Ausbau der Digitaltechnik und Sozialarbeit

Die aktuellen Entwicklungen im Grund- und Mittelschulbereich

Der Leiter der Schulverwaltung, Rupert Filser.
+
Der Leiter der Schulverwaltung, Rupert Filser, referierte über die neuesten Entwicklungen in seinem Ressort.

Marktoberdorf – „Wir dürfen die digitale Welt auch ohne Pandemie nicht von den Schülern fernhalten”, betonte Jörg Schneider, Schulleiter der Marktoberdorfer Sankt-Martin-Grundschule, der kürzlich zusammen mit seinem Kollegen Stefan Schweidler von der Mittelschule Marktoberdorf zum Pressetermin der städtischen Schulverwaltung ins Modeon gekommen war.

Es sei unabdingbar, die jungen Menschen bereits an der Schule mit den Möglichkeiten aber auch den Gefahren der digitalen Welt vertraut zu machen. Sein Kollege Schweidler fügte hinzu, dass sich gerade bei der Heimbeschulung im ersten Lockdown dieses Jahres gezeigt habe, dass die den neuen Technologien gegenüber durchaus aufgeschlossenen Schüler mit den Endgeräten und der Software noch nicht ausreichend gut umgehen konnten. Grund genug für den Leiter der Schulverwaltung, Rupert Filser, den digitalen Ausbau an den städtischen Schulen weiter voranzutreiben. In seinem Sachvortrag gab er einen Überblick über die letzten Entwicklungen und ihren aktuellen Stand. Der Übergang vom herkömmlichen Klassenraum zum Klassenzimmer mit Lehrer-PC, Dokumentenkamera und Beamer sei bereits flächendeckend vollzogen, berichtete Filser.

Die Anschlüsse dieser Lehrer-PCs über LAN-Kabel ans Internet jedoch seien bisher nur an einigen Schulen verwirklicht worden: an der Marktoberdorfer Mittelschule, der Sankt-Martin-Grundschule, sowie an der Adalbert-Stifter-Grundschule. Für die Grundschule Thalhofen an der Wertach und die Verbandsgrundschulen Leuterschach-Wald sei der Internetanschluss für 2021 geplant, so Filser weiter. Unterstützt würden die Bestrebungen seit 2018 von den sogenannten Digital-Offensiven des Freistaates und des Bundes. Die damit verbundenen öffentlichen Förderungen seien jedoch mit einem sehr hohen Organisations- und Verwaltungsaufwand verbunden, erläuterte Filser. So deckten manche Förderprogramme nur die Anschaffung von Endgeräten ab. Andere wiederum nur die Software. Einige Förderungen seien nur als Start- oder Anschaffungshilfe gedacht, so dass man sich für die laufenden Kosten zur Nutzung der Technologie um weitere Gelder bemühen müsse. Um das alles besser und vor allem schneller zu bewältigen, so Filser weiter, arbeite man in diesen Angelegenheiten seit 2019 mit einem externen Projektbüro zusammen.

Im Zuge der Antragstellungen ist auch die Erstellung individueller Medienkonzepte erforderlich, die auf die einzelnen Schulen zugeschnitten sind und dem technischen Fortschritt laufend angepasst werden sollen. Um die Technik gewinnbringend zu nutzen, müssen auch flächendeckende Lehrerfortbildungen stattfinden. Nach Filsers Ausführungen würden all diese notwendigen Vorgänge von der rasanten Weiterentwicklung der Digitaltechnik buchstäblich „überrollt”. Dies sei besonders bei digitalen Tafelsystemen mit Projektionen auf Touch-Screen-Flächen der Fall.

