Denkt an die Wäscheleinen!

Was der Rektor bei der Abifeier im Modeon den 99 Absolventen mit auf den Weg gibt

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Die besten Absolventen in Marktoberdorf: Miriam Kautzky (v. li.), Franka Bauer, Julia Burger und Sophia Neth.

Marktoberdorf – Dass sie im Zeitalter der digitalen Revolution beziehungsfähig bleiben und dass ihnen immer wieder die „alten Wäscheleinen begegnen“, das wünschte Direktor Wilhelm Mooser den 99 jungen Frauen und Männern, die am Marktoberdorfer Gymnasium während einer Feier im Modeon verabschiedet wurden. Die verbindende und helfende Wirkung der Wäscheleinen hätten die Absolventen in vielfacher Hinsicht erfahren.

Schulleiter Mooser listete „die Leinen auf“: die der Eltern, der Lehrkräfte, der Musik-, Sport- und Künstlergruppen, des Theaters und der Naturwissenschaften, ja sogar die Leinen der Ehemaligen. Der Direktor verwies in seiner Rede auf den neapolitanischen Filmemacher und Philosophen Luciano de Crescenzo. Der teilte in zwei Gruppen ein: in Menschen der Liebe und Menschen der Freiheit.

Für zwei Menschen der Freiheit und des Kapitals, die sich in Mailand im Aufzug begegnen, werden die wenigen Sekunden ohne Blickkontakt und ohne zu reden zu gefühlt langen und unbehaglichen Minuten. Symbol dafür, dass die Unfähigkeit, Kontakt aufzunehmen, zu den Schattenseiten moderner Zivilisation gehört.

Hingegen hängen in der Altstadt von Neapel, wo nach Crescenzo Menschen der Liebe wohnen, die Wäscheleinen zwischen den Wohnhäusern. Auf denen laufen dann gleichsam die Nachrichten hin und her. Die Menschen dort, die sich kennenlernen müssen, zanken sich; sie versöhnen sich aber auch wieder. Die Schattenseite: Nichts von dem, was in den Häusern geschieht, kann geheim gehalten werden. Keiner ist frei. Aber das Entscheidende: Keiner ist allein.

Miriam Kautzky mit der Note 1,0

In einem großen Netzwerk mit vielen Leinen sind die 99 jungen Frauen und Männer am Markt­oberdorfer Gymnasium zum Abitur geführt worden. Am besten abgeschnitten hat Miriam Kautzky; im eleganten roten Kleid nahm sie auf der Bühne den Preis der Frank-Hirschvogel-Stiftung (1000 Euro) entgegen, den Anita Mauersberger (Schongau) an die Jahrgangsbeste überreichte. Miriam Kautzky möchte sich, wie sie dem Kreisbote sagte, im Fernstudium den Fächern Mathematik und Physik widmen.

Den „Preis für Fleiß“ des Rotary-Clubs Marktoberdorf händigte Dr. Karl Renner aus. Bekommen haben ihn Sophia Neth (Note 1,1), Franka Bauer (Note 1,2) und Julia Burger (ebenfalls 1,2). Renner wünschte den Absolventen „ein glückliches Händchen“ bei der Berufswahl.

„Bekennen Sie Farbe“ – gerade in der jetzigen Zeit“. Dazu ermunterte Vizelandrat und zweiter Bürgermeister Wolfgang Hannig die Abiturienten. Zugleich sollten sie sich der Wurzeln bewusst sein, sprich den Kontakt mit der Heimat halten.

Dr. Manfred Schöps und Arno Jauchmann vom Elternbeirat überreichten die Auszeichnung für besonderes Engagement. Andreas Wachter machte vor großem Auditorium im Modeon Werbung für den Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums.

Der Noten-Schnitt beim Abitur am Gymnasium Marktoberdorf lag heuer bei 2,34. Nachdem Oberstufenkoordinator Christian Würtz und Direktor Mooser die Zeugnisse überreicht hatten, hielt Abiturient Cristobal Barrera Sanchez die Ansprache für die Absolventen. 99 junge Menschen würden „hoffnungsvoll in die Zukunft blicken“ sagte er. Nun heiße es, das „angenehme und sichere Umfeld“ der Schule zu verlassen. Welche Türen geöffnet werden, sei jedem selbst überlassen.

Gute Tradition ist es, dass die Abi-Feier im Modeon (Moderation: Arne Böhler von der Schulleitung) mit mehreren Beiträgen gestaltet wird. Es musizierten die Big Band des Gymnasiums mit Viola Guggemos und David Slawik als Gesangssolisten ebenso wie Jugendliche des Additumkurses Musik. Maximilian Schütz und Christoph Kling setzten noch etwas Fetziges drauf – im außergewöhnlichen Duett für Euphonium und Schlagzeug. Bei der Abiturfeier wurde auch deutlich, welche Wäscheleinen an der Schule in musikalischer Hinsicht aufgespannt werden.

jj

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