Finanzierung bleibt offen

Obergünzburg beschließt ideelle Unterstützung für „Denkstätte“ Ostbahnhof

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So könnte die „Denkstätte“ Ostbahnhof am Biechtholzer Bach aussehen: Ein – einem Eisenbahnwaggon nachempfundener – Pavillon soll zum Niedersetzen und Besinnen einladen.

Obergünzburg – Die Arbeitsgemeinschaft Lokalgeschichte Obergünzburg will eine so genannte Denkstätte Ostbahnhof, also ein Ort, an dem man Nachdenken kann, einrichten und gestalten und bat mit einer Eingabe den Marktrat um ideelle und materielle Unterstützung.

Einer der Initiatoren und Leiter der Arbeitsgemeinschaft, Wilhelm Weinbrenner, stellte im Marktgemeinderat das Projekt vor. Die Arbeitsgemeinschaft beschäftige sich derzeit mit ortsgeschichtlich bedeutsamen Zeiten wie dem endenden Kaiserreich, dem Dritten Reich und der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte. Dazu sei man derzeit einem Ereignisort Ostbahnhof Günzburg auf der Spur und wolle dies auch im nächsten Themenheft veröffentlichen.

Fakt ist, dass es in Obergünzburg nie einen Bahnhof gab, geschweige denn einen Ostbahnhof. Es scheint aber am Biechtholzer Bach ein ehemaliger Zugwaggon ohne Räder gestanden zu haben oder etwas, was so ähnlich aussah. Deshalb habe man das im Volksmund den Ostbahnhof genannt. Zum einen wurde der Ostbahnhof in der NS-Zeit als Zwischenstation für Menschen verwendet, die später in Konzentrationslager kamen. Zum anderen wurde er in der Nachkriegszeit zur Unterkunft für diejenigen, die der Flucht und Vertreibung entronnen sind. Weinbrenner: „Es war Himmel und Hölle, verstanden als Sinnbilder realer Ereignisse“.

Deshalb hat nun die Arbeitsgemeinschaft den Vorschlag gemacht, diesen Ereignisort als Erinnerungsort auszuwählen, „wo man sich niedersetzen und besinnen kann“. Im Bereich des Biechtholzer Baches gebe es an der Rotleitenstraße und An der Ölmühle im Anschluss an den Spielplatz ein öffentliches Grundstück, das hierfür geeignet wäre. Die Arbeitsgemeinschaft hatte sich auch gleich dran gemacht und eine Kostenschätzung von etwa 200.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer zusammengestellt und auch Fördermittel durch die Bayerische Landesstiftung in Aussicht gestellt. Auch hatte man einen ersten Vorentwurf vorgelegt. Dafür solle ein begehbarer Pavillon in Form eines ehemaligen Güterwaggons inmitten einer Grünanlage errichtet werden. Hinweistafeln und Sitzgelegenheiten sollen zum Niedersetzen und Besinnen einladen. Man möchte damit die Erinnerungskultur erhalten, Geschichte darstellen und Würde zurückgeben. Der Ostbahnhof könne als Anlaufpunkt zur Geschichtsbildung für Schulklassen genutzt werden, aber auch als zentrale „Denkstätte“ für Veranstaltungen zum Gedenken.

Obergünzburgs Erster Bürgermeister Lars Leveringhaus betonte in seiner Stellungnahme: „Wie spannend kann doch Lokalgeschichte sein“. Grundsätzlich zeigte der Marktrat einhellige Zustimmung, man mache sich aber auch Sorgen um die Finanzierung eines solchen Projektes bei derzeit darlehensfinanziertem Haushalt. „Wir sind uns aber einig, ein Täfelchen zur Erinnerung reicht nicht“, mahnte Leveringhaus. Nach seinen Recherchen solle es etwas Vergleichbares im gesamten Landkreis nicht geben.

Nachdem es schon im Kulturausschuss Zustimmung für die Denkstätte gab, wurde dies nun dem Marktrat zur weiteren Entscheidung vorgelegt, wo nach kurzer Diskussion feststand, dass die Marktgemeinderäte zumindest ideell dahinterstehen. Zu Weinbrenner meinte Leveringhaus anschließend: „Wir wollen in die Tür eintreten, die Sie aufgestoßen haben“, und bat ihn, die Idee weiter zu entwickeln.

Für 2018 wurde allerdings einstimmig beschlossen, keine finanziellen Mittel bereitzustellen und danach neue Entscheidungen herbeizuführen. „Das direkte Wohnumfeld wird in einer Anliegerversammlung über das Vorhaben informiert werden“, kündigte Leveringhaus an.

von Wolfgang Krusche

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