Ein Herz für Langohren

Das Lauchdorfer Eselparadies der Familie Melder

Esel mit Eselfohlen
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Flauschiger Nachwuchs: Eselfohlen Kasimir erkundet die Welt an der Seite von Mama Villi. Simone Melder (re.) und Tochter Carmen haben viel Freude an ihren Grautieren.

Baisweil-Lauchdorf – Seit nunmehr 17 Jahren hält die Familie Melder aus Lauchdorf Esel auf ihrem Hof. Fünf Langohren leben dort momentan – vor drei Wochen gesellte sich das Fohlen Kasimir zu der munteren Gruppe. Die Faszination an den sanftmütigen und klugen Tieren, die so gar nicht den Vorurteilen des sturen und dummen Esels entsprechen, ist bei den Melders bis heute ungebrochen.

Auf der Suche nach einem neuen Zuhause fand der kleine Felix vor 17 Jahren einen Platz bei der Familie Melder, die sich spontan dazu entschloss, ihn bei sich aufzunehmen. Auch Stute Luzi, die geschlachtet werden sollte, kam bei den Melders unter und konnte so ihrem Schicksal entkommen. Und dabei sollte es nicht bleiben. Denn was zunächst als Freude für die Kinder der Familie gedacht war, die mit den Langohren als Spielgefährten an ihrer Seite viel Spaß hatten, entwickelte sich zu einer wahren Leidenschaft.

Eselmama Villi mit dem kleinen Kasimir.

Von wegen „sturer Esel“

„Esel strahlen eine unglaubliche Ruhe aus, begutachten Situationen genau und denken mit. Sie sind keine Fluchttiere und daher nicht so schreckhaft wie Pferde“, erklärt Simone Melder und räumt mit einigen Vorurteilen auf. Bei einem unbekannten Untergrund bleiben Esel erst mal stehen und checken ihn ab. Diese Vorsicht habe den Langohren zu Unrecht den Ruf eingebracht, sie seien störrisch. Auch, dass Esel intelligenter sind als Pferde, kann Melder bestätigen: „Ein Esel schaut erst, bevor er ausschlägt – bei einem Pferd ist es andersherum“, lacht sie. Durch ihr gutes Gedächtnis können sich die Tiere auch nach 25 Jahren noch an andere Esel, Menschen und Orte erinnern, und verstehen außerdem die Gestik ihres Gegenübers. Die Gelassenheit, die sie an den Tag legen, macht sie auch zu hervorragenden Therapietieren. „Esel kommen auch gerne bei nervösen Tieren zum Einsatz, um sie zu beruhigen“, sagt Melder. Die Melders haben selbst schon Fohlen verkauft, die zur Reittherapie eingesetzt wurden. Dafür, dass die sanftmütigen Tiere in vielen Ländern, wie auf der griechischen Insel Santorin, unter untragbaren Bedingungen als „Taxis“ für Touristen herhalten müssen, hat Simone Melder kein Verständnis.

Mit dem Esel auf Abenteuer

Mit ihren Langohren hat die Familie Melder schon einiges erlebt – ob bei Eselrennen, bei denen Mensch und Tier Seite an Seite laufen, Eseltrekking in der Ferienfreizeit, Eselreiten für Kinder beim Herbstmarkt in Ingenried oder beim Mindelheimer Frundsbergfest als Mittelaltergruppe mit Esel-Wagen. Tochter Carmen war auch als Kind gerne mal mit der Esel-Kutsche unterwegs, zum Beispiel um Freunde im Nachbardorf zu besuchen. Jeden Tag werden die Langohren mit Stroh und Heu versorgt, aber auch Fichtenbäume dürfen nicht fehlen, „sonst fressen sie den Stall an“, lacht Simone Melder. Das gerade mal drei Wochen alte Fohlen Kasimir ist überraschend flott unterwegs und äußerst verspielt. Eselfohlen durchzubringen und aufzuziehen sei mit einigen Strapazen verbunden. Diese nimmt die Familie aber gerne auf sich: „Wenn man die Freude in den Augen der Kinder sieht, weiß man, wofür man‘s macht“, sagt Melder. Viele Kinder kennen Esel schließlich nur aus Büchern. Die Tiere „live“ zu sehen, sei da eine ganz neue Erfahrung. Vom kleinen Kasimir bis zum 1,60 Meter großen Giacomo, dem Langhaar Joshua und Muli Mylo, der sich besonders gut als Tragtier für Bergwanderungen eignet – auf dem Hof der Familie Melder fühlen sich die liebenswürdigen Vierbeiner sichtlich wohl.

Mahi Kola

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