Demenzbeauftragter kann seine Arbeit über 2018 hinaus weiterführen

Die Demenz-Pioniere

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Demenz betrifft alle, nicht nur die Erkrankten. Auch die Angehörigen haben fortan eine große Aufgabe zu leisten. Hier setzt das Ostallgäuer Demenzkonzept an, das auch fortan mit Leben erfüllt werden soll.

Marktoberdorf/Ostallgäu –Das Ostallgäu hat als erster Landkreis in Bayern vor gut drei Jahren ein Demenzkonzept entwickelt. Ziel war es, die Lebens- und Betreuungsbedingungen demenzkranker Menschen und ihrer Angehörigen zu verbessern. Jetzt stand das Konzept, das auf drei Jahre angelegt und mit Geldern der EU gefördert wurde, im Ausschuss für Familie und Soziales auf dem Prüfstand. Insbesondere ging es um die Fortführung der Projektstelle des landkreiseigenen Demenzbeauftragten.

Seit gut zweieinhalb Jahren bringt Stephan Vogt hauptamtlich die Demenzhilfe im Landkreis voran. Es war denn auch sein Part, die im Oktober 2018 auslaufende Stelle zu beschreiben, ein Resümee des Erreichten aufzustellen und einen Ausblick auf die Aufgaben der Zukunft zu präsentieren. Rund 500 bis 600 Ostallgäuer erkranken jährlich an Demenz, momentan sind etwa 2600 Menschen direkt betroffen. Sie machen den größten Anteil aller Pflegebedürftigen im Kreis aus, rund 50 Prozent. Das Ostallgäuer Demenzkonzept sah von Anfang an eine Koordination und Kooperation der landkreisweiten Aktivitäten vor, so beispielsweise die Vernetzung mit den örtlichen Seniorengenossenschaften und den ambulanten Diensten. Dies sei erreicht worden, berichtete Vogt und beschrieb den deutlichen Ausbau der niederschwelligen Angebote, wie Beratungen und den Hilfen im Alltag, sowie die Summe der akquirierten Fördermittel von rund 270.000 Euro. Er hob außerdem als Leuchtturmprojekte die Kontaktstelle Demenzhilfe in Obergünzburg und die Wanderausstellung „Demensch“ hervor.

Und doch, so zog Vogt in seinem Vortrag eindeutig Bilanz, sei die Reise noch lange nicht beendet.

„Zwei Drittel der Angehörigen wünschen sich professionelle Hilfe bei der Begleitung demenzkranker Familienmitglieder, ein Drittel ist zumindest auf ehrenamtliche Betreuung angewiesen“, sagte der Demenzbeauftragte gegenüber dem Ausschuss. „Da sind wir noch lange nicht angekommen.“ Ziel sei es daher, in den nächsten Jahren die Zahl der Kontaktstellen der Demenzhilfe im Landkreis von derzeit fünf auf acht auszubauen (eine Kontaktstelle pro 20.000 Einwohner) und so ein enges Netz zu knüpfen. Denn, so Vogt: „Menschen mit Demenz brauchen ein Beziehungsangebot.“ Zu diesem Aufgabenschwerpunkt gehöre auch, dem regionalen Fachkräftemangel in der Pflege aktiv zu begegnen. Der Demenzbeauftragte werde daher zukünftig einen Fokus auch in der Fachberatung für Gemeinden und Träger haben: bei der Umsetzung innovativer Ideen, wie der Schaffung neuer Wohnformen im Alter, oder bei der Erschließung von Förder- oder Drittmitteln.

Für die Projektstelle des Demenzbeauftragten hatte der Landkreis bisher Fördermittel aus den Leader-Töpfen der EU erhalten. Diese Förderung endet nun im Oktober 2018. Der Ausschuss beschloss jedoch die Vollzeitstelle ab dem 1. November 2018 aus Landkreismitteln fortzuführen. Von den beratenden wie beschließenden Mitgliedern erntete der alte und neue Demenzbeauftragte einhelliges Lob. Waltraud Joa (SPD), Ulrike Sigfrid (CSU) , Johann Gschwill (CSU), Irmgard Ablasser (CSU) und Heinz Roller (Vertreter des VdK) sprachen sich für eine Fortführung des mit Leben erfüllten Konzeptes aus. „Wir haben uns einer Aufgabe gestellt, die anderswo nicht erledigt wird. Da müssen wir dran bleiben,“, sagte Waltraud Joa. Bis heute gibt es in den Nachbarlandkreisen kein vergleichbares Konzept zur Demenzhilfe.

von Angelika Hirschberg

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