Der Biber wütet im Kirnachbett

Biberkenner berät Aitrangs Bürgermeister bei Ortsbegehung

Biberkenner Gerhard Nothemann (rechts) berät sich mit Aitrangs Bürgermeister Michael Hailand
+
Biberkenner Gerhard Nothemann (rechts) berät sich mit Aitrangs Bürgermeister Michael Hailand bei einem Ortstermin.

Landkreis – Wenn es nach Brigitte Knestel geht, kann er ruhig verschwinden, der Biber. „Wir haben im Ostallgäu bestimmt viel zu viele Biber, da könnte man doch ein paar weit weg aussiedeln”, schrieb sie als Fazit in ihrer Mail an die Redaktion des Kreisbote. Darin führte sie konkret aus, warum die Biber in ihren Augen Schädlinge sind: „Sie fressen die Seerosen und auch die Schwertlilien. Die Birken und die Fichten werden von den Bibern einfach abgenagt und fallen dann kreuz und quer übereinander.”

In Erster Linie geht es Knestel jedoch nicht um ihr eigenes Waldgrundstück, sondern um das Wohl ihrer Nachbarn. Auf den Nachbargrundstück hat der Biber mit seinen Grabungen den Boden derart unterhöhlt, dass der über achtzigjährige Johann Zeller bereits mehrfach eingebrochen ist, teilweise sogar bis zur Hüfte. Zweimal verletzte er sich schon dabei. Für seinen Sohn Herbert Zeller ein untragbarer Zustand. Ein weiterer Sturz könnte für seinen Vater schwerste Folgen haben. Dazu kommen die Kosten für die Beseitigung der Schäden und die Fällung von Bäumen, denen der Biber buchstäblich den Boden unter den Wurzeln weggegraben hat. Brigitte Knestel kann sich als Forstbewirtschafterin die Biberschäden auf ihrem Grund aus dem bayerischen Fonds zum Ausgleich von Biberschäden ersetzen lassen. Nicht so Familie Zeller, denn ihr kleines Moorwäldchen ist ein Privatgrundstück.

Nach Gesprächen mit dem zuständigen Landratsamt nahm kürzlich Gerhard Nothemann das Grundstück der Zellers in Augenschein. Nothemann ist ehrenamtlich für die Bayerische Naturschutzwacht tätig und kennt sich unter anderem gut mit Bibern aus.

Biber stößt auf Grenzen

Das schwerwiegende Ausmaß in dem der Biber das Areal neben dem Moorweiher unterhöhlt hat, resultiert für ihn daraus, dass der Biber seit längerer Zeit erfolglos versucht, einen Bau für seine Nachkommen anzulegen. Der Biber beginne dabei immer vom Wasser aus, da der Ausgang des Baus zum Schutz für die Nachkommen circa 30 Zentimeter unter der Wasseroberfläche liegen müsse, erklärte Nothemann. Stößt der Biber beim Graben beispielsweise auf das Fundament einer Hütte oder findet er ein für ihn ungeeignetes Gelände vor, stoppt er die Grabung und beginnt eine neue.

Diese zahlreichen Fehlgrabungen sind für Nothemann ein Zeichen dafür, dass das Gelände für den Biber eigentlich ungeeignet ist. Dass der Biber deswegen in absehbarer Zeit aufgeben und sich an einem anderen Ort niederlassen wird, bezweifelt der Naturschützer jedoch. Die unter Artenschutz stehenden Tiere seien mittlerweile so zahlreich geworden, dass es viel zu wenig brauchbare Reviere gebe, erklärte er. Selbst wenn der Biber aufgebe und weiterziehe, werde es nicht lang dauern, und der nächste wäre da. Folglich müsste eine eventuelle Bejagung der Biber flächendeckend und mit Augenmaß stattfinden. Doch dazu müsste zuerst der Schutzstatus des Bibers auf europäischer Ebene aufgehoben werden. Solange das jedoch nicht der Fall sei, so Nothemann weiter, werde es vom Landratsamt aller Wahrscheinlichkeit nach keine Abfanggenehmigung geben.

Das bekräftigte auch Aitrangs Bürgermeister Michael Hailand, der zum Ortstermin ebenfalls erschienen war, weil auch ein angrenzender Gemeindefeldweg von den „Bauarbeiten” des Bibers betroffen ist. Hier hat der Biber begonnen, die Wasserdurchläufe unter dem Wegdamm zu verstopfen.

Reparaturen und Eindämmung als Mittel

Solange der Schutzstatus des Bibers in Kraft ist, erklärte Gerhard Nothemann, könne man nur versuchen, die Schäden gering zu halten, indem man die Löcher und Gänge zu schüttet und die aufgeschichteten Äste beizeiten wegräumt, denn, so Nothemann weiter, ein begonnener Bau oder Damm sei nicht geschützt. Zudem gebe es die Möglichkeit, Estrichgitter und Hasendraht unter dem Erdboden zu verlegen um weitere Grabungen zu verhindern. Doch all diese Maßnahmen sind arbeitsintensiv und teuer. Weder Kommunen noch Privatleute wie Johann Zeller können sich dafür aus dem bayerischen Fonds zum Ausgleich von Biberschäden bedienen.

Am Ende der Begehung zeichnete sich für die Familie Zeller jedoch ein kleiner Hoffnungsschimmer ab: Der kleine Weg, der am Moorweiher vorbei führt, wird nicht nur von der Familie Zeller benutzt, sondern auch von etlichen Spaziergängern und Wanderern, die auf dem Weg das nicht eingezäunte Grundstück hin und wieder durchqueren. Hier sah Nothemann ein „gewisses öffentliches Interesse”, so dass man zumindest darauf hinarbeiten könnte, einen Teil der Materialkosten für die Reparatur des Weges zurückerstattet zu bekommen. Doch verbrieft sei das nicht, sagte Nothemann. Er selbst werde in seinem Protokoll für das Landratsamt alles vermerken, und dann werde man sehen.

Der Biber selbst konnte bei der Begehung übrigens nicht gesichtet werden, da er mit seinen Bauarbeiten immer erst gegen neun Uhr abends beginnt.

Felix Gattinger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Grenzweg Hornach am Bärensee eröffnet
Kaufbeuren
Grenzweg Hornach am Bärensee eröffnet
Grenzweg Hornach am Bärensee eröffnet
Jakob-Brucker-Gymnasium verabschiedet 122 Abiturienten
Kaufbeuren
Jakob-Brucker-Gymnasium verabschiedet 122 Abiturienten
Jakob-Brucker-Gymnasium verabschiedet 122 Abiturienten
Kaufbeurer Corona-Testzentrum jetzt im Gablonzer Haus
Kaufbeuren
Kaufbeurer Corona-Testzentrum jetzt im Gablonzer Haus
Kaufbeurer Corona-Testzentrum jetzt im Gablonzer Haus
Kaufbeuren: Künftig 500 Euro für Kampfhunde
Kaufbeuren
Kaufbeuren: Künftig 500 Euro für Kampfhunde
Kaufbeuren: Künftig 500 Euro für Kampfhunde

Kommentare