Bunkerausstellung - Wie Marktoberdorfer Schüler einen Beitrag zur Zeitgeschichte leisten

Im Bunker unterm Rathaus

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Im Bunker in der Rathaustiefgarage: Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell und Lehrer Thorsten Krebs (rechts) vor den Aktivkohlefiltern, mit denen die radioaktive Luft im Ernstfall dekontaminiert worden wäre.

Marktoberdorf – Die Tiefgarage unterm Marktoberdorfer Rathaus ist so groß, dass 96 Autos geparkt werden können. Dass sie zu Zeiten des Kalten Krieges – als einer der größten Strahlenschutzbunker im Allgäu – bis zu 1185 Menschen aufnehmen sollte, wissen heutzutage nur noch die wenigsten Leute.

Diese Atombunker-Historie arbeiten derzeit Zwölftklässler des Gymnasiums im P-Seminar auf. Die Recherchen und Vorbereitungen sollen im Frühjahr 2018 in eine Dauerausstellung münden, die in drei Räumen neben der Tiefgarage gezeigt werden soll.

Nachdem Schüler des Projektseminars schon im Frühjahr 2017 die Idee dazu den Stadträten vorgestellt hatten, erläuterte Thorsten Krebs neulich im Kultur- und Bildungsausschuss, was die vergangenen Monate in der Umsetzung bereits geschehen und was bis Anfang 2018 noch alles zu erledigen ist. Krebs ist am Gymnasium Lehrer für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde. Er gehört selbst dem Marktoberdorfer Stadtrat an.

So eine „Bunkerausstellung“ – das ist jetzt laut Hauptamtschef Rupert Filser der Arbeitstitel und vielleicht sogar die endgültige Bezeichnung – könne zu einem Lernort für alle Marktoberdorfer Schulen werden. Thorsten Krebs sieht darin gar die Chance, der Museumslandschaft in Markt­oberdorf „eine weitere kleine, aber zeitgeschichtlich reizvolle und interessante Facette hinzuzufügen“. Und noch mehr: Diese Bunkerausstellung habe durchaus Ansätze für ein „Alleinstellungsmerkmal in Bayern“.

Die Kosten für Aufbau und Einrichten des Atombunkermuseums belaufen sich auf circa 8000 Euro. Von Geldgebern sind inzwischen gut 4000 Euro eingeworben worden. Der Kultur- und Bildungsausschuss hat nun 3500 Euro bewilligt. Stadträte wie Dr. Andrea Weinhart (Freie Wähler) oder Wolfgang Glas (SPD) bekundeten, wie sehr sie von dem Projekt angetan sind. Arno Jauchmann von der CSU-Fraktion vertrat freilich die Meinung, dass auch der Förderverein am Gymnasium dazu ein paar Euro beisteuern könnte.

Auch Interviews mit Zeitzeugen

An Schautafeln, mit Originalexponaten wie einer ABC-Schutzausrüstung, mit technischen Anlagen, Bildern, Filmmaterial und in Interviews mit lokalen Zeitzeugen soll die Dokumentation zum Kalten Krieg, der prägend war für die Zeit nach 1945 bis zum Fall der Mauer 1989, in der Ausstellung aufbereitet werden. Drei Räume neben der Tiefgarage, die vor knapp 30 Jahren mitsamt Schutzraum eröffnet wurde und knapp vier Millionen Mark kostete, werden für die Präsentation hergenommen.

Erst vor drei Jahren wurde der Strahlenschutzbunker in Markt­oberdorf als Zivilschutzraum endgültig entwidmet, wie es in der Fachsprache heißt. Die verbreitete Sichtweise von einem „hässlichen und funktionalen Bauwerk“ solle einem kritischen Urteil unterzogen werden. Dies ist laut Fachlehrer Krebs genauso ein Anliegen, wie Versäumnissen des Denkmalschutzes bei Bauten des Kalten Krieges entgegenzuwirken. Zu bedenken sei auch, dass Akten aus der Zeit des Kalten Krieges oft als wertlos eingestuft und bereits vernichtet worden seien.

Die Themen sind in drei Abschnitte gegliedert. Zum einen geht es um die Bunkertechnik. Dazu gehören eine Anlage zur Wasseraufbereitung, Krankenbetten, Chemie-Klos, Urinale, Luftfilter, Hygienebehälter, Infos zu Fluchtwegen oder zum Schließen der Schleusen und einiges andere mehr. Ein weiterer Bereich ist die Bunkergeschichte, zum Beispiel mit Einblicken in die Historie des deutschen Schutzraumbaues.

Drittens geht es um den menschlichen Aspekt. Dazu bereiten die vier Schüler des P-Seminars mit ihrem Lehrer Interviews mit Zeitzeugen vor, etwa mit dem ehemaligen Markt­oberdorfer Stadtbaumeister Werner Soppa. Gezeigt werden soll auch ein legendärer Aufklärungsfilm der US-Regierung mit dem Titel „Duck and Cover“.

Große Begeisterung

Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell merkte an, die Begeisterung habe bei diesem Thema „um sich gegriffen“. Das P-Seminar war eines von sechs Projekten im Ostallgäu, die vom Leader-Programm „Unterstützung Bürgerengagement“ ausgezeichnet wurden. Die vier Schüler Maximilian Lederle, Luisa Martin, Colin Schaffer, Philipp Siegert und ihr Lehrer Thorsten Krebs durften sich dabei über eine Fördersumme von knapp 2000 Euro freuen, die in Konzept und Umsetzung der Bunkerausstellung fließen.

jj

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