1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kaufbeuren

Die Stadt Buchloe will Treibhausgase und Energieverbrauch deutlich senken

Erstellt:

Von: Stefan Raab

Kommentare

Stadtratssitzung im Buchloer Rathaus 2023
Nach drei Jahren Corona-Pandemie konnte Bürgermeister Pöschl den Stadtrat im Buchloer Rathaus wieder zu einer Stadtratssitzung zusammenrufen. © Raab

Buchloe – Nach drei Jahren war es wieder soweit: Bürgermeister Pöschl konnte mit dem Ende der Corona-Pandemie den Stadtrat im Buchloer Rathaus begrüßen. Aber keine Zeit für Smalltalk, keine Zeit zum Verweilen, hieß das Motto. Sofort ging es an die Arbeit in dem mit heller Stuckdecke, Kronleuchter und dunkler Hauptwand ausgestatteten heimeligen Sitzungssaal. Der Rathauschef stellte ein neues energiepolitisches Arbeitsprogramm vor, das Buchloe in Sachen Energieverbrauch und Klimastrategie fit für die Zukunft machen soll. Bis Ende Juli 2024 sollen etliche Maßnahmen umgesetzt werden, um sich erfolgreich einem Audit des Zertifizierungsprogramms „European Energy Award“ (eea) zu stellen.

Das hat seinen Grund: Die Bundesregierung hat mit einem geänderten Klimaschutzgesetz festgelegt, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral sein soll und Kohlendioxidemissionen bis 2030 um 65 Prozent sinken müssen. Auswirkungen auf die Energiewirtschaft, die Industrie, den Verkehr, den Gebäudebereich und die Landwirtschaft sind damit unausweichlich. Die neuen Anforderungen zur Verringerung der Treibhausgase kämen für die Stadt Buchloe nicht überraschend, erklärte Robert Pöschl. Seit 2020 betreibe die Stadt nach seinen Worten ein „nachhaltiges Energiemanagement“. Beispielsweise bei 15 Gebäuden, die im Besitz der Stadt seien. Ein Energieteam der Stadt Buchloe habe einen Bericht zur Energie- und Treibhausgasbilanz vorgelegt und damit ein objektives Verfahren zur Messung der ausgestoßenen Emissionen geschaffen. Des Weiteren erhielten die Hausmeister der Stadt Anlagen- und Energieschulungen und der kommunale Fuhrpark sei auf Elektromobibilität umgestellt worden, führte der Erste Bürgermeister aus. Als direktes Ergebnis der Bemühungen um Energieminderung gelte die Strompreiseinsparung von 22 Prozent bei den Kläranlagen, so Pöschl weiter.

Allerdings steht die Stadt Buchloe nach einer ersten Ist-Analyse, die zusammen mit dem Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza) aus Kempten erstellt wurde, noch vor einigen Herausforderungen, um sich klimaneutral zu nennen. Klimaberater Stefan Bonaldo-Kraft erklärte, dass der Energieverbrauch insgesamt zu hoch sei, was ein neuerlicher jährlicher Anstieg um 1,7 Prozent belegen würde. Der eza-Mitarbeiter machte dafür hauptsächlich die Industrie verantwortlich. Bezüglich der Wärmeversorgung ergibt sich folgendes Bild: Fossile Energieträger dominieren mit 84 Prozent, während ihnen erneuerbare Energien mit 16 Prozent gegenüberstünden, erklärte Bonaldo-Kraft. Zudem seien die Treibhausgasemissionen zu hoch, die sich auf die Wirtschaft (44 Prozent), Mobilität (35 Prozent) und die Privathaushalte (20 Prozent) verteilten. Für Bürgermeister Pöschl sei klar, dass nun schnelle Umsetzungen gefragt seien. Das beträfe sowohl private Haushalte als auch Unternehmen. Jeder Bürger in Buchloe sei aufgerufen, zur Verminderung der Treibhausgase und des Energieverbrauchs beizutragen. Die Stadt habe beispielsweise seit 2013 mit der Umstellung auf eine LED-Straßenbeleuchtung bis zu 70 Prozent an Energie eingespart. Im Bereich der Mobilität werde daran gedacht, mehr Tempo 30-Zonen, ein Rad- und Fußwegenetz sowie E-Ladestationen zu installieren.

Rudolf Grieb (UBI) zeigte sich gegenüber dem anvisierten Energie- und Klimaprogramm durchaus aufgeschlossen, allerdings bemängelte der Stadtrat die fehlende Transparenz bei deren Vorbereitung: „Das Energieteam hat wie ein Geheimklub gearbeitet! Wie soll das in Zukunft aussehen?“ Auch kritisierte Grieb das Fehlen der Solarthermie als einen wichtigen Baustein in der Energiepolitik der Stadt. „Sie wird unterschätzt, hier herrscht Stagnation, nichts hat sich geändert. Dabei kann die Solarthermie in Übergangszeiten wie Frühling oder Herbst viel für die Energieversorgung beitragen.“ Man solle sie ernst nehmen und könne für deren Ausbau auch Fördermittel beantragen, ergänzte der UBI-Stadtrat.

Elfriede Klein (Bündnis 90/Die Grünen) zeigte sich auch mit der Arbeit des Energieteams grundsätzlich einverstanden. Allerdings vermisste sie im Energie- und Klimaprogramm der Stadt Angaben zur Nutzung von Windkraft und von Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Benjamin Leinsle (CSU) will das vorgelegte eea-Programm so schnell wie möglich umsetzen: „Das kann sich sehen lassen. Wichtig ist es, die Maßnahmen finanziell umzusetzen und das dafür nötige Personal einzuplanen.“ Einige Stadträte waren der Meinung, dass ein Energie- und Klimaberater möglichst bald eingestellt werden sollte, um die Klimaneutralität Buchloes bis 2030 sicherzustellen. Das energiepolitische Arbeitsprogramm wurde mit einer Gegenstimme angenommen.

Auch interessant

Kommentare