"Die Wurzel allen Übels"

Was wird sich in einigen Jahren wohl in diesem Gebäude befinden?

Die Schließung der Klinik Marktoberdorf rückgängig machen, das ist eines von mehreren Zielen, die sich Landrat Johann Fleschhut für die am kommenden Donnerstag stattfindende Verwaltungsratssitzung auf die Fahne ge- schrieben hat. Hierzu bedarf es aber der, auch im Antragspakt enthaltenen, Änderung der Geschäftsordnung des Klinikenverwaltungsrates. An erster Stelle steht hier die geheime Abstimmung als „die Wurzel allen Übels“, so Fleschhut. Der Landrat hatte am Montag die Gelegenheit bei der Kreisausschusssitzung genutzt, um die Kreisräte über seine Absichten zu informieren.

Zunächst stellte Fleschhut klar, dass die wiederholte Abstimmung über die Schließung des Krankenhauses Marktoberdorf (Modell B1) wohl rechtlich zulässig gewesen sei. Zweifel äußerte er jedoch an der Legalität der geheimen Abstimmung und der Nichtbeteiligung der Träger des Kommunalunternehmens (KU). Er erwarte, dass mit den neun Stimmen des Kreises nun eine Satzungsänderung möglich sei, damit sich künftig niemand mehr „in der Wahlkabine verstecken kann“. Er erklärte: „Wir haben alle Hände voll zu tun, um wieder vertrauensvoll im KU zusammenzuarbeiten“. Auch gelte es, das Vertrauen der Öffentlichkeit zurück zu gewinnen. Hierauf ziele sein Antrag ab, im Verwaltungsrat künftig öffentlich, oder zumindest teilöffentlich zu tagen. Diese Idee sei „faszinierend“, aber problematisch, wandte Obergünzburgs Bürgermeister Lars Leveringhaus ein, da es sich beim KU um ein Unternehmen handele, das auch strategische Entscheidungen zu treffen habe. Was die Beteiligung der Träger anginge, so sei diese bereits bei der Gründung des Kommunlaunternehmens nicht gewollt gewesen. Wie Fleschhut auch, sah Leveringhaus die Notwendigkeit, dass das KU andere medizinische Versorgungsträgerstrukturen zulassen müsse. Dabei verwies er auf das Modell, das Angelika Schorer (MdL CSU), Verwaltungsrat Dr. Christian Alex (CSU) und Dr. Hans Ketterl (ext. Mitglied im Verwaltungsrat) erarbeitet hatten. Für Fleschut steht die Frage „Wie geht es weiter?“ jedoch an vorderster Stelle. Der Verwaltungsrat müsse deshalb klar zum Ausdruck bringen, dass Marktoberdorf eine Neunutzung erfährt. Dabei sieht Fleschhut in Marktoberdorf die geriatrische Rehabilitation, das Wundzentrum, die ambulante Operation und, als wichtigsten Bestandteil, die Notfallversorgung als die Elemente, die auch unter wirtschaftlichen Aspekten zukunftsfähig seien. Dabei könne zum Beispiel die geriatrische Reha auch in anderer Trägerschaft erfolgen. Es sei bereits fünf nach zwölf erklärte der Bürgermeister der Kreisstadt Werner Himmer. So würden bereits jetzt durch den Vorstand Fakten geschaffen, die eine endgültige Schließung unausweichlich machten. Hierauf ziele auch ein Antrag des Verwaltungsratsmitgliedes Wolfgang Hannig (SPD, Stadtrat Marktoberdorf), sämtliche Auflösungsaktivitäten im Krankenhaus Marktoberdorf einzustellen. Viel Porzellan sei zerschlagen worden, erklärte Kreisrat Josef Rid (FW). Ihn beschäftige, wie viele andere auch, die Frage, woher der Antrag zur geheimen Abstimmung gekommen sei. Der Wahlkampf im Ostallgäu habe scheinbar bereits begonnen, meinte Hubert Endhardt (Grüne), dabei hätte man noch zwei Jahre gute Arbeit miteinander leisten können. Dem kursierenden Vorwurf, er habe den Antrag auf geheime Abstimmung gestellt, trat der stellvertretende Landrat Hubert Endhardt vehement entgegen. Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) sei wohl „sehr kreativ bei der Auslegung von Sachverhalten“, erklärte Endhardt und spielte dabei auf die Bürgerversammlung in Marktoberdorf an.

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