Digitaloffensive auf dem Land

Die Gemeinde Aitrang bereitet sich auf die zweite Phase beim Breitbandausbau vor

Aitrang
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Der Ortskern von Aitrang: Hier ist das „schnelle Internet” bereits technisch möglich..

Aitrang – Kürzlich informierte sich der Aitranger Gemeinderat über den aktuellen Stand beim Ausbau der Internetversorgung. Eingeladen hatte Aitrangs erster Bürgermeister Michael Hailand zu diesem Zweck Jürgen Schuster von der Firma Corwese, einem Beratungsunternehmen für Kommunen und Gemeinden. In einem Sachvortrag gab Schuster Auskunft über die verschiedenen Bauabschnitte, die weitere Vorgehensweise, sowie über die aktuelle Förderkulisse zu diesen Maßnahmen.

Als Vorredner jedoch rief Bürgermeister Hailand den Anwesenden in Erinnerung, dass man sich vor fünf Jahren aus Kostengründen dafür entschieden hatte, die Breitbanderschließung lediglich für das Kerngebiet von Aitrang, für Huttenwang, Münzenried und Umwangs vorzunehmen. Erst eine Unterschriftensammlung im Jahr 2016 habe dazu geführt, dass die Breitband­erschließung in der Folge auch für die restlichen Ortsteile beschlossen worden sei. In einem ersten Bauabschnitt waren bis Ende November 2020 insgesamt 224 Gebäude mit mindestens 50 Mbit/s (Megabits pro Sekunde) Download und 278 Gebäude mit mindestens 30 Mbit/s Download über Glasfaser und eine Endleitung aus Kupfer angeschlossen worden.

In diesem Bauabschnitt habe ein kommunaler Eigenanteil von circa 45.000 Euro einer Förderungssumme des Freistaates über rund 180.000 Euro gegenübergestanden, berichtete Hailand. Im Jahr 2019, so Hailand weiter, habe der Gemeinderat beschlossen bis zum Jahr 2023 weitere 125 Haushalte an die Breitbandversorgung anzuschließen. Damit verbunden seien die Verlegung von insgesamt 55 Kilometern Glasfaserleitung inklusive der dazugehörigen Kabelschutzrohre. Technisch soll die Maßnahme Datenübertragungsgeschwindigkeiten von einem Gigabit pro Sekunde und mehr möglich machen. Die Finanzierung der circa zwei Millionen Euro Gesamtkosten verteilt sich auf eine Förderung vom Freistaat Bayern in Höhe von anderthalb Millionen Euro und einen Infrakredit bei der LfA Förderbank Bayern von knapp 500.000 Euro.

In seinem Sachvortrag beschrieb Schuster zunächst die Vorteile der Glasfaserkabel gegenüber den Kupferleitungen. Je länger so eine Kupferleitung sei, desto schlechter würden ihre Übertragungsraten ausfallen. Er erklärte, dass bereits bei einer Leitungslänge von 400 bis 800 Metern keine Übertragung von mehr als 30 Mbit/s möglich sei. Die relativ hohen Kosten für die Verlegung von Glasfaserkabeln im Außenbereich sei gut investiert, so Schuster weiter, denn die verlegten Fasern selbst erlaubten von ihrer technischen Beschaffenheit her Übertragungsraten, die in den Terabit-Bereich gehen, eine Größenordnung, von der man derzeit im privaten wie im gewerblichen Bereich weit entfernt sei.

Wie lange wird der Ausbau dauern?

Die erforderlichen Arbeiten werden von der Deutschen Telekom ausgeführt werden, die im Ausschreibungsverfahren als einziger Bewerber angetreten war. Die Telekom muss die Maßnahme laut Vereinbarung bis Ende 2023 vollendet haben. Auf eine Frage aus dem Gemeinderat, wie man eventuellen Verzögerungen bei der Ausführung begegnen solle, dämpfte Schuster die Erwartungen. Man könne im Grunde nur immer wieder dringlich nachfragen und bei gegebenenfalls starken Verzögerungen seitens der Telekom Vorschläge machen, wie man beispielsweise außerplanmäßig zeitnahe Verbesserungen für derzeit besonders schlecht angebundene Haushalte erreichen könnte, zum Beispiel durch das Vorziehen beziehungsweise Zurückstellen bestimmter Teilmaßnahmen im Bauabschnitt. „In der Vergangenheit hat es tatsächlich immer wieder Verzögerungen gegeben”, sagte Schuster. „Als Gemeinde kann man da im Prinzip nichts groß beschleunigen. Die sitzen am längeren Hebel.” Einen Wegfall der Förderung müsse man jedoch nicht befürchten, betonte er, denn die Bewilligungszeiträume der Förderungen könne man bei den Trägern verlängern lassen. Dies sei auch in der Vergangenheit so geschehen.

Masterplan für die Gemeindebaumaßnahmen

Da es in Gemeinden aufgrund von Reparatur- und Sanierungsbedarf häufig zu Straßenbauarbeiten kommt, hat die Firma Corwese für Aitrang einen sogenannten Masterplan erstellt, aus dem man ersehen kann, wo man bei ohnehin anfallenden Grabungsarbeiten gleich Leerrohre für die zukünftigen Glasfaserkabel im Voraus verlegen könnte. So könne man Kosten sparen und gleichzeitig den Ausbau dezentral vorantreiben, erklärte Schuster. In diesem Zusammenhang gab er auch einen Hinweis an die private Bevölkerung. Wer beispielsweise in naher Zukunft die Einfahrt neu pflastern möchte, sollte sich überlegen, ob er oder sie bei der Maßnahme auf dem eigenen Grundstück ebenfalls ein Leerrohr mitverlegen möchte. So müsse später beim Anschluss durch die Telekom nicht noch einmal extra ausgegraben werden. Damit man sicherheitshalber von zwei Seiten andocken könne, so Schuster weiter, wären im Prinzip zwei Sieben-Millimeter-Leerrohre mit einem 32er Schutzrohr als Ummantelung ausreichend. Auf Anfrage aus dem Gremium, ob der Glasfaseranschluss auch oberirdisch verlegt werden könnte, wenn am Haus eine vorhandene Struktur bereits vorhanden wäre, antwortete Schuster, das sei prinzipiell möglich. Allerdings müsse hier im Einzelfall überprüft werden, ob die bestehende Struktur sich auch dafür eigne.

Im Normalfall, erklärte Schuster, verlege die Telekom die Anschlüsse vertragsgemäß in die jeweiligen Gebäude hinein, ohne dass den Bewohnern Kosten dafür entstünden. Niemand werde jedoch zu dem Anschluss gezwungen. Widerspricht jemand dem Anschluss auf dem postalisch zugestellten Auftragsformular, endet die Verlegung an der Grundstücksgrenze.

Felix Gattinger

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