Der besondere Geist prägt noch heute

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Klinikchef Dr. Philipp Ostwald (li.) dankte Konventoberin Sr. Irmgard Gruber (2. li.) und Provinzoberin Sr. Elke Prochus (re.) für das Engagement der Dillinger Franziskanerinnen im Krankenhaus Buchloe.

Buchloe – „Ohne ihr unglaubliches Engagement gäbe es dieses Krankenhaus nicht“. Dieses Zitat aus Maria Rita Zinneckers Rede für die Ordensfrauen des Dillinger Franziskanerordens hätten alle Gäste des Empfanges im Buchloer St. Josef Krankenhaus sofort unbesehen unterschrieben.

Die Landrätin war eigens auf Einladung der St. Josef-Klinik nach Buchloe gekommen, um die Ordensfrauen zu ehren, auch wenn das Buchloer Krankenhaus heute im Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren vom Landkreis getragen wird. Auch Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse, der ebenso wie Maria Rita Zinnecker im Verwaltungsrat des Klinikverbundes engagiert ist, war nach Buchloe gekommen. 

Zu den Gästen gehörte ferner Landtagsabgeordneter Bernhard Pohl (Freie Wähler), die Provinzoberin des Ordens, Sr. Elke Prochus aus Dillingen und natürlich Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger. Die Stadt Buchloe hatte bereits mit eigenen Veranstaltungen das Wirken des Ordens gewürdigt. 

„Schon bevor ich das Krankenhaus St. Josef zum ersten Mal besucht habe, wurde mir der besondere Geist des Hauses beschrieben“, sagte Dr. Philipp Ostwald, der seit 2013 dem Klinikverbund als Geschäftsführer vorsteht. „Nun, das nehmen ja Krankenhäuser gerne für sich in Anspruch und werben damit“. Es sei ihm aber schnell klar geworden, dass wirklich ein besonderer Geist in Buchloe vorherrschte. 

Es seien nicht nur die äußeren Zeichen wie kleine Blumensträuße oder Heiligenfiguren gewesen, sondern auch die Atmosphäre der Achtsamkeit, sagte der Chef des Klinikverbundes. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten bei den Ordensfrauen ihre Ausbildung absolviert. „Sie haben den Geist, den die Ordensfrauen dem Haus hier eingehaucht haben, aufgesogen und vermitteln ihn Tag für Tag durch ihr Tun“. Es sei aber auch ein Geist der Hingabe an den Beruf, an die Berufung, sagte Ostwald. 

Viele Auf und Abs 

Landrätin Zinnecker oblag es, die Geschichte der Dillinger Franziskanerinnen in Buchloe zu würdigen. 1915 seien zwei Kindergärtnerinnen des Ordens auf Bitten des damaligen Pfarrers Adolf Müller geschickt worden. Einige Jahre später folgte eine klösterliche Arbeitslehrerin, die an allen Volksschulklassen Handarbeitsunterricht gegeben habe. 

Der Grundstock für das heutige Krankenhaus sei, so die Landrätin, 1928 gelegt worden, als die Dillinger Franziskanerinnen die ambulante Krankenpflege in der Gemeinde übernommen hätten. 

Die endgültige Weichenstellung für ein eigenes Krankenhaus in Buchloe folgte 1950. Der damalige Bürgermeister Josef Uebele hatte zusammen mit Oberin Gonsalva Staudacher einen Brief samt Bauplan an das Staatsministerium geschickt. Immerhin hatte man in Buchloe ja schon während des 2. Weltkrieges ein Hilfskrankenhaus. Das Schreiben wurde positiv beantwortet und so erfolgte bereits 1952 die Grundsteinlegung für das Krankenhaus St. Josef. 

Der erste Patient kam am 9. November 1953 ins Buchloer Krankenhaus. Zuvor hatten die Ordensschwestern Tag und Nacht für das Projekt gearbeitet. Sogar Vorhänge und Bettwäsche nähten sie selbst, betonte die Landrätin. Bis zum Jahr 1979, also nach den ersten 25 Jahren, seien 47831 Patienten behandelt worden. Außerdem seien 6322 Kinder in der Klinik auf die Welt gekommen, bilanzierte die Landrätin. Auch Buchloes heutiger Bürgermeister Josef Schweinberger erblickte in der St. Josef-Klinik das Licht der Welt. 

Es folgte ein wirtschaftliches Auf und Ab und immer wieder mussten die Buchloer um ihr Krankenhaus bangen. Insbesondere das Gesundheitsstrukturgesetz aus dem Jahre 1992 machte dem Krankenhaus schwer zu schaffen. Schließlich wurde dem „Deutschen Orden“ das Krankenhaus übertragen. 

Als dann im November 2000 die Nachricht kam, dass auch der „Deutsche Orden“ die Gehälter nicht mehr bezahlen konnte, erzwangen die Dillinger Franziskanerinnen vor Gericht ein Verkaufsverbot. In langwierigen und zähen Verhandlungen sei es gelungen, so Zinnecker, einen Übergabevertrag zu schließen. 

2002 übernahm der Landkreis Ostallgäu für 3,6 Millionen Euro das Krankenhaus. Die Stadt Buchloe, die Diözese und eine großzügige Spende des Buchloer Unternehmers Alexander Moksel stellten die Finanzierung sicher. Derzeit sind noch zwei Ordensschwestern hauptamtlich in der St.-Joseph-Klinik tätig. 

So richtig aus dem Nähkästchen konnte der Vorsitzende des Fördervereins, Alois Schmalholz, plaudern. Er ist gegenüber der Klinik und mit engem Kontakt zu den Ordens- schwestern aufgewachsen. „Es flog schon mal ein Kopf Salat aus der Klinik in unseren Vorgarten”, erzählte er den geladenen Gästen. Unter großem Beifall konnte er die Eigenheiten der Ordensschwestern beschreiben. 

Die launigste aber auch nachdenkenswerteste Rede aber blieb der Konventoberin Sr. Irmgard Gruber vorbehalten. Allerdings gab sie auch freimütig zu, „wir sind es nicht gewöhnt, im Mittelpunkt zu stehen, aber wir lassen es gerne über uns ergehen“. 

Die Feier in der Klinik zum 100-jährigen Jubiläum der Dillinger Franziskanerinnen wurde mit einem Gottesdienst durch Pater Roman Löschinger und dem im Ruhestand lebenden Pater Johann Keppeler begleitet. Herbert Sedlmair und Ulrich Müller vom Buchloer Heimatmuseum haben darüber hinaus die Geschichte der Dillinger Franziskanerinnen in den „Buchloer historischen Heften“ aufgearbeitet.

von Siegfried Spörer

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