Direktkandidaten stellen sich politischer Auseinandersetzung im Kolpinghaus

"hinsehen, urteilen, handeln"

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Moderator Hans Reich (KAB, v. li.) und die Politiker Stephan Stracke (CSU), Pascal Lechler (SPD), Günter Räder (Grüne) und Susanne Ferschl (Die Linke) bei der Diskussionsrunde.

Kaufbeuren – Die Wählerinnen und Wähler konnten sich vergangene Woche im Kolpinghaus ein Bild von den derzeit im Bundestag vertretenen Parteien und ihren jeweiligen politischen Zielen machen.

Unter dem Motto „heute für morgen. Wählen!“ bot der katholische Sozialverband im Rahmen einer Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl 2017 den Kandidaten Susanne Ferschl (Die Linke), Pascal Lechler (SPD), Dr. Günter Räder (Grüne) und MdB Stephan Stracke (CSU) eine Fläche, offen Rede und Antwort zu Themen wie prekäre Beschäftigung, soziale Spaltung, Flüchtlingspolitik und Rentensituation zu stehen.

Hans Reich von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), der als Moderator durch den Abend führte, bezeichnete die Verteilung zwischen Arm und Reich als „Sprengkraft unserer Gesellschaft“. Für Ferschl sei es ein „Skandal“, dass so viele Kinder hierzulande armutsgefährdet sind, und dass sozial schwache Familien wegen der geringeren Bildungschancen immer weiter in die Armutsspirale gerieten.

Lechler forderte in diesem Sinne eine kostenfreie Bildung für alle, unabhängig von den finanziellen Mitteln des Einzelnen, und ein einkommensabhängiges Kindergeld.

Stracke vertrat hier eine andere Meinung: Den Menschen in Deutschland gehe es finanziell gesehen gut – Wahrnehmung und Wirklichkeit würden in diesem Fall „auseinanderklaffen“ – der Sozialstaat funktioniere und die Unterschiede in der Verteilung seien nicht so gravierend. Eine Stimme aus dem Publikum warf Stracke vor, Klientelpolitik für Menschen mit Besitz zu betreiben, was dieser so nicht bestätigen wollte, aber es lohne sich, „darüber intensiver zu streiten“.

Beim Themenkomplex der Arbeit waren sich die Vertreter aller Parteien einig, dass es den gleichen Lohn für gleiche Arbeit bei Männern und Frauen geben müsste.

Laut Ferschl nehme der psychische Druck in der Arbeitswelt weiter zu; so plädierte sie für die Abschaffung sachgrundloser Befristung, eine Eindämmung der Leiharbeit, normale Arbeitsverhältnisse, gerechte Entlohnung und eine stärkere Regulierung der Arbeitszeit. Auch Räder pflichtete diesen Punkten bei.

Auch in der Frage nach einem bedingungslosen Grundeinkommen herrschte weitestgehend Konsens darüber, dass dies der „falsche Ansatz“ sei (Lechler); es sei nicht gedacht, bei schon vorhandenem Einkommen „draufzusatteln“ (Ferschl), und Stracke zufolge solle man im Sinne einer Einheit von Solidarität und Verantwortung nach dem Prinzip „Fördern und Fordern“ handeln.

Am Thema Flüchtlingspolitik entzündeten sich stellenweise die Gemüter: Lechler und Ferschl sprachen sich gegen die Abschiebung von Asylsuchenden in afghanische Kriegsgebiete aus. Ferschls Kritik nach, die den Beifall der Anwesenden nach sich zog, seien die hiesigen Rüstungsexporte maßgeblich für die Fluchtursachen verantwortlich. Man müsse mehr zu einer „sozialen“ Marktwirtschaft werden, statt eine reine Wirtschaft zu sein. Die westliche Welt müsse, so ergänzte Räder, die Wirtschaft in Ländern wie diesen stärken und die dortige Arbeitsperspektive vorantreiben.

Ein Raunen ging durch den Saal als Stracke Afghanistan als „größtenteils sicheres Land“ bezeichnete. Viele der Flüchtlinge gingen ohnehin freiwillig in ihre Heimat zurück, und bei denjenigen, die hierblieben, müsse man das Potenzial erkennen und ihnen eine Ausbildung ermöglichen.

Unter anderem wurde außerdem die Digitalisierung angesprochen, die mit großem Tempo voranschreite und vor allem unter älteren Menschen Ängste auslöse. Stracke ermutigte, den technischen Fortschritt gerade als Chance wahrzunehmen. Dazu sei, so waren sich die Redner einig, ein Breitbandausbau in ländlichen Gegenden nötig.

Reich hoffte, dass durch Veranstaltungen wie diese das politische Interesse an einer Wahlbeteiligung geweckt werde. Man solle als Bürger des Landes „hinsehen, urteilen, handeln“, um gemeinsam dem Ziel der sozialen Gerechtigkeit näher zu kommen.

von Mahi Kola

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