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Die Polizei ist permanent mit Betrugsdelikten und Cybercrime konfrontiert

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Von: Selma Höfer

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Internetbetrug, Mann am PC
Bei der Kripo Kaufbeuren häufen sich Betrugsfälle per Telefon und Cybercrime-Delikte. © Symbolfoto: Panthermedia/igor010

Kaufbeuren/Landkreis – Betrugsdelikte und Cybercrime-Fälle beschäftigen die Kriminalpolizei zunehmend. Um auf das aufmerksam zu machen, was „beinahe täglich“ bei den Ermittlern auf dem Tisch landet, trug Kripo-Chef Andreas Buchmiller einige bedeutsame Fallbeispiele zusammen und sprach darüber mit dem Kreisbote. „Diese Fälle halten die gesamte Polizei auf Trab“, betont er. Zwar erkennen Geschädigte immer wieder einen Betrugsversuch und können so Schaden abwenden. Ein Senior aus Kaufbeuren allerdings wurde diese Woche um mehr als 20.000 Euro gebracht.

20.000 Euro Beute

Am späten Dienstagnachmittag vergangener Woche erschien ein 68-jähriger Mann bei der Polizei Kaufbeuren, um einen Betrug anzuzeigen. Am gleichen Tag hatte der Senior einen Anruf von einem „Herr Weiss“erhalten, der sich als Mitarbeiter einer Bank vorstellte. Bei der angezeigten Rufnummer handelte es sich tatsächlich um die Servicenummer der Bank. Sie wurde vom Täter gespooft, also simuliert, erklärte Buchmiller. Der Anrufer gaukelte dem Senior vor, dass sein Konto Unregelmäßigkeiten aufweise und aktuell drei Echtzeitüberweisungen blockiert werden müssten. Um diese Überweisungen verhindern zu können, sollte der 68-Jährige die vermeintliche Stornierung autorisieren. Dem kam der „gutgläubige Geschädigte“ auch nach. Dabei wurden allerdings drei Echtzeit­überweisungen in Höhe von mehr als 20.000 Euro freigegeben. „Das Geld ist verloren. Die Bank konnte leider nichts mehr machen“, brachte Buchmiller in Erfahrung. Sieben weitere Überweisungsversuche mit einem Gesamtvolumen von knapp 60.000 Euro konnten jedoch noch gestoppt werden.

Sextorsion

Über ein soziales Netzwerk wurde in Kaufbeuren ein 20-jähriger Mann von einer Frau angeschrieben, die Interesse an seiner Person bekundete. Sie konnte ihn zu einem Videocall überreden. In diesem „Gespräch“ forderte sie den jungen Mann auf, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen. Dem kam er auch nach. Kurze Zeit später bekam der 22-Jährige die Nachricht, dass ein anstößiges Video seiner Handlungen vorliege. Gegen die Zahlung von 500 Euro könne er verhindern, dass das kompromittierende Filmchen veröffentlicht werde.

Der Geschädigte realisierte jedoch, dass er Opfer eines Erpressungsfalles mit Sexvideos geworden war, der sogenannten Sextorsion. Er zahlte nicht, erstattete hingegen Anzeige bei der Polizei.

Diese Form der Erpressung sei sehr präsent, sagte Buchmiller: „Die Sextorsion haben wir fast permanent.“ Dabei gehe die Polizei davon aus, dass viele der Geschädigten zahlen und die Tat nicht zur Anzeige bringen. „Aus Scham“, davon geht der Kripo-Chef aus. „Die Dunkelziffer wird dementsprechend hoch sein.“

Im Präsidium Schwaben Süd/West wurden vergangenes Jahr insgesamt 231 Fälle gemeldet, bei denen in 28 für die Betrüger erfolgreichen Fällen ein Schaden von über 67.000 Euro entstanden ist. Ende Juni 2022 verzeichneten die Beamten bereits 162 Anzeigen für das laufende Jahr. Im Landkreis Ostallgäu wurden 2021 insgesamt 45 Fälle gemeldet. Heuer (Stand: 6. Juli) bereits 26.

Falscher Bankmitarbeiter

Im Verlauf der vergangenen Woche erhielt eine 51-jährige Frau aus Mauerstetten einen Anruf eines vermeintlichen Mitarbeiters ihrer Hausbank. Der Anrufer, der sich als „Herr Maier“ vorstellte und unter der realen Nummer der Bank anrief, versuchte der Frau die TAN zu entlocken. Der Anrufer konnte laut Polizei die letzten Geldein- und -ausgänge auf dem Konto der Frau auf den Cent genau angeben. Dieses Wissen über Kontobewegungen und der Umstand, dass der Bankmitarbeiter nach der TAN fragte, machte die Frau allerdings misstrauisch. Sofort beendete sie das Gespräch. So kam sie möglichen, unberechtigten Geldabbuchungen zuvor.

Kreditkartenbetrug

Als eine 48-jährige Mauerstettenerin vor Kurzem ihre Kreditkartenabrechnung in Händen hielt, traute sie ihren Augen nicht. In den vergangenen Monaten wurden knapp 700 unberechtigte Abbuchungen getätigt. Es waren „Einkäufe“ im Gesamtwert von mehreren tausend Euro damit getätigt worden. Die Daten der Kreditkarte, die bei verschiedenen Firmen hinterlegt war, dürften vom bislang unbekannten Täter ausgespäht und für alle Transaktionen missbräuchlich verwendet worden sein.

Durch die sofortige Sperrung der Karte und mit Hilfe der Banken gelang es der Frau, immerhin einen Großteil des widerrechtlich abgebuchten Geldbetrages zurückzuerhalten.

Überweisung gefälscht

Nicht schlecht staunte ein 66-jähriger Mann aus Kaufbeuren, als ihm von seiner Bank mitgeteilt wurde, dass mit einer gefälschten Überweisung versucht worden war, Geld von seinem Konto auf ein irisches Bankkonto zu transferieren.

Bei der Durchsicht der Überweisungsträger fiel einem aufmerksamen Bankmitarbeiter auf, dass die Unterschrift auf dem Papier nicht vom tatsächlichen Inhaber des Kontos stammte. Letztlich konnte der Geldtransfer verhindert und ein Vermögensschaden von einigen hundert Euro verhindert werden. Dem 66-Jährigen ist nicht bekannt, wie der oder die Täter an seine Bank-, beziehungsweise Kontodaten gelangen konnten.

Wie kann ich mich schützen?

Wie man sich schützen kann? Ein Patentrezept gebe es nicht, sagte Buchmiller. Skeptisch bleiben und Vorsicht walten lassen – auch wenn einem das unhöflich erscheint. Sollte jemand anrufen, müsse man auch einmal strenger reagieren. „Sagen Sie, dass sie die Angelegenheit erst klären möchten. Die Anrufer sind geschult, lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.“ Die Polizei frage niemals nach Geld und rufe auch nicht unter der Nummer 110 an.

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