Den wachsenden Bedarf erkannt

Beratungsnetz für pflegende Angehörige im Ostallgäu feiert 20. Jubiläum 

BRK + Caritas_Fachstelle pfleg. Angehörige_Foto Regina Reis
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Die Beraterinnen der Fachstellen für Pflegende Angehörige: Corinna Praetorius (v. li.), BRK Ostallgäu, Alexandra Hien und Katharina Dursun, beide Caritas Ostallgäu, und Annett Filser vom BRK Ostallgäu.

Ostallgäu/Kaufbeuren – Über 70 Prozent der älteren Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt und betreut. Pflegende Kinder, Schwiegerkinder oder (Ehe-)Partner tragen dabei die Hauptlast der Versorgung. Sie sind unersetzlich. Sie kümmern sich nicht nur Wochen und Monate, sondern teilweise über Jahre um Vater, Mutter, Partner oder Partnerin. „Lang andauernde Pflege kann körperlich und seelisch erschöpfen bis hin zur Gefährdung der Gesundheit. Zudem führt sie durch die zeitliche Belastung oftmals zu sozialer Isolation“, beschreiben Annett Filser vom Bayerischen Roten Kreuz und Katharina Dursun von der Caritas den Alltag vieler pflegender Angehöriger.

Um genau diesem Erschöpfungszustand vorzubeugen, schufen der BRK Kreisverband Ostallgäu und der Caritasverband Ostallgäu im Jahr 2001 die Fachstellen für pflegende Angehörige. Hier erhalten alle pflegenden Angehörigen, die es möchten, eine kostenlose Beratung. Zu den zentralen Aufgaben der Fachstellen gehören psychosoziale Beratungsgespräche, begleitende Unterstützung und Entlastung der pflegenden Angehörigen. So soll die häusliche Pflege so lange wie möglich gut bewältigt werden. Gefördert werden die Fachstellen vom Land Bayern über das Bayerische Netzwerk Pflege und die Pflegekassen. Mittlerweile zählt Bayern 110 Fachstellen für pflegende Angehörige.

Katharina Dursun leitet die Fachstelle der Caritas, Annett Filser die des Roten Kreuzes in Marktoberdorf. „Im Gründungsjahr begannen wir mit 107 Beratungen“, erinnert sich Filser. Der Bedarf wuchs von Jahr zu Jahr. „Heute führen wir beim BRK allein jährlich über 1340 Gespräche.“ Die Beratungsfelder seien breit gestreut, erklärt Dursun: „Wir sprechen mit den pflegenden Angehörigen sowie den Betroffenen selbst über die Belastung, die Krankheit des zu Pflegenden und die Folgen, Hilfemöglichkeiten oder Finanzielles.“ Dabei stünden immer wieder die schwierige Lebenssituation, die psychische Belastung und Erschöpfung oder der Leistungsdruck im Mittelpunkt. „Unser Ziel ist es, Angehörigen und Pflegebedürftigen aufzuzeigen, wie sie mit der herausfordernden Alltagssituation, den Schuldgefühlen oder der Veränderung der Rollenverhältnisse besser umgehen können und geben Orientierungshilfen.“

Aufgrund der täglichen Begleitung erkannten die Fachstellen des BRK und der Caritas den wachsenden Bedarf an Diensten und Hilfestellungen für die pflegenden Angehörigen und reagierten darauf. „Wir haben unser Angebot in den vergangenen zwei Jahrzehnten stetig dem steigenden Bedarf angepasst“, sagt Thomas Hofmann, Geschäftsführer des BRK. Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten wie beispielsweise Angehörigengruppen, Betreuungsgruppen für Demenzerkrankte, Helferkreise oder Nachbarschaftshilfen wurden aufgebaut und werden vermittelt. „Die Betreuungsgruppe in Obergünzburg besteht seit 2012 und begann zunächst 14-tägig mit durchschnittlich drei Teilnehmern. Heute findet sie wöchentlich mit bis zu acht Personen statt“, ergänzt Dursun.

„Ein nicht mehr wegzudenkender Bereich sind zudem regelmäßige Schulungs- sowie Fortbildungsangebote für ehrenamtliche Helfer und pflegende Angehörige“, ergänzt Renate Dantinger, Fachbereichsleitung Pflege und Soziales beim BRK. Vorträge zu Themen rund um Pflege und Demenz sowie monatlich angebotene Treffen von Angehörigengruppen in Buchloe, Füssen, Marktoberdorf, Kaufbeuren und Obergünzburg sorgen neben der fachlichen Wissensvermittlung für den so wichtigen sozialen Austausch der Betroffenen untereinander. Insgesamt gewinne dabei das Thema Demenz immer mehr an Bedeutung, beobachtet Dursun. Auch darauf reagierten die Fachstellen und bieten heute mit den Kontaktstellen Demenz und Pflege zahlreiche Hilfen für Demenzbetroffene und pflegende Angehörige an.

Große Feierlichkeiten wird es zum Jubiläum nicht geben. Auch bei den Fachstellen erzwingt die Pandemie aktuelle Anpassungen. Beratungen fänden telefonisch und derzeit in dringenden Fällen unter Einhaltung der Hygieneregeln vor Ort statt. „Momentan bieten wir Gruppen-, Vortrags- und Schulungsangebote online an“, erklären Filser und Dursun.

Außerdem reagieren die Fachstellen auf den coronabedingt erhöhten Gesprächsbedarf mit dem neuesten Angebot‚ der „Nummer gegen Kummer“: Immer montags von 9 bis 11 Uhr nehmen sich die Fachleute beim BRK (Tel. 08342/966943) und bei der Caritas (Tel. 08342/961945) besonders Zeit für das Sorgentelefon.

kb

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