„Explosionsartige” Entwicklung

Auch die Möglichkeiten des Einsatzes mobiler Schülergeräte hätten sich in der jüngsten Zeit „explosionsartig” entwickelt. Das habe es mit sich gebracht, dass für die gleichzeitige Nutzung zahlreicher Schüler-Tablets im Unterricht ein leistungsstarker WLAN-Ausbau, sowie ein Anschluss der Schulen an das schnelle Glasfasernetz unverzichtbar werde. In der Sankt-Martin-Grundschule sei der WLAN-Ausbau bereits erfolgt, bei allen anderen Schulen für 2021 in Planung. Filser sprach in diesem Zusammenhang von einer Herkulesaufgabe und sagte: „Es wird sehr viel Neues in den nächsten zwei Jahren geben”, denn die Technik schreite weiter voran, und damit auch die Möglichkeiten ihrer Verwendung.

Die beiden anwesenden Schulleiter Stefan Schweidler und Jörg Schneider äußerten sich zufrieden mit dem Fortgang der aktuellen Entwicklungen und lobten die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, unter anderem mit dem städtischen Gebäude- und Energiemanager Richard Siegert, mit dem sie die angedachten Neuanschaffungen sogar im Voraus testen konnten.

Mehr Schulsozialarbeit und neues Nachhilfeprojekt

Im weiteren Verlauf seiner Präsentation kam Schulverwaltungsleiter Filser auf die Neuerungen bei der Schulsozialarbeit zu sprechen. Gemäß einem Beschluss im Zuge der Haushaltsberatungen 2020 werde man zu Beginn des neuen Jahres die Sozialarbeit an den Marktoberdorfer Grundschulen um eine 25-prozentige Stelle aufstocken, berichtete Filser. Davor habe es für die vier Grundschulen nur eine Stelle gegeben. Laut Filser bewegen sich die Ausgaben, die pro Jahr für die Sozialarbeit an den Grundschulen anfallen, zwischen fünfzig- und sechzigtausend Euro.

Begründet sieht der beim Pressetermin ebenfalls anwesende Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell die Aufstockung in den, wie er es ausdrückte, „sozialen Entwicklungen, die auch vor einer Kleinstadt nicht Halt machen.” Die gestiegene Migration und die dadurch nötigen Hilfestellungen seien nur einer von vielen Punkten. Entscheidend sei vor allem das zunehmende Auseinanderklaffen von reichen und ärmeren Bevölkerungsgruppen und die damit verbundene Schere zwischen bildungsnahen und bildungsferneren Schichten an ein und derselben Schule. Schulleiter Schneider pflichtete ihm in diesem Punkt bei und unterstrich die Wichtigkeit konkreter Hilfe bei Einzelproblematiken wie Scheidungen, Gewalt in der Familie und Fluchtraumata einerseits, und andererseits die Notwendigkeit der Präventionsarbeit, bei der die Schüler neue Strategien und Verhaltensschemata kennenlernen, die sie in schwierigen Situationen anwenden können.

Gegen Ende seines Vortrags stellte Filser noch ein neues Nachhilfeprojekt an Grundschulen vor, das für die nächsten drei Jahre vom gemeinnützigen Verein „Kinderbrücke Allgäu e. V.” finanziert wird und das Ende September nächsten Jahres beginnen soll. Profitieren werden davon die beiden Grundschulen Leuterschach-Wald mit je zwei Wochenstunden, die Sankt-Martin-Grundschule mit vier Wochenstunden, und die Adalbert-Stifter-Grundschule sowie die Grundschule Thalhofen mit je drei Wochenstunden.

Felix Gattinger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brand auf Covid-Station im Klinikum Kaufbeuren
Brand auf Covid-Station im Klinikum Kaufbeuren
Kaufbeuren: Früheres Färberhaus soll für Wohnungen nutzbar werden
Kaufbeuren: Früheres Färberhaus soll für Wohnungen nutzbar werden
Kaufbeuren: Junge Männer verstoßen mehrfach gegen Corona-Regeln
Kaufbeuren: Junge Männer verstoßen mehrfach gegen Corona-Regeln
20-Jähriger schwer verletzt – Handgreifliche Auseinandersetzung in Kaufbeuren
20-Jähriger schwer verletzt – Handgreifliche Auseinandersetzung in Kaufbeuren

Kommentare