Kriminalstatistik: Entwicklung im Bereich Marktoberdorf gegen den bayernweiten Trend

Deutlicher Anstieg bei Straftaten

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Inspektionsleiter Helmut Maucher (re.) und Vize Armin Stich: Immer mehr Leute werden Opfer von Betrügern im Internet.

Marktoberdorf – Ein starker Anstieg bei den Straftaten kennzeichnet die Kriminalitätsstatistik 2017 für den Bereich Marktoberdorf. Er fällt deutlicher aus als bei anderen Inspektionen im Bereich Ostallgäu und Kaufbeuren. Die Entwicklung verläuft damit konträr zum bayernweiten Trend, wenngleich der mittlere Landkreis damit nach wie vor markant unter dem landesweiten Schnitt liegt.

Im vergangenen Jahr wurden im Bereich der Polizeiinspektion Marktoberdorf 1100 Straftaten angezeigt, berichteten Dienststellenleiter Helmut Maucher und sein Vize Armin Stich im Pressegespräch. Im Jahr 2016 waren es knapp 900 Straftaten. Die Aufklärungsquote ist leicht zurückgegangen – von 71,5 auf 70,9 Prozent.

Bei den Zahlen ist freilich zu bewerten, dass im Bereich der PI Marktoberdorf das Jahr 2016 ein Ausreißer nach unten war. Denn im Jahr zuvor wurden im mittleren Landkreis 1036 Straftaten verzeichnet. Die zwei Jahre davor waren es jeweils knapp unter tausend.

Die Polizeiinspektion Markt­oberdorf ist im mittleren Landkreis für ein Gebiet von 400 Quadratkilometern zuständig, wo gut 38.000 Einwohner leben. Knapp die Hälfte der Menschen ist in der Kreisstadt Markt­oberdorf zu Hause, der Rest in elf weiteren Gemeinden von Bidingen bis Kraftisried.

Die Inspektion wurde inklusive der Unfälle im vergangenen Jahr zu 3260 Einsätzen gerufen. Das sind knapp neun pro Tag. Bei der Dienststelle Marktoberdorf sind 32 Beamte beschäftigt. Für Helmut Maucher (54) war es das erste Mal, dass er als Chef der PI die Zahlen zu den Straftaten erläuterte. Er hatte erst im September diese Aufgabe übernommen – als Nachfolger von Alfred Immerz (wir berichteten). Stellvertreter Armin Stich (46) ist seit Anfang 2017 bei der Inspektion Marktoberdorf.

Schwerwiegende Fälle

169 Mal mussten sich die Beamten der PI 2017 mit einem Tatbestand der Körperverletzung befassen; bei dieser Zahl ist gegenüber dem Vorjahr ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Davon lagen 32 Fälle im Bereich der gefährlichen und schweren Körperverletzung, bei denen zu einem Messer, zu einer Waffe, zu Pfefferspray oder zu Werkzeugen gegriffen wurde. Viele der Vorfälle ereigneten sich im häuslichen Bereich.

Darunter sind auch zwei extreme Vorfälle, in denen Männer die Familie tyrannisiert hatten. Die zwei erwachsenen Flüchtlinge wurden innerhalb des Regierungsbezirks Schwaben woanders hin verlegt. Positiv bewertete Maucher, dass in der Asylbewerberunterkunft in Marktoberdorf, wo circa 90 meist junge Männer wohnen, kein Wachdienst benötigt werde.

Allgemein sei die Arbeit mit den Asylbewerbern überschaubar. Da könne er von zwei Männern und einer Frau aus Markt­oberdorf berichteten, die immer wieder aneinander geraten und zu denen die Kollegen regelmäßig ausrücken müssten.

Diebstähle wurden letztes Jahr 255 Fälle registriert. Einen deutlichen Rückgang – von 22 auf 14 – gab es bei den Wohnungseinbrüchen. Zudem wurden 58 Fälle von Rauschgift im Bereich der PI Marktoberdorf bearbeitet. Oft stoße man bei Verkehrskontrollen darauf.

Die Sachbeschädigungen nahmen von 137 auf 226 zu. Einer von mehreren Gründen dafür war, dass im Bundestagswahlkampf 2017 die AfD bei jedem beschmierten Plakat Anzeige erstattet habe.

Eine „satte Steigerung“ gab es bei Vermögens- und Fälschungsdelikten. Die Betrugsfälle nahmen deutlich zu – von 93 auf 147. Das hat vor allem mit der Internetkriminalität zu tun, die sich nach Mauchers Prognose weiter ausbreiten wird.

Ein besonderer Fall war 2017 der eines so genannten „Antänzers“, der im ganzen Landkreis und darüber hinaus in Kneipen und sogar auf der Männertoilette 20 Mal Handtaschen und Geldbörsen gestohlen hatte – vorwiegend bei betrunkenen Gästen. Er konnte per Fingerabdruck, den er auf einem Geldbeutel hinterlassen hatte, in Belgien geschnappt werden.

jj

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