Landtagskandidaten stehen Rede und Antwort

"Wer ist wählbar?"

+
Fünf Kandidaten für den Bayerischen Landtag: Das Publikum hinterfragte die Positionen der von Hans Reich (ganz links) geleiteten Podiumsdiskussion zum Teil kritisch. Auf dem Podium (v. links) Gottfried Schwank, Franz Pschierer, Christine Räder, Bernhard Pohl und Carmine Macaluso.

Kaufbeuren – Wer eine harte Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner erwartet hatte, der wurde sicherlich enttäuscht. Doch dies war auch nicht das Ziel der Diskussion, zu der sich die Kandidaten von CSU, SPD, Grüne, Freie Wähler und FDP eingefunden hatten.

Die Kolpingsfamilie und die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) aus Kaufbeuren hatten Kandidaten der bereits im Landtag vertretenen Parteien für die kommende Landtagswahl unter dem Motto „Wer ist wählbar?“ zu einem von Hans Reich (KAB) moderierten politischen Dialog eingeladen. Dabei konnten Carmine Macaluso (SPD) Bernhard Pohl (FW) Franz Pschierer (CSU), Christine Räder (Bündnis 90/Die Grünen) und Gottfried Schwank (FDP) ihre Positionen zu bestimmten Themenfeldern darstellen und standen den Besuchern für Fragen zur Verfügung. 

Als politischer Referent der Kaufbeurener Kolpingsfamilie begrüßte MdB Stephan Stracke (CSU) die etwa 100 Anwesenden, darunter Oberbürgermeister Stefan Bosse und Bürgermeister Gerhard Bucher sowie Vertreter des Stadtrates und des Kreistages. In seiner Einführung beschrieb Moderator Reich die Spielregeln in Form zeitlicher Limits und die den Kandidaten bereits vorab in einem Katalog zugesandten Themenbereiche Nachhaltigkeit/Umwelt, Arbeit/Soziales und Familie/Kinderbetreuung. Jeder Teilnehmer hatte zudem eingangs die Möglichkeit, seine Prioritäten für die nächste Legislaturperiode zu erläutern. 

Schwerpunkte politischer Arbeit 

Für Macaluso ist die Kluft zwischen Arm und Reich ein klassisches Problem. Er plädiert für einen Mindestlohn, sichere Rente und bessere Pflege sowie mehr Integration und Inklusion. Pohl forderte insbesondere einen neuen Politikstil, wobei „mehr miteinander geredet und nicht gegeneinander gearbeitet“ werden solle. Er steht für gleichwertige Lebensverhältnisse für alle und eine Stärkung der regionalen und mittelständischen Wirtschaft sowie der Kommunen. 

Pschierer sieht seine Schwerpunkte unter anderem in der Wirtschaftspolitik, „ohne die nichts funktioniert“, in der Bewältigung der Energiewende für das Industrieland Bayern und in der Bildung insbesondere die Förderung gewerblich-technischer Ausbildung. 

Räder plädierte mit den Worten „da muss man grün wählen“ für ein Vorantreiben der Energiewende, für Beschränkungen beim Bau von Straßen und Flächen sowie die Verankerung des ökologischen Landbaus als Leitbild. 

Schwank, der eine Bioland-Schäferei betreibt, sieht seine Schwerpunkte ebenfalls im ökologischen Landwirtschaftsbau und hat gemäß eigener Darstellung als ehemals langjähriges Mitglied bei den Grünen und der ÖDP nun seine Heimat bei der FDP gefunden. 

Unterschiede 

Während sich beim Thema „Arbeitswelt“ Pohl und Pschierer gegen flächendeckenden Mindestlohn aussprachen, sahen dies Räder („Dumpinglöhne sind sittenwidrig“) und Macaluso („man muss von seinem Lohn leben können“) anders. Beim Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ grenzte sich Pschierer jedoch schärfer von Macaluso ab, der einen flächendeckenden Ausbau für die Kinderbetreuung forderte. Er stellte klar, dass sich die Betreuung für Kinder in der hiesigen Region deutlich besser darstelle als beispielsweise in München. Außerdem hätten die Väter des Grundgesetzes unter einer Familie das tradierte Verhältnis von Frau, Mann und Kinder verstanden. Räder definierte „Familie da, wo Kinder sind“ und forderte, dass Kinder in einer verlässlichen Gemeinschaft aufwachsen müssten. Pohl hingegen sah eine Familie zwar als Lebensgemeinschaft mit Kindern an, konnte jedoch die Gleichstellung der Ehe mit gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften seitens des Bundesverfassungsgerichtes nicht nachvollziehen. 

In seinem Schlusswort als Mitveranstalter bedankte sich Klaus Höpp als Vorsitzender von Kolping bei den Teilnehmern mit den Worten: „Demokratisches Engagement ist unverzichtbar und wird von der Kolping unterstützt. Die Familie ist Vermittler von Werten, Glaube und Kultur.“ 

Enttäuscht waren die anwesenden Vertreter von den Piraten und den Linken unter den Besuchern. „Wir hätten uns gewünscht, man hätte uns auch eingeladen“, so Bastian Höbel als Vorstandsmitglied der Piraten. von Wolfgang Becker

Auch interessant

Meistgelesen

Festzug mit Hindernissen
Festzug mit Hindernissen
Stadt in festlichem Gewand
Stadt in festlichem Gewand
Silikon entzündet sich
Silikon entzündet sich
Drei Tote bei Autounfall bei Kaltental
Drei Tote bei Autounfall bei Kaltental

Kommentare