Die Musikvereinigung Neugablonz

„Trotzphase“ Kaufbeuren – Trommelwirbler

Trotzphase Kaufbeuren Musik Neugablonz
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Vor dem Gablonzer Haus präsentieren MVN-Vorstand und Chronik-Autor Günther „Güschi“ Seydel (links) und MVN-Dirigent Peter Vogt das Zertifikat für das erfolgreiche Crowdfunding und die zweisprachige Chronik.

Kaufbeuren – Örtliche Kulturakteure, die den Einschränkungen der Corona-Pandemie besonders kreativ und engagiert begegnet sind, werden in diesem Sommer mit der Aktion „Trotzphase“ vom Kulturausschuss der Stadt durch ein umfangreiches Medienpaket ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Der Kreisbote begleitet das Projekt mit einer Artikelserie und präsentiert jeden Mittwoch eine der phantasievoll benannten Trotzphasen-Kategorien. Im elften Teil der Serie stellen wir Ihnen die „Trommelwirbler“ vor: die Musikvereinigung Neugablonz (MVN).

So komisch es klingt – die Lockdowns haben sie vorangetrieben: Die MVN-Chronik einer musikalischen Völkerverständigung. „Ohne Corona-Lockdown wäre ich wohl nicht so schnell so weit gekommen“, stellte Günther Seydel bei der Buchpräsentation am 3. März 2021 fest (wir berichteten). „Da ich viele Wochen zu Hause angebunden war, konnte ich reichlich Zeit und Schreibtischarbeit für die Chronik aufbringen.“ Die deutsch-tschechische Chronik dokumentiert 30 Jahre Freundschaft zwischen der Musikvereinigung Neugablonz und Mlada Dechovka Jablonec.

Die musikalische Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen den beiden Blaskapellen hatte bereits 1989 mit einem Besuch in Gablonz a. N. begonnen, als so etwas noch nicht selbstverständlich war und es auf beiden Seiten viele Vorbehalte und Hindernisse gab. Kaufbeurens Städtepartnerschaft mit Gablonz folgte erst 20 Jahre später.

Die Erstellung der Chronik war eine „schwere Geburt“ – von der Idee bis zum fertigen Buch dauerte es rund sechs Jahre. Die Recherchen gestalteten sich schwierig und zeitaufwändig, da zwischen 1990 und 2011 große Lücken in der Vereinsdokumentation bestanden und die Daten mühsam nachträglich rekonstruiert werden mussten.

Erfolgreiche Finanzierung

2018 beschloss die MVN offiziell die Erstellung der Chronik und stellte einen Etat von etwa 2000 Euro bereit. Dazu kam ein erfolgreiches Crowdfunding mit der VR Bank Augsburg-Ostallgäu, so dass zusammen mit dem Vereins-Etat, weiteren Spenden und der Unterstützung durch die Stadt schließlich rund 7000 Euro zur Verfügung standen. Damit konnte eine zweisprachige Chronik mit über 100 Seiten realisiert werden. Seydels gute Verbindungen nach Gablonz a.N. machten eine professionelle und gleichzeitig bezahlbare Übersetzung durch das Ehepaar Hanna und Libor Behul möglich. Der Kaufbeurer Pascal Hübner mit seiner Firma Impredia kam ihm beim Layout entgegen, und von der Firma Holzmann-Druck in Bad Wörishofen mit Chef Tobi Schneider und Vertriebler Andi Kopf (beides Seydels Kollegen aus der Vorstandschaft des Handball-Fördervereins), bekam er ein sehr gutes Angebot für den Druck. So war das Ganze ein regionales Projekt. Die Chronik ist – gegen eine Spende – derzeit über Günther Seydel erhältlich.

Wie geht es weiter?

Leider sind alle Veranstaltungen, in denen der MVN in diesem Jahr hätte auftreten sollen, wie beispielsweise sein Frühjahrskonzert, Tänzelfest mit Besuch von Mlada Dechovka und die 75-Jahr-Feier Neugablonz, abgesagt oder verschoben worden. Lediglich ein Ständchen zum 100. Geburtstag von Lisl Vietze fand statt. Damit seine Musiker nicht völlig aus der Übung kommen, hatte MVN-Dirigent Peter Vogt im Frühjahr ein universell für alle geeignetes 20-Tage-Programm ausgearbeitet. Denn selbst nach der Aufhebung des Lockdowns hätten die Musiker nicht ohne mindestens ein- bis zweimonatige Proben wieder anfangen können. Konsequent durchgeführt hat ihnen dieses Programm nun den Wiedereinstieg im Juni erleichtert.

Probenstart hörbar erfolgreich

Der Erfolg war hörbar: „Trotz der langen Pause klang die erste Probe besser als befürchtet“, kommentierte Güschi Seydel. Schade, dass sich das „20-Tage-Programm“ für die Trotzphasen-Kandidatur noch im Planungsstatus befand und daher unberücksichtigt blieb. Mittlerweile wurde dieses Projekt aber sogar vom Bundesmusikverband Chor & Orchester (BMCO), dem Dachverband der Amateurmusik, für das Förderprogramm „Neustart Kultur“ ausgewählt und hat als einer von zehn Anwärtern in Bayern einen Förderzuschlag erhalten. Der Probenbetrieb wird also erfolgreich fortgesetzt. Auf das nächste Konzert müssen MVN-Fans aber wohl noch bis 2022 warten.

Information gibt es unter www.musik-neugablonz.de oder per E-Mail an guenther.seydel@musik-neugablonz.de.

Ingrid Zasche

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