Wann wo losgelegt wird

Debatte um die Abfolge der Erschließungsplanungen – Vom Wunsch, Sulzschneid vorzuziehen

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Das Baugebiet in Sulzschneid soll nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Marktoberdorf – Der Markt für Wohnungen und Häuser ist im Bereich der Stadt Markt­oberdorf angespannt. Konsequenz: Es wächst der Druck, neues Bauland auszuweisen. Jetzt ging es darum, die Abfolge der Erschließungsplanungen festzulegen.

Zumal es heißt, dass in der Tiefbauverwaltung wegen Personalknappheit jedes Jahr nur eine große Maßnahme umgesetzt werden kann.

Mareile Hertel, die Tiefbaureferentin im Marktoberdorfer Rathaus, hatte als Beschlussvorschlag präsentiert, dass als erstes in Geisenried Am Wegacker in die Erschließungsplanung eingestiegen wird. Als nächstes sollte 2021/2022 das große Wohngebiet an der Hochwiesstraße (beim ehemaligen Krankenhaus) folgen.

An dritter Stelle stand im Beschlussvorschlag der dritte Bauabschnitt in Leuterschach. Dahinter wurde als vierte Maßnahme der Bereich am Ortsrand von Sulzschneid genannt, dem südlichsten Ortsteil von Marktoberdorf. Doch das hat unter den Stadträten, die wegen des Wohnungsdrucks generell auf eine schnelle Erschließung drängen, Kritik hervorgerufen.

Vor allem zweiter Bürgermeister Wolfgang Hannig (SPD) monierte die Reihenfolge, wonach die Planung mit Wasserleitungen, Kanal, Strom, Straßen und Datenleitungen für Sulzschneid erst 2023 aufgenommen werde. So lange könne man die Sulzschneider nicht warten lassen, kommentierte Hannig, der die Grundstücksverhandlungen für das neue Baugebiet in dem Ortsteil geführt hatte, wo auch ein Feuerwehrhaus neu gebaut wird.

Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell brachte im Ausschuss für Stadtentwicklung den Kompromissvorschlag, dass jetzt nur die ersten beiden Projekte in Geisenried und beim früheren Krankenhaus in der Reihenfolge festgelegt werden. Weitere Baugebiete wie Sulzschneid und Leuterschach folgen dann. Da konnten die meisten Räte bei der Abstimmung mitgehen; nur Christian Vávra (Grüne) votierte mit Nein.

Zur Personaldecke

Es war Stadtrat Thorsten Krebs von der CSU, der im Ausschuss für Stadtentwicklung zu der Aussage nachgehakt hatte, dass bei der derzeitigen Personaldecke jedes Jahr nur eine Erschließung werden könne. Mareile Hertel antwortete, in der Tiefbauverwaltung des Rathauses sei seit zwei Jahren eine Stelle vakant.

Auf Nachfrage von Stefan Elmer (SPD), ob noch mehr Leistungen extern vergeben werden könnten, erklärte Bauamtsleiter Ralf Baur, schon jetzt würden bei allen Erschließungsmaßnahmen Fachbüros beauftragt. Aufgabe der Verwaltung sei es, die Maßnahmen umfassend zu begleiten und gründlich zu prüfen – auch im Hinblick auf die Kosten. „Uns ist überhaupt nicht langweilig“, verdeutlichte Baur, dass reichlich Arbeit zu bewältigen sei. Man wolle nicht in eine Diskussion zu „Was macht ihr den ganzen Tag?“ reingehen.

Zur Abfolge betonte der Chef des Bauamts, dass Am Wegacker in Geisenried von der Planung her alles „flutscht“; dort könne sofort losgelegt werden. Das große Quartier am Krankenhaus mit den „Fünf Höfen“ für 700 Menschen „scheint uns dringend zu sein“, fuhr Baur fort. Für das Baugebiet in Leuterschach habe man den Plan „in der Schuhblade“, was bei Sulzschneid nicht der Fall sei.

Franz Barnsteiner von den Freien Wählern bemängelte den langen Zeitraum vom Erwerb der Flächen bis zur Baureife. Auch in der Kernstadt sollte die Erschließung für die Flächen am südlichen Stadtrand (Gschlatt-Süd) und Hinterm Schloss vorangetrieben werden. Da könne man Interessenten für einen Bauplatz nicht bis nach 2025 vertrösten, stimmte er mit zweitem Bürgermeister Hannig überein. Eugen Kögel (CSU) war der Ansicht, dass die Nachfrage in Leuterschach „nicht so massiv“ sei und Sulzschneid deshalb vorgezogen werden soll. Immerhin seien in Leuterschach bereits zwei Bauabschnitte realisiert worden.

368 Genehmigungen

Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell brachte abschließend Zahlen zum Thema. Seit 2014 sind, so der Rathauschef in einer Auflistung, 368 Wohneinheiten genehmigt worden. Dazu gehören auch die 105 Einfamilienhäuser. Von den 368 Wohneinheiten sind momentan 74 in Bau, mit 16 wurde noch nicht begonnen. Die Einwohnerzahl der Kreisstadt hat sich seit 2014 von 18.200 auf aktuell 18.700 erhöht.

jj

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