Plastik "Das Geheimnis" der Leutelt-Schule zerstört

Nachruf auf ein Denkmal

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„Das darfst Du aber keinem weitersagen“, scheint der Kleinere seinem Freund ins Ohr zu flüstern.

Kaufbeuren – Vermisst werden seit einiger Zeit zwei kleine Jungen in Lederhosen. Die mit Sockel etwa 1,50 Meter hohe Plastik „Das Geheimnis“ war seit Mitte der 1960er-Jahre ein lieb-vertrauter Anblick auf dem Gelände der Gustav-Leutelt-Schule in Neugablonz. Nun zeugt nur noch eine schon fast zugewachsene Vertiefung in der Grasnarbe vom einstigen Standort.

Die Plastik "Das Geheimnis" ist weg. Über das Warum kann aktuell nur spekuliert werden, auch von den mutmaßlichen Täter fehlt jede Spur. Zunächst wurde die Frage „Wejßt DU, wu die zwej klinschn Karle hiegekumm sein, die dou ömmr bei dr Leutelt-Schule stondn?“ bloß vereinzelt im „Koffejtippl“ oder bei den Frühschoppenkonzerten laut. Aber immer öfter machten sich Neugablonzer Bürger Gedanken, wo denn nun die Skulptur abgeblieben sei, die sie durch ihre Schulzeit begleitet hatte. Die Plastik war von der bekannten Gablonzer Künstlerin Hanne Wondrak (1909 bis 1992) seinerzeit der Stadt gestiftet worden, etwa um die gleiche Zeit wie die ebenfalls von ihrer Hand stammende Vertriebenenplastik gegenüber der Herz-Jesu-Kirche (Aufstellung 1963). 

Beharrliches Nachfragen ergab schließlich Folgendes: Laut Auskunft des Hausmeisters der Gustav-Leutelt-Schule, André Mater, hat er die Plastik eines Morgens im November 2013 in Einzelteilen auf der Wiese vorgefunden: „Der Sockel war zerstört, die Plastik in der Mitte entzweigebrochen, ein Kopf und zwei Arme lagen daneben.“ Nach Ansicht der herbeigerufenen Polizei handelte es sich um groben Vandalismus. Die schwierigen Ermittlungen dauern dem Vernehmen nach immer noch an. „Die Werke meiner Mutter waren leider schon öfters Opfer von bösartigen Anschlägen, zum Beispiel am Vertriebenendenkmal Tomatenketchup, der durch seine Säure die Bronze angreift, vom Entenbrunnen bei der Stifter-Schule (1991 fertig gestellt) abmontierte Enten oder ein knallbunter Anstrich am „Geheimnis“. Aber da konnten die Skulpturen wenigstens wieder gereinigt oder repariert werden“, erzählt Eva Maria Simon, die Tochter der Künstlerin. Jetzt waren die Überreste nach einer Anfrage des Schulhausmeisters beim Städtischen Bauhof, was mit den Bruchstücken geschehen solle, „eines Tages einfach weg“.

Auf Nachfrage des Kreisboten erklärte Baureferent Helge Carl hierzu: „Die Skulptur war nicht mehr zu retten, also wurden die Teile nach ein paar Monaten entsorgt.“ Niemand könne das mehr bedauern als er. Immerhin sei die Plastik „Das Geheimnis“ (derzeit noch) unter den paar Neugablonzer Sehenswürdigkeiten auf der Webseite von Kaufbeuren-Tourismus bei der Gustav-Leutelt-Schule aufgeführt. Allerdings ist sie nicht beim Denkmalamt der Stadt Kaufbeuren gelistet und dort wusste man zunächst auch nicht, dass sie zerstört worden ist. 

„Aber“, so sagte Ulrike Gerber vom Denkmalamt, „wir machen hier nur die Verwaltung – für eine Aufnahme in die Denkmalliste ist das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) zuständig“. Und das BLfD leide unter gravierendem Personalmangel, daher werden Sachen „jüngeren Datums“ – sprich: aus der Nachkriegszeit – erst jetzt langsam erfasst, oft nur aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung, so Gerber und fügt hinzu: „Ohnehin ist diese Liste lediglich eine Arbeitserleichterung für uns, eine Skulptur kann nach Artikel 1 des Denkmalschutzgesetzes auch ein Denkmal sein, wenn sie darin nicht gelistet ist.“ 

Aber leider wäre „Das Geheimnis“ nicht einmal mit einem Eintrag in die Denkmalliste vor der sinnlosen Zerstörungswut geschützt gewesen, durch die jetzt wieder ein Stück Neugablonzer Geschichte und Identität unwiederbringlich verloren ging. Die zwei Lederhosenmätze mit ihren Heimlichkeiten, für die die beiden in- zwischen erwachsenen Neffen der Künstlerin Modell gestanden haben, werden den Neugablonzern jedenfalls fehlen. Aber vielleicht findet sich ja ein potenter Sponsor für einen rekonstruktiven Nachguss… von Ingrid Zasche

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