1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kaufbeuren

Der Gaudiwurm ist zurück in Marktoberdorf

Erstellt:

Von: Michael Dürr

Kommentare

gaudiwurm marktoberdorf
37.000 Besucher, ganz viele politische Themen und jede Menge Kreativität bei der Umsetzung: Der Gaudiwurm ist nicht zu stoppen und auch kaum zu „toppen“. © Dürr

Marktoberdorf –„So! muss! Fasching!“ „Einfach nur traumhaft!“ „Gigantisch!“ So und so ähnlich urteilten die Narren, die am Faschingssonntag zu mehreren Zehntausend nach Markt­oberdorf gekommen waren. Sie erlebten die 55. Auflage des Gaudiwurms, und was für eine! Der Wind konnte die überschäumende Stimmung auf den Straßen der Innenstadt nicht trüben. Die laut Umzugspräsidentin Claudia Bestler 1.600 Mitwirkenden hatten sich auch mächtig ins Zeug gelegt, sie glänzten mit bunten Kostümen, fetziger Faschingsmusik und phantasievollen Wagen. Aus allen Ecken schallte der Schlachtruf: He du hee!

Weiter geht‘s unterhalb unserer Fotostrecke.

Nachdem sich die riesige Schlange, bestehend aus 78 Gruppen in 52 Zugnummern und angeführt vom namensgebenden Gaudiwurm, mehrere Stunden lang durch Marktoberdorfs Zentrum geschlängelt hatte, war auch Claudia Bestler hochzufrieden: „Es war super schön“, freute sie sich gegenüber dem Kreisboten, „alles ist friedlich geblieben und niemand hat sich verletzt.“

Die Zahl der Besucher beim größten Faschingsumzug in Schwaben – nach Nürnberg und Würzburg gar der drittgrößte in ganz Bayern – schätzte Bestler auf 37.000. Nonstop Futter für die Augen und die Ohren bekamen die Besucher auf dem Rundkurs vom Rathaus über die Tigau-, Meichelbeck- und die Salzstraße, dann über die Eberle-Kögl-Straße, über die Rauh-Kreuzung, die Gschwender-, Bahnhof- und Kemptener Straße zurück zum Rathaus. Mottowagen und Fußgruppen nahmen sowohl lokale als auch überregionale Themen aufs Korn.

Beispiele gefällig? Die Musikkapelle und der TSV aus Bertoldshofen thematisierten den Tunnelbau in ihrem Stadtteil: „Die Tunnelparty war a Schau, no krasser war der Kabelklau.“ He du hee! „Die Bachmuschel muss in den Topf hinein, dann wird der Ette wieder unser sein“, erinnerte derweil das Moosrock–Café an den auslaufenden Badeweiher im Laufe des trockenen Sommers 2022. He du hee! Die Musikkapelle aus dem Stadtteil Geisenried machte ganz ungeniert Werbung fürs „Muuuuhsikfest“, das dort heuer über die Bühne geht. Und das seit nahezu sechs Jahren brach liegende Krankenhausareal nach der verdächtig eilig beschlossenen und im Mai 2017 auch noch peinlich schief gegangenen Sprengung knöpfte sich der Musikverein Rieder vor: „Das Krankenhaus ist explodiert“, hieß es auf seinem Leiterwagen, „seitdem ist nichts mehr passiert.“ He du hee!

Ihr Fett bekam die Markt­oberdorfer Baufirma mit den vielen blauen Lkw von der Dorfgemeinschaft Hattenhofen ab: „Sind dir grüne Wiesen nicht mehr lieb, dann wende dich an Fa. Sch…“ Und: „Wir werfen Schatten auf eure Platten.“ He du hee! Die Stadelmafia Ebenhofen kam mit einem Thema ums Eck, das vornehmlich die Berufsgruppe der Bauern umtreibt: „Der Wolf im Allgäu ist wieder da, das ist uns schon lange klar“, reimten sie auf ihrem Traktorengespann, „die Politik interessiert es nicht, drum sind wir heute alle dicht!“ He du hee!

Ein besonderes Schmankerl hatte beim 55. Gaudiwurm die evangelische Kirchengemeinde mitgebracht. Pfarrer Klaus Dinkel ließ sich live die Haare absäbeln, was auf einer verlorenen Wette basierte. Als vor zwei Jahren eine Spendenaktion für das neue Gemeindezentrum lief, schnitten findige Gemeindemitglieder das Band, das damals den Turm der Johanneskirche zierte, in 130 Einzelteile. Für je 50 Euro sollten sie unters Volk gebracht werden, was der wackere Gottesmann bezweifelte. Sollte er falsch liegen und alle Teile tatsächlich bis Weihnachten versilbert sein, würde er als Büßermönch am Gaudiwurm teilnehmen und sich von seiner Haartracht trennen. „Was tut man nicht alles für Geld“, seufzte er, als Gaudiwurm-Sprecher Arno Jauchmann an der Rauh-Kreuzung den Rasierapparat anwarf. Schnipp schnapp, Haare ab.

Im Anschluss war für die Narren noch längst nicht Schluss mit lustig. Wer wollte (und das waren sehr viele!), ging zu einer der vielen Partys, beispielsweise zum Gaudiwurmball im FSV Festzelt beim Modeon. Auch dort schallte es natürlich aus allen Kehlen: He du hee!

Auch interessant

Kommentare