Deutliches Votum im Marktoberdorfer Stadtrat für den viergeschossigen Baukörper

Alter Hof weicht Neubau

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Vier Geschosse hat das neue Gebäude, in dem neben der Tiefgarage ein Büro und darüber auf drei Etagen zwölf Wohnungen geplant sind.

Marktoberdorf – Wo der seit 20 Jahren leer stehende alte Sepp-Bauernhof ein tristes Dasein fristet und als Schandfleck in der Stadt bezeichnet wird, soll ein Gebäude mit vier Geschossen errichtet werden, in dem neben der Tiefgarage ein Büro und darüber auf drei Geschossen zwölf Wohnungen geplant sind. Im Marktoberdorfer Stadtrat gab es – nach intensiver Diskussion über Pro und Kontra – doch ein klares Votum dafür.

Für Bauherr Stefan Schmid von der Firma Ambros Bau ist dieses gemeindliche Einvernehmen ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Projektes. Nun ist das Landratsamt Ostallgäu am Zug. Es ist die Genehmigungsbehörde.

Kreisbaumeister Anton Hohenadl war in der Sitzung des Stadtrates als Zuhörer anwesend. Er sagte, nachdem Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell ihm das Wort erteilte, dass die Wandhöhe – und nicht nur die Gebäudehöhe – ein wichtiges Kriterium dafür sei, ob sich das Bauvorhaben in die Umgebung an der Kaufbeurener Straße einfüge.

Für Schmid, der zu dem Vorhaben im Stadtrat zusammen mit dem planenden Architekten Alfred Vogel Fragen aus dem Gremium beantwortete, ist es nach einer Anlage auf dem ehemaligen Polizeigelände (dort waren es 14 Wohnungen) das zweite große Projekt innerhalb weniger Jahre. Er verweist im Gespräch mit dem Kreisbote darauf, dass die Nachbarn Am Kirchberg unterschrieben haben. Das Ja des Stadtrates, sprich das gemeindliche Einvernehmen, bewertet er als „wesentlichen Schritt auf dem Weg zur Baugenehmigung“.

Architekt Vogel und Bauträger Stefan Schmid erklärten ebenso wie eingangs Marion Schmidt vom Bauamt in der Stadtratssitzung, das Gebäude werde im Vergleich zum Bauernhof drei Meter weiter in den Hang gerückt. Dadurch werde neben der Kaufbeurener Straße auch Platz geschaffen für einen Gehsteig oder für einen Radweg. Durch das Zurücksetzen nach Osten wirke der Baukörper im Straßenraum an der Straße für den Betrachter nicht mehr so wuchtig.

Unten ist neben der Tiefgarage – die Zufahrt erfolgt auf der Südseite des Gebäudes – ein Büro mit 120 Quadratmetern vorgesehen. Eine kleine Ladenfläche mache an diesem Platz keinen Sinn, kommentiert Stefan Schmid. Im ersten, zweiten und dritten Stockwerk, die über einen Aufzug erschlossen werden, sollen jeweils vier Wohnungen mit dem gleichen Zuschnitt situiert werden. Zwei sind kleiner und haben 60 Quadratmeter. Die anderen zwei haben 115 Quadratmeter Wohnfläche. Die Einteilung ist bei den großen Einheiten noch variabel.

Pro und Kontra in der Diskussion

Mit der Frage, wie denn das zwei Meter höhere Dach im Vergleich zum bisherigen Bauernhof zu begründen sei, eröffnete Eduard Gapp eine intensive Diskussion. Zur Antwort bekam er von Architekt Vogel und Bauträger Schmid, dass eine solche Ausführung für den Immobilienträger „effektiv“ sei. Der Aufwand in der Baugründung sei an diesem Hanggrundstück enorm (Stichwort Spundwände); dies sei nur durch ein Mehr an Wohnfläche wirtschaftlich darzustellen.

Georg Martin war für das verdichtete Bauen. Ihm gefielen Längen und Breiten – nur die Höhen nicht. Er könne sich gut mit Dachgauben im vierten Stockwerk anfreunden. Dem hielt Architekt Vogel entgegen, dass dadurch Wohnraum eingebüßt werde und Möbel nur schlecht gestellt werden könnten.

Werner Moll sah in dem Bauvorhaben „eine Aufwertung für die Kaufbeurener Straße“. Man bräuchte dringend Wohnungen für junge Leuten. Stefan Elmer bewertete den Komplex gar als „Eyecatcher“. Peter Grotz sah es positiv, dass damit Lücken in der Bebauung geschlossen werden.

Peter Fendt befand, das Bauvorhaben entspreche dem Einfügungsgebot. Außerdem sei ein Investor da, der dort Wohnungen baue. Dafür solle man dankbar sein und die Bedenken hintan stellen.

Carl Singer gab ein Plädoyer für dieses Projekt mit vier Vollgeschossen ab. Es sei dank sechs großer Wohnungen auch familiengerecht, es liege zentrumsnah, und es ersetze ein „Schrottgebäude“. Singer ergänzte den Satz: „Wir können in Schönheit sterben.“ Es dürfe baulich sehr wohl ein städtischer Anspruch zur Geltung kommen. Da würden knapp zwei Meter mehr in der Höhe nicht wehtun. Marktoberdorf solle „kein Kuhdorf bleiben“.

Christoph Knestel gab zu bedenken, man habe auch eine Verantwortung gegenüber den Bewohnern in diesem Quartier. Thorsten Krebs wertete das Projekt als „massiven, wuchtigen Baukörper“. Krebs verwies darauf, dass man mitten in Markt­oberdorf rund um die Frauenkapelle schon früher zu verdichtet gebaut hatte und das Stadtbild darunter leide.

Bürgermeister Hell wollte „Visualisierung“

Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell bekannte, dass er gespalten sei. Er habe Bauchweh, sofort so eine Entscheidung zu treffen, und schlug „aus der Sorgfalt heraus“ eine Visualisierung auf dem Grundstück vor; Eduard Gapp hatte dies schon zuvor in der Diskussion angesprochen. Die Bürger würden dann „bei mir auf dem Schoß sitzen“ und die Frage stellen, ob sich die Stadträte das gut überlegt hätten, fügte Hell hinzu.

Doch eine knappe Mehrheit war gegen eine Visualisierung mit Stangen und Latten vor Ort. Und letztlich wurde das viergeschossige Mehrfamilienhaus im Stadtparlament mit 16 zu acht Stimmen befürwortet.

jj

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