Fünf Beratungsdienste – Oben zehn Apartments für Wohnungslose

Jetzt doch Haus der Diakonie am Marktoberdorfer Marktplatz

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In diesem Haus am Marktplatz, ehemals Sitz des kurfürstlichen Pflegers, sollen die Beratungsdienste und die Plätze für stationäres Wohnen untergebracht werden.

Marktoberdorf – Also doch! In der Mitte von Marktoberdorf soll das historische Gebäude am Markplatz 1 zum Haus der Diakonie werden. Unten und im ersten Stockwerk sollen von der Schuldner- und Insolvenzberatung bis zu den Wohnhilfen Ostallgäu fünf Beratungsstellen unter einem Dach zusammengeführt werden. Zusätzlich werden oben bis zu zehn Einzelzimmer für wohnungslose Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten entstehen.

In intensiven Gesprächen zwischen Bezirk Schwaben, Stadt Marktoberdorf und der Herzogsägmühle wurde nun eine einvernehmliche Lösung gefunden: Die in Marktoberdorf entstehende Übergangseinrichtung ist auf zehn Plätze begrenzt. Damit ist das ursprüngliche Vorhaben, dort bis zu 30 Menschen aus besonderen sozialen Lagen aufzunehmen, wie es vor einem Jahr zunächst vorgestellt wurde, vom Tisch.

Anliegen: Dezentral

Vertreter der Stadt Marktoberdorf wehrten sich gegen eine Schwerpunkteinrichtung und forderten die dezentrale Verteilung in der Region. Diesem Anliegen konnte nach der Einigung mit dem Bezirk Schwaben, der die stationären Hilfen bezahlt, und mit dem Maßnahmenträger Herzogsägmühle Rechnung getragen werden.

Weitere 20 Plätze entstehen in anderen Gemeinden im Ostallgäu. Die Hälfte davon entfällt auf Biessenhofen, wo Herzogsägmühle eine Immobilie erworben hat, die zuvor als Asylbewerberunterkunft diente und die bis zum Sommer 2020 innen umgebaut werden soll. Weitere fünf Hilfebedürftige sind dezentral in Buchloe untergebracht. Und für weitere fünf Betroffene werden im Bereich Ostallgäu/Kaufbeuren noch geeignete Räume gesucht, wie Christian Meier von der Diakonie in Herzogsägmühle bei einem Pressegespräch erwähnte. Die Stadt Marktoberdorf signalisierte ihre Bereitschaft zur Zustimmung zu einer kleineren Einrichtung zur Wiedereingliederung von Menschen in Wohnraumnot.

Neu festgelegt

Zugleich wurde der in Markt­oberdorf unterzubringende Personenkreis neu definiert. So werden Menschen, die aufgrund einer schweren Straftat verurteilt waren, „anderweitig integriert“. Mit dem Bezirk Schwaben ist konkret vereinbart worden, dass Personen, die wegen Verstoßes gegen die sexuelle Selbstbestimmung verurteilt waren (Vergewaltigung), nicht aufgenommen werden. Sie werden in fachliche Einrichtungen verlegt, die sich meist in großen Städten befinden, wie Christian Meier präzisierte. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell erklärte während des Pressegesprächs, dass trotz der Einschränkung beim Personenkreis „keine Lex Marktoberdorf“ ausgearbeitet worden sei.

Das nun geplante Konzept mit mehreren Standorten im Ostallgäu wird von den Beteiligten als eine gute Lösung gesehen. Das abgewandelte Konzept erfüllt „in hervorragender Weise“ das Ziel, Betroffene in kleinteiligen und dezentralen Einrichtungen auf dem Weg zurück in geregelte Lebensbezüge zu begleiten, hieß es beim Pressegespräch im Marktoberdorfer Rathaus. In der Regel dauert so eine Betreuung 18 Monate.

Im geplanten Haus der Diakonie am Marktplatz 1 werden die bereits an anderen Orten der Stadt vorgehaltenen Beratungsstellen gebündelt und durch weitere Einrichtungen ergänzt. Dies ermöglicht ein Zusammenwirken zum Wohl der ratsuchenden Menschen. Circa 15 bis 20 Menschen werden dort in Voll- beziehungsweise Teilzeit arbeiten. Von 7 bis 21 Uhr sind pädagogisches Fachpersonal und Assistenzmitarbeiter vor Ort, sagte Christian Meier. Nachts und an Wochenenden ist eine Rufbereitschaft gewährleistet.

Unter einem Dach

Mehrere Angebote sollen künftig unter einem Dach zu finden sein. Dies sind die Schuldner- und Insolvenzberatung Ostallgäu, die Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit, der sozialpsychiatrische Dienst Ostallgäu mit betreutem Einzelwohnen (dahinter steht das Diakonische Werk Augsburg), die kirchliche allgemeine Sozialarbeit samt Migrationsberatung der Diakonie Kempten und die Wohnhilfen Ostallgäu der Diakonie Herzogsägmühle.

Das denkmalgeschützte Gebäude war vor rund 250 Jahren der Verwaltungssitz des kurfürstlichen Pflegers – vergleichbar mit dem heutigen Landratsamt. Zuletzt wurde es durch die VR Bank Ostallgäu-Kaufbeuren als Büro genutzt. Eigentümer ist die Firma Hubert Schmid. Nach der Einigung zwischen Stadt Markt­oberdorf, Herzogsägmühle und dem Bezirk Schwaben müsse das Haus saniert werden. Noch sei man „weit davon entfernt“, den Mietvertrag zu unterschreiben, bekundet Brigitte Schröder auf Nachfrage des Kreisbote; sie ist im Bauunternehmen in der Projektentwicklung tätig.

Der evangelische Pfarrer Klaus Dinkel freute sich über die Perspektive im geplanten Haus der Diakonie. „Das ist zutiefst christlicher Auftrag“, beschrieb er die fachlichen Hilfen der evangelischen Kirche für Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Diakon Elmar Schmid von der katholischen Pfarreiengemeinschaft Marktoberdorf betonte die Notwendigkeit der fachlichen und seelischen Begleitung, wenn Menschen zum Beispiel nach Trennungen in eine schwere Krise geraten. Der Hilfebedarf sei unbestritten – „trotz der Wohlstandsgesellschaft“.

jj

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