Bäume im Fokus der ersten Sitzung des Kaufbeurer Umweltausschusses

Diskussion um den Schutz der Bäume

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Bäume prägen das Stadtbild: Wie man künftig stärker zu ihrem Schutz beitragen könnte, wurde in der Ausschusssitzung erörtert.

Kaufbeuren – Über den Schutz sowie Maßnahmen zum Erhalt großer Bäume im Stadtgebiet wurde in der ersten Sitzung des neuen Ausschusses für Umwelt und Mobilität im Kaufbeurer Rathaus rege diskutiert. Die Stadtratsfraktion der SPD hatte in einem Schreiben den Erlass einer kommunalen Verordnung zum Schutz bestehender Bäume im Stadtgebiet beantragt. Nach eingehender Abwägung der Vor- und Nachteile einer solchen Verordnung wurde der Antrag mehrheitlich abgelehnt.

Die SPD im Namen von Catrin Riedl wünschte sich eine zeitgemäße Baumschutzsatzung, die im Zuge der Herausforderungen des Klimawandels, der Klimaschutz-Arbeit, wie der Reduktion von CO2-Werten sowie dem Erhalt der Artenvielfalt zugute komme, und zu einem grünen Stadtbild beitrage.

Wie Andreas Schmal, Leiter des städtischen Umweltamtes erläuterte, komme es immer wieder zu Fällungen von stadtbildprägenden Großbäumen. Oft gebe es seitens der Bürger Beschwerden über „angeblich leichtfertige Fällungen“. Durch den Erlass einer Baumschutzverordnung wären laut Schmal Fällungen größerer Bäume nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich und würden in der Regel eine Ersatzpflanzung erfordern. Auf diese Weise sollen Großbäume im Alter von mehr als 60 Jahren besser geschützt werden.

Doch auch die Nachteile einer solchen Verordnung kamen in der Runde zur Sprache. Gerhard Limmer (CSU) als Umweltbeauftragter der Stadt befürchtete etwa, dass die Satzung möglicherweise dazu führt, dass Grundstückseigentümer die Bäume „schnell beseitigen wollen“, und argumentierte damit wie viele Kritiker der Baumschutzverordnung: Denn diese führen an, dass Grundstückseigentümer durch die Verordnung dazu animiert werden, Bäume zu entfernen, sobald sie aufgrund ihrer Größe einen Schutzstatus zu erreichen drohen. Darüber hinaus stelle solch eine Regelung einen zusätzlichen Eingriff in das Eigentumsrecht dar. Stattdessen, so waren sich die Stadträte einig, sollte man auf eine offene Kommunikation setzen, um insbesondere die Grundstückseigner dafür zu gewinnen, sich ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl bewusst zu werden. „Man muss auf die Menschen zugehen, sie informieren“, appellierte Limmer in diesem Sinne.

Außerdem gehe mit einer solchen Verordnung ein großer Verwaltungsaufwand einher, der Schmal zufolge nicht zu unterschätzen sei.

Eine „blödsinnige Verbotssatzung“

Auch Volker Kollmeder (Freie Wähler) vertrat die Ansicht, dass die Verordnung für Kaufbeuren „nicht sinnig“ sei, denn „wir sind in dieser Hinsicht schon auf einem guten Weg“.

„Wir kämpfen um jeden einzelnen größeren Baum und versuchen nach allen Möglichkeiten, mehr Bäume in die Stadt zu bringen“, versicherte Oberbürgermeister Stefan Bosse und wies auf bereits bestehende Bemühungen hin. Ein Gedanke sei zum Beispiel, Bürger mit der Abgabe kostenloser Setzlinge zu versorgen, um die Thematik stärker ins Bewusstsein zu rufen.

„Die Menschen fordern maximalen Klimaschutz, sind aber oft nicht bereit, schmerzhafte Beiträge zu leisten“, machte Bosse auf die Widersprüchlichkeit der Angelegenheit aufmerksam. Kaufbeuren sei bereits eine „grüne, baumfreundliche Kommune“, die den Erhalt von Bäumen fördert. Als „blödsinnige Verbotssatzung“ bezeichnete der OB die Verordnung insofern – stattdessen gelte es, Leitbilder zu formulieren und zu signalisieren, dass „wir gerne weiterhelfen“, zum Beispiel mit Initiativen, die sich für den Erhalt von Großbäumen stark machen.

Kommentar

Vor der eigenen Haustür kehren

Wenn Befürworter der Baumschutzverordnung sich einmal vor Augen führen, wie viele Bäume allein für den Berg an Bürokratie und Papierkram, der nötig wäre, um die Baumschutzverordnung zu erlassen, fallen müssten, könnte dieser unnötige Umstand einen schon nachdenklich stimmen. Bei Umweltschützern und selbsternannten Baumfreunden ist der Unmut groß und wird lauthals verkündet, wenn dieser oder jener Baum droht, gefällt zu werden – die Solidarität mit dem Baum findet allerdings ein jähes Ende, sobald dieser etwa einer Garage für das Zweitauto im Weg steht. Spätestens dann ist der Baum ein leidiges Problem und muss am besten ruckzuck weg. Irgendwann ist es aber an der Zeit, sich einzugestehen, dass man nicht alles haben kann. Die große, mächtige, geliebte Eiche steht möglicherweise den Sonnenstrahlen beim Entspannen auf dem heimischen Balkon im Weg, oder nimmt Platz weg für die geplante Wasseroase, der unnötigen Zweitgarage, etc. Irgendwann merkt der Mensch beim In-sich-Gehen vielleicht, dass persönliche Abstriche unumgänglich sind und man auch mal im Sinne der Natur zurückzutreten, gar auf den Swimmingpool im Garten verzichten könnte. Und dazu brauchen wir nicht den Erlass eines weiteren Gesetzes.

von Mahi Kola

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