Ein Leben für die Musik

Doppeljubiläum: 50 Jahre Bayerischer Musikschulverband, 100 Jahre Musikschule Kaufbeuren

Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer (links), VBSM-Präsident, Markus Lentz (rechts), 1. Vorsitzender des VBSM und Mitglied im erweiterten Bundesvorstand des deutschen Musikschulverbandes, Reinhard Loechle, VBSM-Ehrenmitglied, mit Medaille und Verleihungsurkunde.
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Flankiert vom Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer (links), dem VBSM-Präsidenten, und von Markus Lentz (rechts), dem 1. Vorsitzenden des VBSM und Mitglied im erweiterten Bundesvorstand des deutschen Musikschulverbandes, präsentiert Reinhard Loechle, VBSM-Ehrenmitglied, Medaille und Verleihungsurkunde.

Kaufbeuren – Gemeinsam mit der Ludwig Hahn Sing- und Musikschule lud der Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen e. V. (VBSM) zum 43. Bayerischen Musikschultag nach Kaufbeuren ein. Im Rahmen der Veranstaltung unter dem Motto „Ein Leben für die Musik“ wurden gleich zwei Jubiläen begangen: Das 100-jährige Bestehen der Ludwig Hahn Sing- und Musikschule sowie 50 Jahre VBSM, zu dessen Gründungsmitgliedern Ludwig Hahn gehörte. 

Der Jubiläums-Festakt in Verbindung mit der Verleihung der Carl-Orff-Medaille (COM) fand am vergangenen Freitag statt. Dazu hatte sich im Stadtsaal ein handverlesenes hochrangiges Publikum mit Vertretern aus Politik, Kultur und Medien eingefunden.

Ursprünglich war Ministerpräsident Dr. Markus Söder als Festredner im Programm angekündigt. Leider hatte er seine Teilnahme absagen müssen. Er wurde von Bernd Sibler, dem Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, vertreten, der die Musikschulen seit langem nach Kräften unterstützt und Grüße des Ministerpräsidenten überbrachte. Sibler unterstrich die Bedeutung einer fundierten und qualitätvollen musischen Bildung für die Prägung von Herz und Charakter. Das sei ein hoher erzieherischer und demokratischer Auftrag und habe nicht nur funktionale Gründe. Musik lasse uns – wie Mediziner bestätigten – besser lernen oder wirke befreiend, aber vor allem sei Kunst Freude fürs ganze Leben. „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“ (Dieses Zitat von Pablo Picasso bezog sich zwar auf die Malerei, es gilt jedoch auch für alle anderen Kunstformen, Anm. d Red.). Somit sei eine Musikschule auch „eine große Waschanlage“. Das Wachstum des Verbandes in den letzten 50 Jahren von anfänglich 67 bis zu heute 219 Musikschulen, der Anstieg von 35.000 auf 210.411 Schülern zeigt deutlich, welch große Nachfrage – trotz Konkurrenz von PC und Smartphone – besteht. Dem trägt das Land mit wachsenden staatlichen Zuwendungen Rechnung: Waren es 1970 noch 95.000 DM im Jahr, so sind es inzwischen rund 18,9 Millionen Euro. Derzeit, so Sibler, gebe es im Landtag erfolgreiche und konstruktive Gespräche zur Hilfe für die Kunst- und Kulturszene, um Kulturstrukturen am Leben zu erhalten.

Verschärfte Coronamaßnahmen: Maskenpflicht auch am Platz. Nur am jeweils frisch desinfizierten Rednerpult durfte die Maske abgenommen werden.

Ein zusätzliches Grußwort kam von Oberbürgermeister Stefan Bosse, er bezeichnete aktives Musizieren als „eine der großen Bereicherungen des Lebens und gleichzeitige Seelenbildung“. Auch Dr. Thomas Goppel, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst a. D. und Träger der Carl-Orff-Medaille von 2005, kam zu Wort. Er wünschte sich eine flächendeckende Verteilung der Musikschulen, damit, wie es der Erdinger Landrat und VBSM-Präsident Martin Bayerstorfer formuliert hatte, „jedes Kind bezahlbaren Zugang zu einer Musikschule in erreichbarer Nähe hat“. Gleichzeitig kündigte Goppel an, dass eine weitere große staatliche Förderung der Kulturschaffenden ins Haus stehe.

Höhepunkt der Veranstaltung war die feierliche Verleihung der Carl-Orff-Medaille als höchste Auszeichnung des Verbandes an Reinhard Loechle (Jahrgang 1947). 1978 fand auf seine Initiative hin der 1. Bayerische Musikschultag in Erding statt. Loechle, von Anfang an bis zu seiner Pensionierung Schulleiter der Kreismusikschule Erding e. V. sowie langjähriges Vorstandsmitglied und Ehrenmitglied des VBSM, stand nie „an vorderster Front“. Er hätte sich jedoch, wie er sagte, „bei Not am Mann“ nicht verweigert. „35 Jahre lang brachte er sich kontinuierlich ein als Ideengeber, Pionier, Dienstleister und innovativer Geist“, hieß es in der Laudatio von VBSM-Präsident Bayerstorfer. Die Erdinger Musikschule sei dank Loechle im Laufe der Jahre zu einer „zweiten Heimat“ für den VBSM geworden, daher habe der Vorstand im Februar 2020 einstimmig entschieden, dass es im Jubiläumsjahr keine geeignetere Persönlichkeit als Reinhard Loechle für die Verleihung der Carl-Orff-Medaille geben könne.

Die ansprechende musikalische Umrahmung des Festakts erfolgte durch Schüler der Ludwig Hahn Sing- und Musikschule Kaufbeuren. Stella Klein intonierte zur Einstimmung zusammen mit dem Barock-Ensemble Henry Purcells „Music for a While“. Das Buron-Kammerensemble gab „Buron am Wertachstrand“ zum Besten. Das Horn-Quartett spielte „Alla Marcia“ von F. C. Homilius und vom Carl-Orff-Ensemble unter Wolfgang Wagner waren vor der Medaillenverleihung die Sätze I bis III der „Fünf Stücke für Blechblasinstrumente“ von Carl Orff zu hören, abschließend die Sätze IV und V.

Es war – trotz der verschärften Maskenpflicht auch am Platz – eine durchaus denkwürdige Jubiläumsfeier.

von Ingrid Zasche

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