Diesel Ade – Hallo Elektrik: Im Kaufbeurer E-Bus der Zukunft gleiten und genießen

E-Bus Kaufbeuren
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Begeisterte Mitfahrer: Dr. Josef Zeiselmair (v. re.) Dr. Matthias Kerler, OB Stefan Bosse, Alexander Lietz, Michael Bechteler und Dominic Kuhn.

Kaufbeuren – Die bunte Beschriftung ist zwar auffällig, dennoch werden die meisten Betrachter zunächst einen ganz normalen Bus sehen, wie er in Kaufbeuren bei der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal GmbH (VGK) vielfach im Einsatz ist. Doch der erste Eindruck trügt gewaltig! Es handelt sich um den ersten vollelektrischen Bus bei dem regionalen Busunternehmen, der zunächst im Testbetrieb seine Einsatztüchtigkeit unter Beweis stellt. Michael Bechteler, Geschäftsführer der VGK, hatte zusammen mit dem Unternehmen e-troFit aus dem Raum Ingolstadt zu einer Testfahrt eingeladen. Um es vorweg zu nehmen: So macht Busfahren richtig Spaß – mit Gleiten und Genießen!

Bechteler hatte die Testfahrt organisiert, zu der nicht nur Account Manager Alexander Lietz und Dr.-Ing. Matthias Kerler (CTO) als Vertreter des Unternehmens e-troFit aus Ingolstadt, sondern auch Kaufbeurens OB Stefan Bosse, Dr. Josef Zeiselmair und Dominic Kuhn als Geschäftsführer der RBA Regionalbus Augsburg GmbH (und Mehrheitsgesellschafter der VGK) sowie Medienvertreter anwesend waren.

Der optisch gute Eindruck des Busses täuschte auch über die Tatsache hinweg, dass dieser bereits seit 2004 im Personentransport eingesetzt war und etwa 600.000 Kilometer in seinem bisherigen Busleben abgespult hatte. Aber mit einem Dieselmotor, der damit am Ende seiner Laufzeit angekommen war. Und genau an dieser Stelle kommt das Unternehmen e-troFit ins Spiel, das „electrifying transportation“ – das heißt die Elektrifizierung des Verkehrs – in besonderer Weise antreibt.

Nachhaltige Mobilität

Das Zauberwort heißt „Retrofitting“ und steht hier für die Elektrifizierung insbesondere von gebrauchten aber auch neuen Nutzfahrzeugen wie Lastkraftwagen im Verteilverkehr, Bussen im öffentlichen Personennahverkehr (­ÖPNV) sowie kommunalen Fahrzeugen. In diesem Fall für einen Bus im Personentransport. Es stellt die wirtschaftliche Alternative zum Neukauf eines Kraftfahrzeuges dar und fördert eine nachhaltige und umweltfreundliche Gestaltung der Mobilität in der Gesellschaft. „Der Preis von rund 350.000 Euro für die Umrüstung beträgt damit nur etwa die Hälfte eines neuen Elektrobusses, allerdings inklusive Fördermittel“, erläuterte Verkaufsberater Lietz. „Geben Sie Ihrem Nutzfahrzeug ein umweltfreundliches ‚zweites Leben‘ als Elektrofahrzeug“, so der Slogan des 2017 als Pilotprojekt gestarteten Unternehmens e-troFit.

Entspanntes Fahren

Für Fahrer und Fahrgäste stellt sich das Fahren als völlig neues Erlebnis dar: vom sanften Anfahren des rund 19 Tonnen schweren Busses über ein zügiges und ruckfreies Beschleunigen bis zum Fließen im Verkehr. Dabei sind keine Vibrationen zu vernehmen und der sonst vorhandene Schalldruck ist weg. Dies sorgte auch für Begeisterung beim OB und den anderen Fahrgästen. „Das ist sehr interessant, gerade auch die wirtschaftliche Seite und ich kann mir das für die Zukunft gut vorstellen“, so Dr. Zeiselmair. Geschäftsführer Bechteler blickt in die Zukunft: „Das ist der nächste Schritt, nachdem wir vor zwei Jahren bereits den ersten Hybrid‑Bus in Betrieb genommen haben.“ „Und die Anwohner der Linien werden es danken“, ergänzte Entwicklungsleiter Dr. Kerker am Beispiel des in Landshut im Einsatz befindlichen Busses gleicher Bauart. Dort würden die Anwohner den vorbeifahrenden Bus mit „Daumen hoch“ begrüßen.

Ausgefeilte Technik

Geballte Kraft: Anstelle von Dieselmotor und Antriebseinheit nehmen nun die Batterie und Steuergeräte diesen Platz ein.

Das Gewicht der Batterie mit 1,6 Tonnen entspricht etwa dem der alten Antriebseinheit von Dieselmotor und Getriebe an gleicher Stelle. Die Gewichtsverteilung ist jedoch ausgewogener, der Heckantrieb – aber direkt an der Antriebsachse – ist geblieben. Damit steht das hohe Drehmoment permanent zur Verfügung. Das merkt der Fahrgast beim Anfahren ebenso wie auf der Strecke. Um die Kraft zu bändigen, wird der Motor mit einem Steuergerät der Firma STW aus Kaufbeuren „abgeregelt“, das heißt sowohl das Anfahrmoment als auch die auf 80 km/h gedrosselte Endgeschwindigkeit werden begrenzt. Steigungen bis 28 Prozent werden ohne Probleme bewältigt. Für den Winterbetrieb ist zur Beheizung des Innenraums ein mit Biodiesel laufender Zusatzheizer eingebaut.

„Geschmack auf Zukunft“

Für Busfahrer Jens Wömpner war die Premierenfahrt ein schönes Erlebnis.

Nach rund 30 Kilometer Fahrt mit allen städtischen Weg-Varianten zeigte das Hauptinstrument für den Elektrobetrieb noch 88 Prozent der bei Fahrbeginn 100 Prozent elektrisch gespeicherten Energie an. Busfahrer Jens Wömpner zeigte sich begeistert, da auch für ihn die Fahrt mit einem reinen Elektrobus eine Premiere war: „Es ist ein tolles Fahren und war ein schönes Erlebnis, das Geschmack auf mehr in der Zukunft macht.“

Technische Daten

• Leistung 250 kW Leistung (= 340 PS)

• Akku ausgelegt für fünf Jahre mit 3.000 Vollladezyklen und 600.000 Kilometer

• Batteriegewicht 1,6 Tonnen

• Verbrauch 0,8 -1 kW pro Kilometer

• Reichweite 180 Kilometer (Winter) bis 300 Kilometer (Sommer)

von Wolfgang Becker

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