Neues bei Wundbehandlung

Die so genannte Plasmatherapie wird bereits erfolgreich eingesetzt

Kaltplasmatherapie Wundbehandlung
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Mittlerweile in der Standartwundbehandlung angekommen: die Kaltplasmatherapie, welche auch am Klinikum Kaufbeuren eingesetzt wird.

Kaufbeuren – In Deutschland kämpfen gut fünf Millionen Menschen mit ihrer Wunderkrankung. Eine neuartige Methode erleichtert nun die Therapie von chronischen und akuten Wunden und wird im Klinikum Kaufbeuren bereits erfolgreich eingesetzt.

„Wir haben uns von Beginn an für die neue Plasmatherapie interessiert und das Gerät bereits vor einiger Zeit erfolgreich getestet. Diese neue Therapie hat sich nun in der Wund- und Infektbehandlung etabliert, so dass wir seit Ende 2020 regelmäßig damit therapieren. Es ist eine Innovation in der Behandlung von Wunden und bietet den Patienten neue Möglichkeiten“, erklärt Dr. Michaela Knestele, Chefärztin des Wundzentrums am Klinikum Kaufbeuren.

Doch was genau ist eine Plasmatherapie und wie läuft diese ab? „Es hat nichts mit Blutplasma zu tun, sondern vielmehr mit physikalischen Plasma. Das Ganze sieht etwas futuristisch aus, denn ein kleiner, blauer Strahl wird mithilfe eines Stifts über das entzündete Gewebe geführt. Bei diesem Prozess werden Mikroorganismen abgetötet und zugleich die Heilung gefördert“, so Knestele. Plasma wird auch als vierter Aggregatszustand bezeichnet und lässt sich gut am Beispiel von Wasser erklären: Wasser ist als Eis fest. Führt man dann Energie in Form von Wärme hinzu, wird es flüssig und schließlich gasförmig. Fügt man dann weiter Energie zu, entsteht Plasma, wobei sich die Ionen und Elektronen frei umher bewegen und aufeinander einwirken. Es ist somit ein ionisiertes Gas und ein elektrisch leitendes Medium welches besondere Eigenschaften besitzt.

Eine Eigenschaft ist die Abtötung von Bakterien, Viren und Pilzen innerhalb von nur wenigen Minuten, weshalb diese Methode gerne bei stark infizierten Wunden verwendet wird. Dort entziehen sich die Keime in der Regel der gängigen Antibiotikatherapie. „In einigen extremen Fällen, kann man das Gewebe oft nur noch entfernen und manchmal muss sogar auch amputiert werden“, so die Spezialistin. Doch neben der deutlichen Bakterienreduktion gibt es noch weitere Vorteile der Kaltplasmatherapie. Die Sauerstoffversorgung und Gewebedurchblutung in der Haut wird deutlich verbessert, was wiederum das Zellwachstum anregt. So bildet sich das natürliche Granulationsgewebe, ein im Rahmen der Wundheilung vorübergehend entstandenes und wichtiges Gewebe, schneller und effektiver nach.

Der Patient erlebt diese neue Behandlung in der Regel schmerzfrei und komplikationslos. Das Kaltplasma ist nur 30 Grad und kann berührungslos mehrmals pro Woche angewendet werden. Nebenwirkungen zu dieser Behandlung sind bisher nicht bekannt. Bereits nach fünf bis sieben Anwendungen lässt sich durch einen Abstrich eindeutig nachweisen, dass die Keime reduziert bzw. zum Teil ganz verschwunden sind.

Die neue Methode wird vor allem bei Patienten mit chronischen Wunden angewendet, also bei Hautdefekten, die trotz entsprechender Behandlung nicht innerhalb von sechs Wochen abheilen. Zu 80% handelt es sich hierbei um venöse Wunden am Unterschenkel oder diabetische Füße, es können jedoch auch offene Amputationen betroffen sein, die nicht abheilen. „Problematisch ist, dass die Patienten zuvor bereits Monate, teils Jahre mit ihren Wunden zu kämpfen hatten. Neben den körperlichen Beeinträchtigungen erleben sie auch Einschränkungen der Selbstständigkeit und des sozialen Lebens. Für viele Betroffene stellt dies einen erheblichen Verlust ihrer Lebensqualität dar. Der Effekt, welcher durch die Plasmatherapie erreicht werden kann, ist deutlich besser und selbst schlecht heilende, chronische Wunden oder Infektionen mit multiresistenten Keimen lassen sich mit der Therapie erfolgreich behandeln“, so die Chefärztin.

Das Plasmatherapie-Gerät ist am Klinikum Kaufbeuren mittlerweile tagtäglich im Einsatz, bildet jedoch nur einen Baustein in der gesamten Therapie. Entscheidend bei jeder chronischen Wunde ist letztendlich, im Rahmen der Diagnostik die Ursache herauszufinden. „Zuerst muss die Gesamtsituation des Patienten verbessert und die Wundursache gefunden werden“, erklärt Dr. Knestele, „Dabei stehen unserem Team zahlreiche Untersuchungen, Diagnosemethoden und für die Patienten individuelle Therapien zur Verfügung. Die Plasmatherapie ist eine Bereicherung für uns und unserer Patienten.“

Weitere Informationen zu Wunden und den dazugehörigen Therapiemöglichkeiten finden Sie auf www.wundzentrum-kaufbeuren.de.

kb

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