Bürgerbüro: Städtischer Mitarbeiter des Fundbüros steht im Fokus der Ermittlungen

Staatsanwaltschaft ermittelt 

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Die Staatsanwaltschaft Kempten führt Ermittlungen gegen einen städtischen Mitarbeiter wegen des Verdachts der Unterschlagung und Diebstahl.

Kaufbeuren – Es gibt Dinge, auf die vertraut man einfach. Zum Beispiel, dass der Briefträger die Briefe auch wirklich austrägt, oder dass der Mitarbeiter im Fundamt Verlorengegangenes aufbewahrt – so wie es bei ihm abgegeben wurde. Doch in Kaufbeuren scheint sich ein städtischer Mitarbeiter im Fundamt an mindestens einem Portemonnaie bereichert zu haben.

Kaum zu glauben, was Mitte Februar dieses Jahres dem Kaufbeurer Michael K. (Name geändert, ist der Redaktion bekannt) widerfahren ist. Kurz gesagt: Er fand den gut gefüllten Geldbeutel einer älteren Dame. Der ehrliche Finder gab ihn im Fundbüro ab und musste dann erfahren, dass die Besitzerin ihn von der Behörde ohne besagten Inhalt (rund 200 Euro) zurückerhalten hat. Die Folge: Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen einen Mitarbeiter der Stadt Kaufbeuren. 

Doch der Reihe nach. Wie Michael K. gegenüber dem Kreisboten berichtet, wollte er an einem Montag Überweisungen am Geldautomat seiner Hausbank tätigen. Dabei fiel ihm ein liegengebliebener Geldbeutel auf. Da die Schalter geschlossen hatten, beschloss er ihn im Fundbüro abzugeben. „Zuvor habe ich in den Geldbeutel geschaut und diverse Scheine und Münzen gesehen“, erinnert sich Michael K. im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Rathaus angekommen verwies man ihn bei der Information an das Bürgerbüro, das auch das Fundbüro beherbergt. Und so zog er einen Nummer-Bon und wartete, bis er an der Reihe war. Dann wurde er an einen städtischen Mitarbeiter verwiesen. Gemeinsam habe man den Geldbeutel genauer untersucht und festgestellt, dass dieser einer 79-jährigen Dame gehöre. 

Da sich auch einige Scheine und diverse Münzen im Geldbeutel befanden, wurde er vom Mitarbeiter gefragt, ob er auf einen Finderlohn bestehe. „Ich dachte mir nur so, dass das Geld wahrscheinlich die Restrente des angebrochenen Monats sei und habe daher darauf verzichtet“, so Michael K.. Ein Protokoll über den Inhalt des Geldbeutels wurde laut dem Finder nicht angefertigt. Ihm wurde lediglich erklärt, dass für ihn damit die Angelegenheit erledigt sei, da er auf einen Finderlohn verzichte. „Ich weiß noch, wie mich kurz danach eine Freundin anrief und ich ihr erzählte, dass ich gerade einer Frau ihre Rente gerettet hatte“, freute sich damals Michael K.. Doch Pustekuchen! Als der ehrliche Finder am nächsten Tag erneut zur Bank ging, um Überweisungen zu tätigen, erklärte er einer Mitarbeiterin der Bank, dass er dort gestern einen Geldbeutel gefunden und diesen im Fundbüro abgegeben habe. Sollte sich die betroffene Dame in der Bank melden, möge man ihr das doch bitte mitteilen. „Ich wurde verwundert angeschaut und eine zweite Mitarbeiterin kam hinzu, die mich auch kannte, und fragte mich, ob im Geldbeutel Geld gewesen sei. Ich sagte ,ja’. Dann riet sie mir, schnell zur Polizei zu gehen, um dort eine Aussage zu machen“, erinnert sich Michael K.. 

Dort habe er alles genauso geschildert, wie er es erlebt habe und konnte seine Aussagen auch mit Beweisen wie etwa dem Nummern-Bon vom Bürgerbüro untermauern. Die Polizei glaubte ihm und sprach von einem „schwierigen Fall“. Von den Beamten erfuhr er auch, dass die ältere Dame inzwischen Anzeige erstattet hatte, da ein „größerer Betrag“ aus ihrem Geldbeutel verschwunden sei. Wenige Tage später musste Michael K. erneut zur Polizei. Ihm wurden diverse Fotos zur Identifizierung vorgelegt. „Hier konnte ich den städtischen Mitarbeiter erkennen“, so Michael K.. Für ihn sei das ein „starkes Stück“ und er fragt sich seitdem, ob so etwas nicht schon öfter vorgekommen sei. Im aktuellen Fall jedenfalls hat die Staatsanwaltschaft Kempten die Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter der Stadt Kaufbeuren (Fundbüro) aufgenommen. Laut Bernhard Menzel von der Staatsanwaltschaft Kempten, stehen „Unterschlagung“ und „Diebstahl“ im Raum. von KAI LORENZ

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