"Bedarf steigt stetig"

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Die Bauarbeiten für die Wohnanlage können beginnen. Architektin Ulrike Jakob (v. li.), OB Stefan Bosse, DRW-Regionalleiterin Susanne Steinle, DRW-Direktor Walter Merkt, Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke und Bauunternehmer Steffen Lutzenberger setzten zum ersten Spatenstich an.

Kaufbeuren – Vor drei Jahren bekam Oberbürgermeister Stefan Bosse Besuch im Rathaus. Der Besucher Walter Merkt hatte ein besonderes Anliegen: ein Wohnangebot für Menschen mit Behinderungen, insbesondere Autismus in Verbindung mit Intelligenzminderung, in Kaufbeuren zu schaffen – und hatte Erfolg.

Das Anliegen wird nun in die Tat umgesetzt, am vergangenen Montag folgte der erste Spatenstich für eine Wohnanlage des Dominikus-Ringeisen-Werks (DRW) in der Kurat-Frank-Straße, wie sie noch bis Silvester heißt.

Doch warum in Kaufbeuren, gibt es dort nicht schon genug ähnliche Angebote? Nein, sind sich OB Bosse und DRW-Direktor Walter Merkt einig. „Der Bedarf steigt ständig für die gesamte Region“, erklärte der Rathauschef. Eine Einrichtung, die vornehmlich Personen mit Autismus anspricht, gibt es in der Form in der „sozialen Stadt“ noch nicht. „Das tut der Stadt gut“, ergänzte Merkt.

Den Bewohnern und Beschäftigten werden im neuen zentralen Standort in Kauf­beuren kurze Wege zu therapeutischen Einrichtungen zugute kommen, außerdem die Nähe zum Bahnhof und zum BKH.

Der Massivbau wird ein sogenanntes Kfw Effizienzhaus 55 sein, bei dem „der Energiebedarf pro Quadratmeter Wohn- beziehungsweise Nutzfläche und Jahr im Bezug zum Standard nur 55 Prozent betragen darf“, erklärte Architekt Klaus Ehrhardt vom verantwortlichen Büro „Jakob Architekten“. Das zweistöckige Haus mit deckungsgleichen Geschossen wird 24 Erwachsenen mit autistischen Verhaltensweisen und anderen psychischen und körperlichen Behinderungen Platz bieten, entweder in Einzelzimmern mit eigenem Bad oder zu dessen Nutzung zu zweit.

Der gesamte Bau wird laut Susanne Steinle, der Regionalleiterin im Allgäu, barrierefrei sein – was auch ein Grund dafür ist, vom Standort Westendorf, wo in der DRW-Einrichtung derzeit sechs Menschen leben, nach Kaufbeuren zu ziehen.

Auch die Angestellten, die sich intensiv und damit rund um die Uhr um die Bewohner kümmern, werden beispielsweise mit Funktionsräumen und Balkonen und Terrassen berücksichtigt, so Ehrhardt. Die meisten Mitarbeiter bei der kirchlichen Stiftung DRW mit über 30 Standorten in Bayern sind Fachkräfte, über 60 Prozent in Teilzeit beschäftigt.

Mit der neuen Einrichtung in Kaufbeuren werden dann auch Arbeitsplätze geschaffen, beispielsweise in der Heilerziehungspflege.

Die Kosten kalkulieren die Architekten pro Bewohner auf etwa 70.000 Euro, insgesamt also rund 1,7 Millionen Euro, – „sehr günstig“, wie der Architekt betont.

Wenn alles nach Plan verläuft, ist die Wohnanlage mit 1000 Quadratmetern effektiver Nutzfläche bereits im Herbst 2016 bezugsfertig. Nur wird die Adresse dann nach der Namensänderung (wir berichteten mehrfach) eine andere als die heutige sein: nämlich Heilig-Kreuz-Straße.

von Martina Staudinger

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