Entspannt durch den Lockdown

Der Kreisbote zu Besuch bei Aitrangs ehemaligem Bürgermeister Jürgen Schweikart

Aitraangs Bürgermeister a. D. Jürgen Schweikart
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Bürgermeister a. D. Jürgen Schweikart auf der Terrasse seines Hauses mit Blick auf das Sportheim des TSV Aitrang.

Aitrang – Als er seine Amtszeit nach 18 Jahren beendete, befand sich das gesamte Land im ersten Corona-Lockdown. Jürgen Schweikart fühlte sich zu keiner Zeit so, als stürze er nun in ein Loch. Wie viele in dieser Zeit räumte er den Schreibtisch auf, bestellte den Garten und arbeitete Dinge ab, die in den vergangenen Jahren liegen geblieben waren – allerdings aus freien Stücken und nicht pandemiebedingt. Leider fiel nun sein sechzigster Geburtstag ausgerechnet in den zweiten Lockdown, wo größere Feiern verboten sind.

„Ich hätte ihn sehr gerne gefeiert”, bekennt Schweikart. „Deswegen wird das auch nachgeholt.“ Auch ansonsten blickt er positiv in die Zukunft. „Uns auf dem Land geht es in der gegenwärtigen Situation doch vergleichsweise gut”, sagt er und erzählt von seiner erwachsenen Tochter, die in München arbeitet und dort nicht einmal einen Balkon hat. Damit ihr im Home­office nicht zu sehr die Decke auf den Kopf fällt, komme sie immer wieder zu ihren Eltern ins Allgäu um durchzuschnaufen. Er selbst, erzählt Schweikart, könne sich durchaus beschäftigen und mache viel Sport. „Für die älteren Senioren aber, ist es jetzt schon blöd.” Tatsächlich entfallen außer dem Kirchgang derzeit so gut wie alle sozialen Ereignisse: Das Seniorensingen, der Spielenachmittag und natürlich auch die allseits beliebten Seniorenausflüge, bei denen sich der ehemalige Postbeamte Schweikart in den vergangenen Jahren selbst sehr gerne als Organisator und Busfahrer engagiert hat.

Rückblickend auf seine 18-jährige Amtszeit als Bürgermeister erinnert sich Schweikart am liebsten an die rund 90 Trauungen, die er in seiner Funktion als Standesbeamter hatte erleben dürfen. Als ein weiteres Highlight bezeichnete er die Errichtung der großen Bahnunterführung und den damit verbundenen Bürgerentscheid 2015. Aber auch auf die anderen Bauprojekte, die den Wegzug junger Leute aus Aitrang verhindern können, ist Schweikart stolz. Ebenfalls am Herzen lag ihm die Einrichtung des Dorfgemeinschaftshauses.

Den derzeitigen Entwicklungen in Aitrang sieht der ehemalige Bürgermeister positiv entgegen. In der gegenwärtigen Situation sei der Handlungsspielraum der Gemeinde natürlich „Corona-gebremst”, aber durchaus vorhanden. 2020/21 bezeichnete er als „Findungsphase”, in der man Prioritäten setzen müsse, aber eben auch könne. Die derzeit angedachten Projekte seien sinnvoll und lohnenswert.

Sich selbst aktiv in die Politik einbringen möchte Schweikart jedoch nicht mehr. Sobald es möglich ist, möchte er wieder mehr beim Roten Kreuz und der Wasserwacht dabei sein. Aktiv ist er derzeit schon beim sogenannten Rentnerarbeitsdienst, der den örtlichen Bauhof unterstützt. Für alle aktiven Senioren hat er noch einen Tipp parat: „Macht mit beim Beachvolleyball! Es hält fit, macht Spaß, und man fällt vor allem weich.”

von Felix Gattinger

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