Stadtrat kippt Beschluss des Ferienausschusses

Jetzt doch Dachbegrünung am Kinder- und Familienzentrum Grünwalder Straße

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Auf dem Flachdach des neuen Feuerwehrgebäudes grünt es bereits. Auch das Dach des Kinder- und Familienzentrums in der Grünwalder Straße soll nun doch begrünt werden.

Kaufbeuren – Der Kaufbeurer Stadtrat hat einen Beschluss des Ferienausschusses revidiert und gegenteilig entschieden. Anstoß dazu gab ein Antrag der Grünen, in dem der Vorsitzende Oliver Schill im Namen seiner Fraktion forderte, beim Neubau des Kinder- und Familienzentrums in der Grünwalder Straße entgegen des ersten Beschlusses doch eine Dachbegrünung auszuführen. Mit sechs Gegenstimmen von Mitgliedern der CSU und der Freien Wähler folgte das Plenum diesem Antrag. Zwei weitere Anträge zu Grundsatzbeschlüssen bezüglich der Dachbegrünung fanden hingegen keine Mehrheit.

Wie berichtet, sprach sich der Ferienausschuss Anfang August nach längerer Diskussion gegen die 60.000 Euro teure Maßnahme auf dem 700 Quadratmeter großen Flachdach des Familienzentrums aus. Einerseits aus Kostengründen, andererseits hinsichtlich des Pflegeaufwands, das ein begrüntes Dach nach sich zieht. Im Stadtrat hob Helge Carl, Leiter des städtischen Bau- und Umweltreferats, nochmals die Vorteile begrünter Flachdächer hervor (siehe unten), die den kritischen Punkten entgegenstehen. Carls Ansicht nach überwiegen die Vorteile. Gegenteiliger Meinung war Karl Eichinger (FW), der Flachdächer im Allgäu wegen schwerer Schneelasten allgemein kritisch sieht. Außerdem sei der Pflegeaufwand so erheblich, dass die Dächer alle zehn bis 15 Jahre zu erneuern seien. Das habe er in Gesprächen mit Dachdeckern erfahren. 

Dem widersprach CSU-Stadtrat Christian Sobl, der Geschäftsführender Vorstand des Gablonzer Siedlungswerks (GSW)ist. Die Genossenschaft habe in den vergangenen Jahren alle Flachdächer von Neubauten begrünt, etwa 5700 Quadratmeter, und gute Erfahrungen damit gemacht, andernfalls „hätten wir sehr große Wirtschaftlichkeitsprobleme“, sagte Sobl. Einmal im Jahr begutachte eine Spezialfirma die Dächer, auf die das GSW 30 Jahre Garantie habe, und entferne die zu großen Pflanzen. Carl erwähnte, dass man mittlerweile auf dem Stand sei, dass bei Flachdächern im Allgäu generell kein Risiko mehr bestehe und jede Grünfläche grundsätzlich Pflege bedürfe.

Sowohl Angelika Lausser (KI) als auch Angelika Zajicek (FDP) und Catrin Riedl (SPD) sprachen sich im Namen ihrer jeweiligen Fraktionen für die Begrünung aus. Riedl fand, es sei angesichts der Klima-Debatte an der Zeit zu handeln. Sie unterstützte auch die Grundsatzbeschlüsse in Sachen Dachbegrünung, die die Grünen ebenfalls beantragt hatten.

Grundsatzbeschlüsse abgelehnt

Antragsteller Schill klinkte sich als Letzter in die Diskussion ein. Er war der Meinung, die Verwaltung würde nicht zu einer Begrünung raten, wenn nicht alles technisch Relevante abgeklärt sei. Eine Begrünung sei ein Beitrag zum Klimaschutz, der im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit „schwerlich zu monetarisieren“ sei. „Klar kostet Klimaschutz Geld“, aber wenn jetzt nicht gehandelt werde, müssten die Kinder in Zukunft teuer bezahlen, mahnte Schill. „Es ist fünf nach zwölf.“ Die Dachbegrünung des Feuerwehrhauses habe man damals auch ohne Diskussion beschlossen, womöglich, weil keiner bemerkt hatte, dass es in den Plänen so stand, mutmaßte er. Um zu vermeiden, dass künftig „in jeder dritten Sitzung über Dachbegrünung diskutiert“ wird, schlug seine Fraktion diesbezüglich Grundsatzbeschlüsse vor. Die betreffen sowohl Bauleitpläne jeder Baumaßnahme im Stadtgebiet als auch alle städtischen Bauvorhaben mit Flachdächern. „Das ist lediglich eine andere Marschrichtung, eine andere Priorisierung“, sagte Schill. Im begründeten Einzelfall könne man dann immer noch davon abweichen.

Das sah jedoch die Verwaltung anders. Sie empfahl, im jeweiligen Einzelfall die Vor- und Nachteile abzuwägen. Oberbürgermeister Stefan Bosse erinnerte daran, dass der Stadtrat nach den Forderungen der „Fridays for Future“-Bewegung in der Stadt festgelegt hatte, dass Dachbegrünung immer zur Diskussion gestellt werde. Beim Feuerwehrgebäude habe man diese Maßnahme dem Gremium keinesfalls untergejubelt. Im Übrigen hätte man da gar keine andere Wahl gehabt, denn man musste sich an das Versickerungsgebot halten, ergänzte Carl. Auf dem Gelände könne das Regenwasser nur durch die Begrünung zurückgehalten werden. Richard Drexl (FW) war sich sicher, dass sich künftig „eine Linie herausstellen“ und nicht immer eine Diskussion nötig sein wird.

Bei der Abstimmung stimmten die anwesenden Mitglieder der SPD, Grünen und der FDP für die Grundsatzbeschlüsse, die Mehrheit war für Einzelfallentscheidungen.

Vorteile der Dachbegrünung:

• Schutz der Dachabdichtung

• Schall-, Wärme- und Kälteschutz der darunterliegenden Räume

• verzögerter Abfluss des Niederschlagswassers und damit verbundene Entlastung der Stadtentwässerung, insbesondere bei Starkregenereignissen

• Filterfunktion für Staub und Schadstoffe

• Verbesserung des lokalen Klimas durch Verdunstungskälte

• Schaffung von Lebensräumen für Flora und Fauna zur Erhaltung der Artenvielfalt

von Martina Staudinger

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