"Der vierte Stamm Bayerns"

Auszeichnungen für besondere Verdienste um die Heimatvertriebenen durch den Vorsitzenden des Gablonzer Heimatvereins Dr. Thomas Jahn (links): Franz-Josef Pschierer, Sylwia Pohl, Stefan Bosse (v. l.) Foto: Becker

Auch wenn es beim Treffen vor fünf Jahren noch mehr Besucher waren: Zum zentralen Festakt beim 46. Bundestreffen der Gablonzer und Isergebirgler konnte Dr. Thomas Jahn als Vorsitzender des Gablonzer Heimatkreises und Ausrichter der Veranstaltung wieder zahlreiche Gäste aus nah und fern begrüßen. Sie alle waren der Einladung gerne gefolgt. Gründe zum Feiern gab es nämlich genügend. Und bei den Ehrungen auch überraschte und freudige Gesichter. Die Schirmherrschaft des Treffens hatte der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Franz-Josef Strauß hatte damals die Heimatvertriebenen nach ihrem Zuzug als „vierter Stamm“ Bayerns bezeichnet.

Neben den Stadtspitzen waren Alt-OB Rudolf Krause, MdB Stephan Stracke (CSU) und MdL Bernhard Pohl (FW) anwesend. Besonders herzlich begrüßt wurden Staatssekretär Franz Pschierer (CSU) als Festredner und Generaloberin Regina Winter vom Crescentia-Kloster. Ein besonderer Gruß galt allen Landsleuten und Ortsbetreuern, insbesondere den Gästen aus Enns in Oberösterreich, wo ebenfalls ein Stadtteil „Neu Gablonz“ existiert. Das Treffen wurde dieses Jahr von einer Vielzahl von Jubiläen begleitet (siehe Kasten). Ein Jubiläum hob Dr. Jahn besonders hervor: Die seit 1954 bestehende Patenschaft der Stadt für Gablonz a. d. N. war 1981 auf den gesamten Landkreis erweitert worden. Anhand einer vom damaligen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß unterzeichneten Dankesurkunde für die vorbildliche Partnerschaft der Stadt Kaufbeuren wird dies besonders gewürdigt. Der Vorsitzende wies auf die Bedeutung gerade in der heutigen Zeit hin, wo Gemeinden und Regionen in Deutschland ihre Patenschaften immer häufiger aufkündigen. Brückenbauer Europas Als Vertreter des Schirmherrn hielt Staatssekretär Franz-Josef Pschierer die Festansprache. Durch seine eigene familiäre Betroffenheit brachte er die persönliche Beziehung zu den Vertriebenen zum Ausdruck. „Heimat ist da, wo jemand seinen Lebensfaden festgemacht hat“, so Pschierer in Abwandlung eines Cicero-Zitates. Und den hätten die Vertriebenen seinerzeit in Kaufbeuren neu festgemacht. Bei einem Blick zurück sprach Pschierer von einem „Integrationswunder“ und angesichts der Aufbauleistung von einer „importierten Industrialisierung“. In der heutigen Zeit könne Integration nicht das Zulassen einer Parallelgesellschaft beinhalten, sondern müsse ein klares „Ja zur Mehrheitsgesellschaft mit Kopf und Herz“ sein. Dies ermögliche Anpassung ohne Aufgabe von Traditionen. Die Heimatvertriebenen hätten dies in herausragender Weise praktiziert und der Staatssekretär bezeichnete sie als „Brückenbauer eines geeinten Europas“. Ehrungen für Verdienste Eine besondere Ehrung wurde Sylwia Pohl zuteil. Sie erhielt für ihren unermüdlichen und ehrenamtlichen Einsatz für die Belange von Neugablonz die „Oswald-Wondrak-Medaille“. Dies ist die höchste zu vergebende Auszeichnung des Gablonzer Heimatvereins für besondere Verdienste. Franz Pschierer und Stefan Bosse wurden für außerordentlich treue Verdienste sowie als zuverlässige und hilfsbereite Ansprechpartner mit der Goldenen Ehrennadel des Vereins ausgezeichnet. Die musikalische Umrahmung der Veranstaltung erfolgte durch den Gesangverein Sudetenland e. V. und das Klarinettenquartett der Ludwig-Hahn-Musikschule Kaufbeuren. Zum Abschluss erklang das Heimatlied der Isergebirgler.

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