Wärmestube ins Müllergässchen?

OB Bosse weist Vorwürfe zurück

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Der Stein des Anstoßes für den Verein LWM: Das Gebäude Müllergässchen 4 (links) soll nach einer Sanierung die neue Heimat der Wärmestube werden.

Kaufbeuren – Um den Umzug der Kaufbeurer Wärmestube vom Crescentiaplatz ins nahe Müllergässchen (wir berichteten) zu verhindern, haben einige der Anwohner Ende März den Verein „Lebensqualität Wohnumfeld Müllergässchen e. V.“ (LWM) gegründet.

Dessen 1. Vorsitzender Jörg Hartgen sorgte nun in einem Interview mit der Allgäuer Zeitung, das auch auf der Vereinshomepage veröffentlicht ist, mit schweren Vorwürfen gegen die Stadt für „Verwunderung“ bei OB Stefan Bosse. 

Bereits in einem Brief im April an die Kaufbeurer Stadträte monierte der Verein, durch die Wärmestube im Müllergässchen werde „der gute und schöne Eindruck der Stadt mit der Wärmestube an dieser Stelle negativ beeinflusst“, Probleme mit Anwohnern seien vorprogrammiert. 

Laut Interview ist dies aber nicht das einzige Problem, das Hartgen und seine Vereinsmitglieder mit dem Projekt haben. „Die Probleme haben bereits früher begonnen“, sagt Hartgen. So habe die Stadt die ehemaligen Mieter des Objektes gedrängt, das Haus zu verlassen. Eine über 95-jährige Seniorin, ein über 70-jähriger Mann und eine Schneiderin als gewerbliche Mieterin seien 2012, nachdem 2011 noch Renovierungsarbeiten durchgeführt worden seien, trotz mehrfacher Bitten an die Stadt „herausgekündigt“ worden. Dies stinke „zum Himmel“, so Hartgen. Die Bürger Kaufbeurens hätten nun die entgangenen Mieteinnahmen „in Höhe von zigtausend Euro“ zu tragen. 

Auch durch die Überlassung des Hauses an den SKM gegen „einen geringen Erbpachtzins“ entstünden den Bürgern Kosten. Zudem müsse es von Seiten städtischer Gebäude Alternativen zum Müllergässchen geben. Diese Äußerungen riefen jetzt den OB auf den Plan. In einer schriftlichen Stellungnahme betonte er, die Aussagen stießen bei ihm auf „Verwunderung“. Denn: „Hier werden Behauptungen und Zusammenhänge aufgestellt, die jeder Grundlage entbehren“. 

Er erinnert daran: Das Modell, das Haus im Müllergässchen 4 gegen einen subventionierten Erbpachtzins dem Katholischen Verband für soziale Dienste (SKM) zur Errichtung eines Tagesaufenthaltsortes für Obdachlose und Bedürftige zu überlassen, sei am 25. April 2013 einstimmig vom Stadtrat beschlossen worden – „in nichtöffentlicher Sitzung, wie es bei allen Grundstücksangelegenheiten üblich ist“, so Bosse. D

a der SKM mit dem Angebot eines Tagesaufenthaltsorts für Obdachlose und Bedürftige eine eigentlich städtische Aufgabe übernehme, sei es nur richtig, „das Haus zu günstigen Konditionen anzubieten und den Erbpachtzins niedrig zu halten“, erläutert Bosse die Hintergründe von Seiten der Stadt. Außer dem Müllergässchen 4 gebe es derzeit keine städtischen Gebäude, die mittelfristig im Innenstadtbereich zur Verfügung stünden. Außerdem übernehme der SKM im Gegenzug für die günstigen Erbpacht-Konditionen die aufwändige Renovierung des Objekts und sichere den weiteren Betrieb der Wärmestube. „Wir sind sehr froh über diese Partnerschaft, denn die Stadtverwaltung könnte diese Aufgabe alleine in keinem Fall günstiger wahrnehmen“, so Bosse. 

Auch bezüglich der ehemaligen Mieter des Müllergässchens 4 beziehungsweise deren Auszug hat Bosse andere Erinnerungen als von Hartgen dargestellt. Die Stadt habe mit den damaligen drei Mietparteien des Hauses stets ein gutes Mietverhältnis gepflegt. „Die Renovierungsarbeiten im Jahr 2011 waren übliche Unterhaltsmaßnahmen. Zu diesem Zeitpunkt stand ein möglicher Umzug der Wärmestube noch nicht zur Debatte. Die ersten Gespräche dazu wurden 2013 geführt“, versichert der OB. 

Zu diesem Zeitpunkt seien sowieso nur noch zwei Mieter im Haus gewesen, da eine Mieterin 2012 aus Altersgründen in ein Seniorenheim gezogen sei. „Die Kündigung war von ihrer Seite erfolgt“, betont Bosse. Ein weiterer Mieter sei 2013 verstorben. Lediglich der dritte, gewerbliche Mietvertrag sei im Juli 2013 von Seiten der Stadt gekündigt worden. „Auch in diesem Verhältnis gab es kein böses Blut. Die Mieterin hatte 14 Monate Zeit, um eine neue Bleibe für ihre Werkstatt zu finden“, beschreibt Bosse und will richtiggestellt wissen: „Die zitierten mehrfachen Bitten gab es nie“. 

Die Bürger trügen auch keineswegs die Last von entgangenen Mieteinnahmen. Denn, so Bosse mit Blick auf den derzeitigen Zustand des denkmalgeschützten Hauses: „Ohne grundlegende Renovierung ist eine Weitervermietung des Hauses im Müllergässchen 4 derzeit nicht möglich.“ Der SKM hatte angekündigt, die bei einem Umzug nötigen Sanierungskosten von rund einer Million Euro zu tragen.

von Michaela Frisch

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