Unglaubliche 159.000 Euro bringt Stier aus Ruderatshofen auf dem Oktober-Zuchtviehmarkt ein 

Rekord-Stier »Senator«

Deckstier Senator
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Hier stehen stolze 159.000 Euro: Für diese Summe wurde Zuchtstier „Senator“ aus Ruderatshofen auf dem Viehmarkt in Weilheim versteigert.

Ruderatshofen /Weilheim – Unglaubliche 159.000 Euro brachte Stier „Senator“ auf dem Oktober-Zuchtviehmarkt ein – damit ist er der teuerste Stier, der jemals in Weilheim versteigert worden ist, und der zweitteuerste Fleckvieh-Stier aller Zeiten. Für den Besitzer, Michael Eberle aus Ruderatshofen, ist Weilheim ein gutes Pflaster.

Der alte Rekord hielt etwas mehr als drei Jahre: Im Juli 2018 hatte Stier „Weitblick“ auf dem Weilheimer Zuchtviehmarkt 151. 000 Euro eingebracht, jetzt war „Senator“ noch etwas teurer – und hätte fast noch den Fleckvieh-Spitzenreiter geknackt, der 166.000 Euro wert war. „Bei den Voraussetzungen war uns schon im Vorfeld klar, dass „Senator“ im sechsstelligen Bereich liegen wird“, sagt Eva Espert, Vermarktungsleiterin bei den Weilheimer Zuchtverbänden. Da geht es um Fachdetails wie Abstammung, Milch-, Fleisch- und genomische Zuchtwerte. Überall dort war „Senator“ spitze.

Wahre Bieterschlacht

Das lockte die Besamungsstationen in Scharen an: Alles, was in Bayern beim Thema Zucht Rang und Namen hat, war in der Weilheimer Hochlandhalle vertreten. Die Besamungsstationen lieferten sich eine wahre Bieterschlacht, bis laut Espert noch drei Institute übrig waren – und die Besamungsstation Höchstädt schließlich für 159.000 Euro den Zuschlag erhielt. Die Schwaben hatten sich damals schon „Weitblick“ gesichert.

Sein Glück nicht fassen konnte Besitzer Michael Eberle aus Ruderatshofen. Der 47-jährige Landwirt, der gleichzeitig auch Besamungstechniker ist, betreibt seit einigen Jahren eine Fleckviehbullen-Zucht und hat mittlerweile einige Dutzend Tiere im Stall stehen. „Senator“ hat er als Kalb in Ansbach gekauft – für gerade einmal 700 Euro. „Dort ist alle vier Wochen ein Markt speziell für Zuchtbullen“, sagt er. Er habe sich vorher die Daten aller Tiere angeschaut und wurde auf „Senator“ aufmerksam, weil die Mutter so viel Milchertrag hatte – rund 11.000 Kilo im Jahr. „Außerdem war der Eiweißgehalt hoch“, sagt Eberle. Also ließ er das Kalb im Dezember über einen Mittelsmann in Ansbach ersteigern.

Sonderbehandlung für „Senator“

Daheim kam das Tier erst einmal in eine Box mit einigen anderen Stierkälbern. „Ich wollte ihn eigentlich für den Natursprung verkaufen, da bekommt man bis zu 2500 Euro für einen Stier“, sagt Eberle. Doch als er im Februar die Ergebnisse der genomischen Zuchtwertschätzung erhielt, die „Senator“ gigantische Voraussetzungen attestierten, änderte sich alles. „Ich hätte nie gedacht, dass er so extrem gut abschneidet. Ab da bekam er natürlich eine Sonderbehandlung“, sagt Eberle und lacht. „Schließlich sollte es nicht an der mangelhaften Aufzucht scheitern.“

Als er seinen prächtigen, mittlerweile ausgewachsenen „Senator“ jetzt in der Hochlandhalle präsentierte und die Bieterschlacht miterlebte, konnte er es kaum glauben. Aufgrund der guten Voraussetzungen seines Stiers hatte er sicher mit 50.000 Euro Erlös gerechnet, bei 80.000 wäre er hochzufrieden gewesen – dass es doppelt so viel wurden, damit hat er nicht gerechnet. „So etwas kommt nur einmal im Züchterleben vor“, weiß Eberle.

Gutes Pflaster

Wobei: Er hat auch schon zwei Stiere für 60.000 und 50.000 Euro verkauft, beide ebenfalls am Weilheimer Zuchtviehmarkt – es ist offenbar ein gutes Pflaster für den Allgäuer. Doch damals hatte er die beiden Stiere nur im Auftrag eines Landwirts aufgezogen und musste das Geld mit ihm teilen. Das gebe es öfter, sagt Espert von den Weilheimer Zuchtverbänden, dass vorher Verträge abgeschlossen werden. Doch weil „Senator“ bei einem Kälbermarkt ersteigert wurde, geht der eigentliche Züchter leer aus. „Ich kenne ihn nicht, aber er hat sich bei mir gemeldet und sich gefreut, dass ein Kalb aus seiner Zucht so erfolgreich geworden ist“, sagt Eberle.

Und wer weiß, vielleicht macht sich „Senator“ bald nochmal bezahlt für Züchter Eberle. Denn er hat vier eigene Rinder mit dem Super-Stier decken lassen. „Bis der nach der vorgeschriebenen Quarantäne tatsächlich im Deck­einsatz ist, sind meine Kälber fast schon auf der Welt“, sagt Eberle. Vielleicht sieht man ihn bald wieder am Weilheimer Zuchtviehmarkt.

von Boris Forstner

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