Auf Diebestour

Wegen rund 31 Einbruchs- und Diebstahlsdelikten sowie dreimaligem Fahren ohne Führerschein musste sich am vergangenen Mittwoch ein Ronsberger vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten. Dem zur Zeit arbeitlosen Metzger wurde zur Last gelegt, in den Jahren 2008 und 2009 die Taten alleine oder zum Teil auch mit Bekannten begangen zu haben. Da der Mann geständig war, konnten die Vorgänge im Gericht in allen Einzelheiten nachvollzogen werden.

Der Angeklagte erklärte, sich in den vergangenen zwei Jahren regelmäßig nach der Arbeit mit „Kumpels“ an einer Obergünzburger Bushaltestelle getroffen zu haben. Dort habe man sich betrunken und sei danach auf Diebestour gegangen. Die Täter brachen dann unter anderem mehrmals in das Vereinsheim beziehungsweise verschiedene Gartenhäuschen der Obergünzburger Kleingartenanlage am Hartmannsberger Weg ein. Dort erbeuteten sie jedoch jeweils nur geringe Geldbeträge, Bier oder Wein sowie zwei Gasflaschen. Der Pflichtverteidiger des Angeklagten, Tobias Wutz, erklärte daraufhin, die Täter hätten sich durch die Einbrüche wohl von vornherein keine große Beute, sondern einfach alkoholischen „Nachschub“ erhofft; auch das erbeutete Geld sei großteils in Alkohol umgesetzt worden. Da von den Dieben bei einem Teil der Taten ein Beil benutzt wurde, plädierte die Staatsanwaltschaft in diesen Fällen auf bewaffneten Diebstahl. Zudem seien die Fälle, in denen sich der 40-jährige Beschuldigte mit seinen Bekannten zum Einbruch verabredet hatte, als Bandendiebstahl zu bewerten. Zu den übrigen Tatorten zählten noch eine Kemptener Metzgerei, wo der Ronsberger, diesmal in alleiniger Täterschaft, Spinde von Arbeitern aufgebrochen hatte und unter anderem ein Handy im Wert von 150 Euro erbeutete. Besonderes Stirnrunzeln bei den übrigen Anwesenden erregte eine in Marktoberdorf begangene Tat: der Angeklagte hatte in der Kirche St. Alban den Opferstock aufgebrochen und die darin enthaltenen 15 Euro gestohlen. Auch vor einem Patientenzimmer im Obergünzburger Krankenhaus, diversen örtlichen Jagdhütten, wo auch eine Schreckschusspistole mit Munition erbeutet wurde, Feuerwehr- und Vereinsheimen machte die Diebesbande nicht halt. Der Diebstahl der Pistole wurde hier ebenfalls als bewaffneter Diebstahl gewertet. Auf die Frage der Richterin Patricia Menzel, warum der bisher nicht aktenkundig gewordene Mann plötzlich eine solche Masse an Straftaten angehäuft habe, erklärte er, er habe sich im Zeitraum der Taten wegen der Trennung von seiner Frau in einer schweren Lebenskrise befunden und in seiner Ziellosigkeit sei er leicht für die „Vorschläge“ der deutlich jüngeren Trinkkollegen empfänglich gewesen. Dass der Ronsberger nicht vorbestraft war und durch sein lückenloses Geständnis zur Aufklärung der Taten beitrug, nahm die Richterin zum Anlass, ihn für einfachen Diebstahl, Diebstahl in besonders schwerem Fall und bewaffnetem Diebstahl teilweise mit Bandenbildung zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu verurteilen. Damit blieb sie unter dem von der Staatanwaltschaft geforderten Strafmaß von zwei Jahren und zehn Monaten ohne Bewährung. „Da haben Sie heute noch mal riesiges Glück gehabt, beim nächsten Mal geht es nicht so glimpflich aus“, betonte Richterin Menzel nach dem Urteilsspruch.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Pre-Opening im Skyline Park: Dieses Wochenende!
Pre-Opening im Skyline Park: Dieses Wochenende!
Frauen in der Leitungsebene
Frauen in der Leitungsebene

Kommentare