Der Wirtschaftsprüfer sorgt für Transparenz

Schatzinsel in eine bessere Zukunft

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Der alte Vorstand ist auch der neue Vorstand: Friedhelm Gallinat (v. li.), Heimleiterin Klara Dolp, Schriftführerin Ditrun Steinseifer-Vogel und Finanzvorstand Ulrich Steinbrink. Nicht auf dem Foto ist der neugewählte 2. Vorsitzende Johann Völkl, der in Abwesenheit gewählt wurde.

Dillishausen – „Die Vorstandsschaft der Dillishausener Schatzinsel ist auf dem richtigen Weg und hat das Haus wieder auf Vordermann gebracht.“ Das sagte Lamerdingens Bürgermeister Konrad Schulze nach einer vierstündigen außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins, der Träger dieser Einrichtung für schwerstbehinderte Menschen ist.

„Ich wünsche mir, dass dieses Haus wieder in ruhiges Fahrwasser kommt“, betonte der Rathauschef nach der Mitgliederversammlung. Die Kontinuität bleibt auch nach den Neuwahlen für den Verein gewahrt. 

Der neue Vorstand ist bis auf die Position des 2. Vorsitzenden der alte. Die Mehrheit der anwesenden Mitglieder sprachen Friedhelm Gallinat als ersten Vorsitzenden, Ulrich Steinbrink als Finanzvorstand und Schriftführerin Ditrun Steinseifer-Vogel durch das Votum ihr Vertrauen aus. Neu gewählt wurde Johann Völkl als 2. Vorsitzender. 

Eines muss man dem Vorstand, der seit 2012 im Amt ist, lassen: Er versucht Transparenz zu schaffen, so der Bürgermeister. Dazu gehörte, dass ein Wirtschaftsprüfer mit der Testierung der Bilanzen für 2012 und 2013 und einer Finanzplanung für das kommende Jahr 2015 beauftragt wurden. Bernd Winkler von der Münchner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Weiss/Walter/Fischer- Zernin hatte ganze Arbeit geleistet. 

Soviel Transparenz war einigen Mitgliedern schon fast zu viel. Eine Besucherin der Versammlung: „Die Zahlen erschlagen mich.“ Der Wirtschaftsprüfer kam zu dem Schluss, dass die Bilanzstruktur des Vereins gesund sei. Dem Vorwurf, der Verein habe zu viel Personal eingestellt, trat der Wirtschaftsprüfer entschieden entgegen. Die Schlüsselzahl für das Personal werde nicht vom Vorstand bestimmt, sondern durch den Bezirk in Abhängigkeit vom Pflegestatus vorgegeben, sagte der Wirtschaftsfachmann. 

Er zeigte aber auch die Probleme auf, die die Schatzinsel in Turbulenzen gebracht hat. Die Leistungspauschalen für die Betreuung der behinderten Menschen, die der Bezirk bezahle, würden nicht mehr zu dem Kostenrahmen passen, der sich nach der baulichen Erweiterung ergeben habe, sagte Gerd Winkler. „Für 2012 und 2013 haben sich erhebliche Verluste im sechsstelligen Bereich ergeben, die aus den Rücklagen gedeckt wurden, aber damit das Eigenkapital schmälerten.”, so Winkler. Auch 2014 erwartet man noch einen Verlust in Höhe von 86000 Euro. 

Für das kommende Jahr rechnet der Wirtschaftsprüfer unter Berücksichtigung höherer Kostenpauschalen mit einem positiven Ergebnis. Ein Teil der Probleme waren aufgetreten, weil ein Neubau aus dem Jahr 2010 teurer wurde als geplant und deshalb teilweise für den Betrieb vorgesehene Gelder für die Investition aufgewendet wurden. Erschwerend kam hinzu, dass der Bezirk wegen eines fehlenden Abschlusses bei den Entgeltverhandlungen die Belegung neuer Wohnheimplätze untersagt hatte. 

Zu ähnlichen Ergebnissen wie die Wirtschaftsprüfer kamen auch die Kassenprüfer Johann Popfinger und Friedrich Meyer-Brauns. Sie bescheinigten dem Finanzvorstand, dass es in der Kassenführung keine Beanstandungen gegeben habe. Die Kassenprüfer gaben aber eine Reihe von Empfehlungen ab, darunter die Umwandlung des Vereins in eine „gGmbH“. „Mit dem Bezirk stehen wir wegen der Leistungspauschalen gemeinsam mit anderen Einrichtungen in Verhandlung“, betonte Ulrich Steinbrink. Bislang hatte der Bezirk Schwaben nur Einzelverhandlungen geführt. 

Die Schatzinsel verfügt laut einer Presse-Information derzeit über ein Anlagevermögen in Höhe von 4,8 Millionen Euro mit einem Eigenkapital von rund 700000 Euro zuzüglich Sonderposten aus Zuschüssen in Höhe von 3,2 Millionen Euro. Für die Finanzierung des Neubaus wurden Darlehen in Höhe von 450000 Euro in Anspruch genommen. 

Kritik aus der Versammlung gab es auch. Warum man nur Mitglieder zur Mitgliedsversammlung zulasse oder warum man keine neuen Mitglieder aufnehme, wurde der Vorstand gefragt. Ein weiterer Punkt waren verspätet ausbezahlte Gehälter. Finanzvorstand Steinbrink erklärt das Liquiditätsproblem damit, dass die Kostenpauschalen verspätet ausbezahlt würden. Durch den Beschluss über die Erweiterung des Kontokorrentrahmens hofft der Trägerverein, das Problem kurzfristig zu lösen. 

Auch das ausstehende Weihnachtsgeld soll bei verbesserter Liquidität ausbezahlt werden. Auf der Mitgliederversammlung wurde auch ein dreiseitiges Papier verteilt, in dem der jetzige Vorstand heftig kritisiert wurde. Das Papier war anonym. Insgesamt gibt es 26 Wohnheimplätze für Menschen, die teilweise schon sehr lange in der Einrichtung leben. Dazu kommen acht Kurzzeitpflegeplätze. von Siegfried Spörer

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