"Der Beste möge gewinnen"

Von Wachen umgeben fordert „Fürstabt Wolfgang von Grünenstein“ (2. v. re. ) im Beisein seines „Sekretärs“ (2. v. li.) und des „Günzburger Ammans“ (re.) die Untertanen zum Schießwettkampf auf.

Mit dem traditionellen Historienspiel hat der Markt Obergünzburg das mittlerweile 90. Freischießen eingeläutet. Im Vorfeld hatten die Böllerschützen der „königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft“ (FSG) alle Besucher auf die Vorführung der Historienspielgruppe lautstark eingestimmt.

Nach einer kurzen Einführung in das Jahr 1535 begann die Szene mit dem Auftritt von zwei Bürgern und dem Amman des Marktes, die sich über die bevorstehende Ankunft des Fürstabtes Wolfgang von Grünenstein unterhielten. Aus deren Gespräch wurde deutlich, dass der noch nicht lange im Amt befindliche hohe Herr aus Kempten nichts mit seinem verhassten Vorgänger, Sebastian von Breitenstein, gemein habe. Um die Bauern zur Landesverteidigung zu motivieren und ihre Schießkunst zu fördern, stiftete der Fürstabt einen stattlichen Ehrenpreis in Form von fünf Goldgulden für den besten Schützen. Nach einem spannenden Wettkampf unter lautstarker Anteilnahme der versammelten Bevölkerung konnte schließlich Mathis Schön die Börse mit den Dukaten aus der Hand des Fürsten empfangen. Dadurch wurde ihm die für eine Heirat mit seiner Liebsten Thina Bantelin vorgeschriebene Abgabe an die Obrigkeit möglich. Der Grundstein für das Freischießen war gelegt. Regionale Verbundenheit Bürgermeister Lars Leveringhaus freute sich über die zahlreichen Besucher und sah darin ein „Zeichen der Verbundenheit mit der Region“. Neben Gauschützen- und Bezirksschützenmeister hieß er die Vertretungen der Schützenvereine aus den umliegenden Gemeinden und die anwesenden Schützenkönige willkommen. Der Bürgermeister begrüßte Staatssekretär Franz Pschierer, MdB Stephan Stracke und Alexander Müller als Vertreter des Landrates sowie die Bürgermeister der Umlandgemein- den und bedankte sich bei der Festwirtin Susanne Lolacher mit ihrem Ehemann Jürgen für das umfangreiche Rahmenprogramm im Festzelt. Leveringhaus sah eine gemeinsame Aufgabe aller aktiven Bürgerinnen und Bürger darin, die Tradition des Freischießens in Obergünzburg aufrecht zu erhalten. "Fünfte Jahreszeit" Wolfgang Heinold, in Doppelfunktion als 1. Schützenmeister und Schützenkönig der „Guntia-Schützen“, bedankte sich insbesondere bei der Marktgemeinde Obergünzburg und der Aktienbrauerei Kaufbeuren für die Unterstützung bei der Durch- führung des Freischießens. Er bezeichnete die Wettkampftage als „fünfte Jahreszeit“ und „Publikumsmagnet für Alt und Jung“. In einem Grußwort sagte Franz Pschierer, das Allgäu unterscheide sich von anderen Regionen in Deutschland insbesondere dadurch, dass hier ein lebendiges Vereinsleben prägend sei. „Ich bin stolz auf den Teil der Jugend, der sich in den Vereinen engagiert“, so der Politiker. Die Vereine lieferten „beste Integrationsbeispiele“. Abschließend zogen alle Beteiligten, die Obergünzburger Trachtengruppe und die Zuschauer durch die von der Freiwilligen Feuerwehr abgesperrte Innenstadt in das Festzelt auf der Rösslewiese, wo als letzte Amtshandlung der traditionelle Bieranstich durch das Marktober- haupt mit zwei gekonnten Schlägen erfolgte. Einen Höhepunkt stellte wie alle Jahre der Festumzug am Sonntag mit etwa 1.900 Teilnehmern dar. Unter Beteiligung von etwa 50 Schützenvereinen sowie rund 20 Musikkapellen gehört er zu einem der größten Schützenumzüge im schwäbisch-bayerischen Raum. Mit dabei waren auch die österreichischen Nachbarn und die Bergmanns-Knappenkapelle aus Peißenberg. Das Freischießen endet am kommenden Sonntag mit der Preisverleihung.

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