Noch viel Luft nach oben

Digitalisierungsbeauftragter startet Diskussionsrunden an Kaufbeurer Schulen

Digitalisierungsbeauftragte des Stadtrates, Alexander Uhrle, vor Schülern
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In lockerer Atmosphäre stellt sich der Digitalisierungsbeauftragte des Stadtrates, Alexander Uhrle, den Fragen der Schüler der Jörg-Lederer-Mittelschule.

Kaufbeuren – Welche sozialen Netzwerke nutzen unsere Jugendlichen? Wie zufrieden sind die Schüler mit der Digitalisierung? Über welche Kanäle konsumieren die jungen Erwachsenen Nachrichten? Diesen und vielen weiteren Fragen geht der Beauftragte des Stadtrats für „Digitale Stadt“, Alexander Uhrle, auf den Grund. Bereits im letzten Sommer besuchte der Stadtrat eine neunte Klasse der Jörg-Lederer-Mittelschule, eine zweite in diesem Jahr. Es folgte eine virtuelle Diskussionsrunde mit der gesamten neunten Jahrgangsstufe des Jakob-Brucker-Gymnasiums. Uhrle wünscht sich noch mehr Einladungen der Kaufbeurer Schulen, denn die Ergebnisse können sich schon jetzt sehen lassen.

„Die Grundstimmung in Bezug auf das Homeschooling ist bei den Mittelstuflern besser als gedacht“, resümiert Alexander Uhrle eines der Ergebnisse nach seinen ersten drei Workshops in den Kaufbeurer Schulen. Durch seinen beruflichen Hintergrund hatte der Stadtrat die Idee, Workshops aus dem Arbeitsleben abgewandelt auch für seine Zwecke als Stadtrat zu nutzen. Je zwei Unterrichtsstunden dauert der Digitalisierungs-Workshop mit dem 37-Jährigen. Was als Präsenzprojekt geplant war, funktioniert nun komplett online. „Mittels eines Online-Abstimmungstools haben wir noch während der Diskussion die Ergebnisse, über die ich dann direkt mit den Schülern sprechen kann“, erklärt Uhrle seine Methode. Ziel der Diskussionsrunden mit Schülern ab der Mittelstufe ist nicht in erster Linie die Datengewinnung: „Mir ist es wichtig die Stimmung unserer Jugendlichen einzufangen und auch ihre Denkweisen zu verstehen – nur so können wir die junge Generation abholen“. Abgeholt fühlen sich die Jugendlichen leider nicht immer. Kommunale Nachrichten, Veranstaltungen und Aktionen kommen laut Uhrles Umfragen bei den Schülern kaum bis gar nicht an. Über ein Drittel der Schüler informiert sich nur über die sozialen Netzwerke. Im Gegensatz dazu landet die Tageszeitung nur bei acht Prozent.

Wer jetzt an Facebook denkt, liegt falsch. Dieses nutzen nur noch zwei Prozent der Schüler und ist somit bei ihnen out. Schließlich will man nur ungern seine Eltern in den sozialen Netzwerken treffen, begründet Uhrle das schlechte Abschneiden der Plattform. Hoch im Kurs stehen bei den Jugendlichen Instagram, das über 30 Prozent der befragten Schüler bevorzugen sowie TikTok mit 20 Prozent.

Eine weitere Frage, die Uhrle stellt, lautet: „Wie zufrieden bist du mit der Digitalisierung in der Schule, im öffentlichen Leben und im privaten Umfeld?“ Am besten konnte hier das private Umfeld abschneiden, mit Abstand gefolgt vom öffentlichen Leben. „Das BayernWLAN kommt bei den Jugendlichen wirklich gut an“, so Uhrle, und wird von der Stadt Kaufbeuren kontinuierlich erweitert. Schlusslicht sind mit wenig Abstand die Schulen. „Das Ergebnis überrascht mich nicht, bei den Schulen liegt noch ein sehr großes Potenzial in Sachen Digitalisierung“, so Uhrle.

Die Apps der Stadt Kauf­beuren wie die Buron-App sind laut Aussagen der Schüler zwar interessant und relevant, jedoch sind die städtischen Apps unter den Jugendlichen nur wenig bekannt. Ab April bewirbt die Stadt Kaufbeuren ihre Buron-App mit einer neuen Kampagne verstärkt über Onlineformate und hofft so gerade die jüngere Zielgruppe für die Informations-App begeistern zu können. Seit rund einem Jahr ist die App in Betrieb, deren Initiationsidee vom Digitalisierungsbeauftragen stammt. Die App wird in ihrer Funktionalität kontinuierlich verbessert und ausgebaut.

Die bisher durchgeführten Workshops lassen eine Stoßrichtung klar erkennen: Mehr Nachrichten für Jugendliche auf deren bevorzugten Plattformen, Brauchbares aus dem Homeschooling beibehalten und die Digitalisierung – nicht nur – an den Schulen verstärkt vorantreiben.

Der Beauftragte für „Digitale Stadt“ leitet seinen zukünftigen Arbeitsauftrag unter anderem aus den Ergebnissen der Workshops ab. Deshalb hofft Uhrle auf noch mehr Einladungen von anderen Kaufbeurer Schulen: „Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn ich in Kaufbeuren möglichst viele weiterführende Schulen besuchen kann.“ Das Feedback der bereits beteiligten Schulen sei durchweg positiv. Christian Gebauer, Rektor der Jörg-Lederer-Mittelschule, ist von dem Projekt begeistert und kann andere Schulen nur ermutigen: „Ich finde es einfach klasse, dass Herr Uhrle nicht über unsere Schüler, sondern mit unseren Schülern spricht und sich so selbst ein Bild über ihre Wünsche und Probleme bei der Digitalisierung macht. So werden für unsere Schüler Entscheidungen der Politik nachvollziehbar“.

kb

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