hartem Metall, und im Vergleich zum Kupferstich erfordert das Ätzen viel weniger Kraftaufwand. Bald setzte Daniel Hopfer diese Technik nicht nur für Waffen- und Rüstungszier, sondern auch für das Anfertigen von Druckgrafikvorlagen ein, da die eisernen Druckplatten deutlich länger verwendbar sind als die weichen kupfernen. Somit wurde Hopfer zum Erfinder der Ätzradierung. 

„Die Medienrevolution durch den im 15. Jahrhundert aufkommenden Buchdruck ist derjenigen durch die Verbreitung des Internets heutzutage vergleichbar”, erklärte Dr. Tobias Güthner, Leiter des Stadtmuseums Weilheim, in seiner Einführung. Vom Stadtmuseum Weilheim kommt auch die Leihgabe des 1523 entstandenen Gemäldes „Das Martyrium der Heiligen Agatha” von Jörg Greimolt. Darauf wird schön ersichtlich, wie die Renaissance-Künstler dank fehlenden Copyrights munter beieinander „abkupferten”: Der prächtige Renaissance-Innenhof auf Greimolts Gemälde erinnert an Hopfers „Mariae Tempelgang” von 1522. 

Hopfer wiederum ließ sich für die Kulisse des Tempelgangs offensichtlich von Carpaccios „Die Ankunft der englischen Botschafter” inspirieren. Hopfers Druckgrafiken waren sehr beliebt. Von seiner Hand stammen religiöse Darstellungen, Grafiken zur Reformation und zur Renaissance-Architektur, Porträts berühmter Persönlichkeiten seiner Zeit bis hin zu mythologischen und fantastischen Ornamentvorlagen für Kunsthandwerker, und so wurden seine Bilder häufig „zitiert”. 

Das eingangs erwähnte Porträt des Kunz von der Rosen ist ebenfalls ein Beispiel hierfür: Er findet sich nicht nur als spanischer Admiral Gonsalvo da Cordova wieder, sondern auch als friesischer Pirat Klaus „Stürz den Becher”. 

Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist die Leihgabe des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg: Das nach seinem kurfürstlichen Besitzer benannte „Ottheinrich-Schwert” ist ein Jagdschwert, das um 1535 von Daniel Hopfer mit Ätzdekor und seiner Signatur versehen wurde. „Von den Waffen aus Hopfers Werkstatt sind weltweit nur noch eine Handvoll erhalten und noch seltener signierte Stücke”, erläuterte die Leiterin des Kaufbeurer Stadtmuseums Petra Weber und lud abschließend zum „vertieften Studieren der teilweise sehr filigranen Radierungen” ein. 

Auch für kleine Museumsbesucher gibt es in der Ausstellung wieder viel zu entdecken. Die gegen einen kleinen Obolus mietbare Entdeckertasche enthält ein Schreibmäppchen mit Buntstiften, eine Lupe, eine Sanduhr, ein Störtebeker-Puzzle und ein Klemmbrett mit Aufgabenblättern. Diese dürfen, wenn sie ausgefüllt sind, mit heimgenommen werden. Kurz: ein Besuch der Ausstellung ist attraktiv für Groß und Klein – wie immer im Stadtmuseum.

von Ingrid Zasche

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