Kaufbeurer Kriminalstatistik: Viele Straftaten gehen auf Konto weniger Täter – Gute Sicherheitslage

Mehr Delikte werden aufgeklärt

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Die Aufklärungsquote ist im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent gestiegen.

Kaufbeuren – Während die registrierten Straftaten im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West 2017 im Vergleich zum Vorjahr lediglich leicht um 0,3 Prozent angestiegen waren (wir berichteten), sieht das in Kaufbeuren auf den ersten Blick deutlich schlechter aus.

Die Polizeiinspektion Kaufbeuren verzeichnete nämlich für das Stadtgebiet einen Anstieg der Gesamtstraftaten um 8,1 Prozent von 2559 im Jahr 2016 auf 2765 Delikte. Doch kein Grund zur Sorge: Zurückzuführen sei dieser für Kaufbeu­rer Verhältnisse hohe Wert auf mehrere Diebe und einen Betrüger, erklärten der stellvertretende Leiter der PI Kaufbeuren, Reinhard Janko, und Kripochef Andreas Trinkwalder bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik für 2017.

Innerhalb von drei bis vier Wochen wurden zwei Einzeltäter und ein Pärchen erwischt, die in insgesamt 120 Fällen Diebstähle aus Pkws begangen hatten und es dabei laut Janko auf Kleingeld, CDs, Sonnenbrillen und ähnliches abgesehen hatten. Auch ein Konzertkartenbetrüger hat in großem Stil gehandelt und so seinen Teil zur hohen Gesamtkriminalitätszahl beigetragen. Der 22-jährigen Kaufbeu­rer hat 212 Konzertkarten online verkauft, ohne je die Ware zu liefern. Inzwischen sitzt der junge Mann in Untersuchungshaft, doch das hat einen anderen Grund: Selbiger ist, so Trinkwalder, dringend tatverdächtig für den Überfall auf eine Bank in Obergermaringen, den er Anfang Dezember 2017 verübt haben soll (wir berichteten).

So verzeichnet die Polizei Kauf­beuren auch einen Anstieg im Bereich Vermögens- und Fälschungsdelikte, von 333 auf 450 Fälle (+35,1 Prozent). Neben dem Konzertkartenbetrüger ergibt sich die Zahl auch aus falschen Polizeibeamten, zu Unrecht bezogenen Sozialleistungen und der Enkeltrickmasche, erklärte Janko. Im März 2017 fasste die Polizei einen Enkeltrickbetrüger, der sich mit seinem Opfer, einer Seniorin aus Lechbruck, zur Geldübergabe im Jordanpark traf. Sein Pech: Die Frau hatte die Polizei zuvor bereits in Kenntnis gesetzt, die den Mann festnehmen konnten. Er wurde mittlerweile zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Die Polizei musste dreimal wegen Tötungsdelikten in Kauf­beuren ermitteln. Wie Trinkwalder sagte, sei im Januar 2017 ein 24-jähriger Asylbewerber aus Gambia in einer Unterkunft auf einen weiteren Asylbewerber aus dem Senegal losgegangen und habe mit einem Hammer zweimal auf dessen Kopf geschlagen. Das 27-jährige Opfer hat schwer verletzt überlebt, der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft. Im zweiten Fall musste die Polizei einem Fall nachgehen, wonach ein 51-Jährger leblos in seiner Kauf­beurer Wohnung aufgefunden worden ist. Vorausgegangen war eine tätliche Auseinandersetzung zwischen dem Mann und seiner Ehefrau einen Tag zuvor, wobei die Frau ihn mit einem Fleischhacker am Kopf getroffen hatte, so Trinkwalder. Die Obduktion hat jedoch ergeben, dass der Mann an Erbrochenem erstickt und somit nicht durch den Angriff der Frau gestorben ist. Auch der Anzeige einer psychisch gestörten, amtsbekannten Frau musste die Polizei nachgehen, die ihre eigene Mutter des Totschlags bezichtigt hatte. Dies stellte sich jedoch als haltlos dar.

Von den sechs angezeigten Vergewaltigungen (Vorjahr: vier) war keine eine echte, sondern alle vorgetäuscht oder einvernehmlich, wie der Erste Kriminalhauptkommissar betonte. Alle Anzeigen wurden eingestellt.

Die Rauschgiftkriminalität ist leicht zurückgegangen, von 163 auf 158. Da es sich dabei jedoch um eine Deliktsart handelt, die meist nur durch Kontrollen aufgedeckt werden kann, würde mehr eingesetztes Personal auch mehr Rauschgiftkriminalität bedeuten, erklärte Janko. Jedem Zeugenhinweis werde selbstverständlich nachgegangen, schob Trinkwalder ein. Und hat die Polizei einen Dealer dingfest gemacht, führt dessen Smartphone meist auch direkt zu den Abnehmern.

Aufklärungsquote und Sicherheitslage gut

Besonders stolz ist Janko denn auch auf die hohe Aufklärungsquote (in allen Deliktsbereichen) von 70,7 Prozent, die sich im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent erhöht hat. „Bei unserer relativ dünnen Personaldecke muss ich meinen Kollegen ein großes Lob aussprechen“, sagte Janko.

Dass Geflüchtete in Kauf­beuren dezentral untergebracht sind, habe sich laut Janko bewährt. In Kaufbeuren sei „kein Brennpunkt“ zu erkennen. Wenn Asylbewerber in Straftaten verwickelt seien, dann beträfe das zumeist Delikte untereinander.

Auf konstant niedrigem Niveau bewegt sich der Wohnungseinbruchdiebstahl, der von 17 Fällen im Jahr 2016 auf 15 im vergangenen Jahr sank. Trinkwalder verwies als Erklärung auf die Tatsache, dass Kaufbeuren keine Autobahnanbindung hat und dadurch für Banden weniger attraktiv ist. Das Sicherheitsempfinden in Kaufbeuren sei im Allgemeinen hoch, denn auch die Straßenkriminalität liege mit 120 Sachbeschädigungen an Autos (Vorjahr 135) und mit 48 (32) an Straßen und Plätzen auf einem niedrigen Stand. Trinkwalder sieht somit die Gesamtsicherheitslage in Kauf­beuren positiv, die nunmehr aber nur noch die fünft­sicherste Stadt in Bayern ist.

von Martina Staudinger

Aus der Kriminalstatistik:

• Straftaten gesamt:

2765 (2016: 2559)

• Körperverletzung

gefährliche: 91 (84)

leichte: 306 (355)

• Diebstähle

aus Kfz: 120 (69)

Fahrräder: 168 (135)

Taschen: 10 (11)

aus Läden: 177 (177)

• Sexualdelikte: 30 (32)

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